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Ausgetreten: Wolfgang Möckel gehört ab sofort als Parteifreier dem Stadtrat an. 

Kommunalpolitik

In der Geretsrieder CSU-Fraktion kriselt es

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CSU-Stadtrat Wolfgang Möckel tritt aus der Partei aus. Kommt es zur  Gründung einer eigenen Liste?

Geretsried – Im Geretsrieder Stadtrat herrscht im Großen und Ganzen Einigkeit. Viele Entscheidungen fällt das Gremium einstimmig. Scharfe Worte fallen selten. Nun flammt der Kommunalwahlkampf in der größten Stadt des Landkreises aber doch auf. Bürgermeister Michael Müller (CSU) bekommt von den kleinen Parteien Konkurrenz (siehe unten). Und es scheint, als könnte sich aus seiner eigenen Partei heraus eine Opposition formieren.

Offenbar brodelt es hinter den Kulissen des CSU-Ortsverbands. Wie berichtet hat Stadtrat Wolfgang Möckel kurz vor der Aufstellungsversammlung seine Bewerbung um einen Listenplatz bei der CSU zurückgezogen. Sein Fraktionskollege Volker Reeh wäre zu einer neuerlichen Kandidatur bereit gewesen, wurde aber vom CSU-Vorstand nicht berücksichtigt. Möckel hat inzwischen aus seiner Unzufriedenheit „mit einigen strategischen Entscheidungen“ der CSU weitere Konsequenzen gezogen. Am Dienstag ist er aus der Fraktion und auch aus der Partei ausgetreten, erklärt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

Ewald Kailberth, Chef des CSU-Ortsverbands und Sprecher der CSU-Fraktion, bedauert Möckels Austritt, wie er sagt, legt aber Pragmatismus an den Tag. „Wir arbeiten halt ohne ihn weiter, wir machen unsere Arbeit wie bisher weiter.“ Zu den Gründen will er sich nicht äußern. „Es gab Meinungsverschiedenheiten wie woanders auch“, sagt Kailberth. Eigentlich würden in der Fraktion alle harmonisch miteinander zusammenarbeiten, so seine Einschätzung.

Volker Reeh will die Frage, ob er sein Parteibuch behält, nicht beantworten. Das hänge davon ab, wie die Fraktion mit ihm umgehe. Aber: „Ich werde mein Amt nicht vor Ende aufgeben“, stellt das Stadtratsmitglied klar. Laut Kailberth spreche man weiter miteinander und arbeite zusammen. „Er wird nicht ausgeschlossen, das stand nie zur Debatte“, sagt der CSU-Ortschef über Volker Reeh. In der laufenden Amtsperiode „liegt noch einiges vor uns. Die Fraktion ist bereit, ihre Arbeit bis 30. April durchzuziehen“, so der CSU-Chef. Dann übernehme der neu gewählte Stadtrat. „Wir brauchen für die Wahl ein Team, das zusammensteht, und ich bin sicher, dass wir das mit unserer Liste haben.“

In Wolfratshausen haben sich Abtrünnige von CSU und Bürgervereinigung wie berichtet zu einer neuen politischen Gruppierung, der „Liste WOR“, zusammengeschlossen. Das wirft die Frage auf, ob es auch in Geretsried zu einer Abspaltung kommen könnte. Möckel und Reeh halten sich bedeckt, ob sie sich einer anderen Gruppierung anschließen wollen. Ersterer überlegt noch, ob er politisch weitermacht. „Es sind ja noch ein paar Tage Zeit“, sagt Möckel. Nachdem bekannt geworden sei, dass er seine Bewerbung bei der CSU zurückgezogen hat, seien „einige andere auf ihn zugekommen“, so viel verrät Möckel. Über etwaige Angebote sagt sein ehemaliger Parteikollege Reeh nichts, wohl aber über seine Zukunft auf kommunaler Ebene: „Das Pendel schlägt noch zwischen ,Nase voll‘ und ,jetzt erst recht‘ hin und her.“

Dass der Ton zwischen Bürgermeister Michael Müller und Teilen seiner Fraktion zuweilen rau ist, merkte man zuletzt in der Debatte um den Christkindlmarkt. Als Karin Schmid die Organisation der Stadt kritisierte und von Rathauschef Müller zurechtgewiesen wurde, sagte sie: „Dann sag’ ich das nächste Mal zu allem nur Ja und Amen.“ Anders als Möckel und Reeh steht Karin Schmid allerdings wieder auf der CSU-Stadtratsliste. Sie hat Listenplatz 9.

Konkurrenz für Bürgermeister Michael Müller

Die kleinen Parteien haben bereits verlauten lassen: Sie werden bei der Kommunalwahl 2020 Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Die Geretsrieder Grünen wollen bei ihrer Versammlung am 21. November Martina Raschke aus Gelting aufstellen (wir berichteten). Einen Namen nennt der FDP-Ortsverband Wolfratshausen-Geretsried vor ihrer Aufstellungsversammlung am 7. November offiziell zwar noch nicht.Es verdichten sich aber die Anzeichen, dass Larry Terwey Bürgermeister Michael Müller das Amt streitig machen will. Die großen Parteien hingegen übten sich bei diesem Thema bislang in Zurückhaltung. Für die Freien Wähler (FW) in Geretsried steht nun aber fest: „Wir haben definitiv keine Kandidatin oder Kandidaten“, sagt Ann-Kathrin Güner, Vorsitzende des Ortsverbands auf Nachfrage unserer Zeitung. Nachdem der neue Vorstand erst im Sommer zusammengekommen war, habe er sich darauf verständigt, sich auf eine sehr gute Liste konzentrieren zu wollen. Beides zu bewältigen, wäre eine Mammutaufgabe gewesen. Ob die FW starke Kandidaten haben? „Oh ja“, sagt Güner selbstsicher. Mehr will sie vor der Nominierungsversammlung am 29. November jedoch nicht verraten. Die Geretsrieder SPD überlegt noch, erklärt Martin Bruckner im Gespräch. „Ob und wenn ja wer ist noch nicht raus“, so der Vorsitzender. Lang werde die Entscheidung jedoch nicht mehr dauern. Falls die SPD keinen eigenen Kandidaten aufstellen sollte, steht für Bruckner aber fest, dass sie keinen anderen unterstützen wird. „Das hat uns in der Vergangenheit nicht gut getan.“

sw

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