Es ist angerichtet: Wolfgang Werner würzt noch einmal nach. Die italienischen Vorspeisen auf dem Foto hat er zwar nicht selbst zubereitet. Wenn er Zeit hat, steht er aber gerne in der Küche, sagt er. Dann bereitet er zu, worauf seine Familie Appetit hat – von Geschnetzeltem über Schaschlik bis hin zu Spaghetti.
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Es ist angerichtet: Wolfgang Werner würzt noch einmal nach. Die italienischen Vorspeisen auf dem Foto hat er zwar nicht selbst zubereitet. Wenn er Zeit hat, steht er aber gerne in der Küche, sagt er. Dann bereitet er zu, worauf seine Familie Appetit hat – von Geschnetzeltem über Schaschlik bis hin zu Spaghetti. 

„Mein Herz schlägt rot“

Kommunalwahl 2020: Zu Besuch bei SPD-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Werner

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Wolfgang Werner will Bürgermeister werden. Sein Herz schlägt rot. Wir haben ihn daheim besucht.

Geretsried– Wolfgang Werner hat einen straffen Zeitplan. Direkt von seinem Arbeitsplatz am Wolfratshauser Finanzamt fährt er zum Hort, um seinen Sohn abzuholen. Es ist kurz vor 17 Uhr, Caesar (7) ist eines der letzten Kinder in der Betreuung. Abends ist der 44-Jährige als Sportreferent des Stadtrats gefragt. Dazwischen begrüßt er bei sich zuhause unsere Zeitung, die ihn als Bürgermeisterkandidaten der SPD in einer Homestory vorstellen will.

Aus der Ruhe bringt Werner der Stress nicht. Seine Frau Katerina (38) hat italienische Vorspeisen organisiert. „Bei uns unterhält man sich beim Essen“, sagt sie herzlich und zieht Caesar aus dem Wohn-/Esszimmer, der der Autorin dieser Zeilen zum Spielen erst einen Nintendo, dann ein Sammelalbum unter die Nase hält. Was man über seinen Papa wissen muss? „Er ist sehr schlau. Und kann gut rechnen“, sagt der Siebenjährige im Gehen.

Dann ist Ruhe. Werner sitzt an einem polierten Tresen, dem Herzstück zwischen der modernen Küche und der Ledercouch mit indirekter Beleuchtung. Die Baulampen an der Decke erinnern daran, dass die Wohnung erst kürzlich kernsaniert wurde. Sie war betroffen, als es in der Silvesternacht 2017/18 in dem Wohnhaus der Baugenossenschaft brannte. „Alles ist kaputt gegangen, nur die Bad- und Schlafzimmermöbel konnten wir weitgehend retten“, erzählt Werner.

Die neue Einrichtung ist weiß und schwarz. Akzente setzen die Sofakissen, die Christbaumkugeln und Werners Kapuzenpulli. Alles rot, passend zur Farbe seiner Partei. „Mein Herz schlägt rot“, sagt er und lacht. Über die Arbeit lernte Werner Gewerkschaftsvertreter kennen und kam zum SPD-Ortsverein. 1997 war das, seitdem ist er aktiv bei der Partei. 2014 wählten die Genossen ihn zum Kreisvorsitzenden. Werner ist nicht sprunghaft, er ist loyal. Seit seiner Geburt lebt er in Geretsried, nach der Ausbildung beim Finanzamt blieb er dort, und seit zehn Jahren sitzt er im Stadtrat.

Den aktiven Sport musste Werner allerdings aufgeben. Als Kind zog das Eisstadion in direkter Nachbarschaft des Elternhauses seine Aufmerksamkeit auf sich. Von Klein auf spielte er dort Eishockey. „In der Jugend war ich sehr erfolgreich in der U18-Auswahl.“ Als Torwart sei die Konkurrenz allerdings groß gewesen, und mit 16 Jahren hätte er sich auf eine Profikarriere konzentrieren müssen, bestenfalls in einer anderen Stadt. „Aber ich wollte auf der sicheren Seite stehen und erst meine Ausbildung machen.“ Eine Entscheidung, an der er heute noch manchmal knabbert. „Hin und wieder träume ich vom Eishockey“, sagt der 44-Jährige.

Kein Wunder also, dass der Sport eines seiner Steckenpferde im Stadtrat ist. Als Sportreferent rief er die Runde „Wo drückt der Turnschuh?“ ins Leben, in der Vertreter der Sportvereine über ihre Sorgen und Nöte sprechen können. „Das ist ein Erfolgsmodell geworden“, sagt Werner. Auch sonst ist in den vergangenen Jahren viel vorangegangen. Das Heinz-Schneider-Eisstadion hat ein Dach bekommen, das neue Hallenbad soll heuer eröffnen, und Werner konnte die Vereine bei vielen kleineren Dingen unterstützen. „Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.“

Werner hat aber nicht nur den Sport im Kopf. Zu anderen Themen hat er ebenfalls Anträge geschrieben, etwa für einen qualifizierten Mietspiegel, einen kostenlosen Stadtbus oder eine soziale Bodennutzung. „Mir ist es wichtig, mich aktiv einzubringen“, sagt der 44-Jährige. Als er in der vorletzten Amtszeit als Nachrücker in den Stadtrat kam, sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. „Als Eishockeyspieler möchte man auch in der Ersten Mannschaft spielen.“ Bürgermeister zu werden, sei die Königsdisziplin. Vor sechs Jahren habe er sich zu jung gefühlt. Aber jetzt „traue ich mir das Amt zu“, sagt Werner. Er wolle Verantwortung übernehmen und gestalten.

Bei Wahlen hatte es die SPD zuletzt nicht leicht. Auf den 15. März blickt Werner dennoch mit Zuversicht. Die Mitglieder würden sich „brutalst“ auf kommunaler Ebene engagieren. „Ich glaube, dass die Menschen wissen, was wir für sie leisten, und das honorieren.“

sw

Fragen über Fragen 

Lieblingsplatz in Geretsried? 

Das Heinz-Schneider-Eisstadion. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Hardcore-Music, Deutsch-Punk, aber auch die alten Metal-Klassiker. 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht unterwegs? 

So richtig in Tracht weiß ich nicht, wahrscheinlich beim Waldsommer. 

Mögen Sie Haustiere? 

Ja sehr, ich hatte einen Hund. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Na schon eher Ordnung – vor allem im Büro. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Auf ein Bier lasse ich mich schon überreden. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Strandurlaub, ich liebe den Balkan. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Eher verzeihend. 

Drei Dinge für die Insel? 

Streichhölzer, Taschenmesser, Leintuch. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Schweinshaxn. 

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Gutmütig – manchmal zu sehr. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Nein. 

Ihr Motto? 

Gib niemals auf.

Podiumsdiskussion

Wolfgang Werner trifft bei der Podiumsdiskussion von Geretsrieder Merkur/Isar-Loisachbote auf die anderen Geretsrieder Bürgermeisterkandidaten Amtsinhaber Michael Müller (CSU), Martina Raschke (Grüne) und Larry Terwey (FDP).

Alle Infos zur Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden Sie auf unserer Themenseite.

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