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Hier wollen sie hin: Im großen Sitzungssaal des Rathauses tagt der Geretsrieder Stadtrat.

Sprung in die Erwachsenen-Politik

Kommunalwahl 2020: Zwei ehemalige Jugendräte wollen in den Geretsrieder Stadtrat

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Im Jugendrat können Mädchen und Buben erste politische Erfahrungen sammeln. Dass das fruchtet, zeigen Peter Curtius und Felix Leipold. Sie wollen nun in der Erwachsenen-Politik Fuß fassen.

Geretsried – Sich für sechs Jahre zu verpflichten und sich in der Freizeit mit teils trockener Kommunalpolitik zu beschäftigen, das klingt für viele junge Erwachsene wenig verlockend. Peter Curtius und Felix Leipold schreckt das nicht ab. Der 22- und der 20-Jährige kandidieren bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 für den Geretsrieder Stadtrat. Ihre Zeit in einem Sitzungssaal zu verbringen, ist für die beiden nicht neu: Beide waren Mitglied des Jugendrats, den die Stadt 2015 als erste Kommune im Landkreis eingeführt hatte.

Peter Curtius

Curtius und Leipold haben in dieser Zeit Kontakte geknüpft, die ihnen jetzt beim Schritt in die große Politik halfen. Beide erhielten einen Listenplatz sehr weit vorne. Unterschiedlich sind allerdings die Themen, für die sie brennen. Curtius engagierte sich parallel zum Jugendrat auch in der Grünen Jugend. „Ich bin mit den Söhnen Koch befreundet“, sagt der Listenzweite aus Gelting. Vater Klaus Koch ist Landratskandidat der Grünen. Mit seinen Freunden habe er sich immer wieder viel ausgetauscht und die gleichen Werte geteilt. Bezahlbarer Wohnraum, Öffentlicher Personennahverkehr und Umweltschutz sind für Curtius zentral.
„Da rutscht man dann so rein.“

Leipold fühlt sich bei den Freien Wählern gut aufgehoben, „als ganz normaler Mensch, ich bin nicht schwarz und auch nicht grün genug“, sagt der Listenvierte. Er habe Gespräche mit fast allen Parteien geführt, konnte sich aber mit dem neuen Vorstand und der Liste der Freien Wähler am meisten identifizieren. Einsetzen will sich Leipold für einen günstigeren Stadtbus und die Aufwertung der Mittelschulen. Und auch „der Jugendrat ist mir weiterhin ein Anliegen“.

Einige Kandidatenlisten für den Geretsrieder Stadtrat stehen schon fest. Hier ein Überblick.

Leipold war schon lange klar, dass er in die Politik will. „Ab der fünften Klasse wollte ich immer Klassensprecher sein“, erinnert er sich. Wegweisend war ebenfalls ein Besuch der damaligen Bürgermeisterin Cornelia Irmer in Leipolds Schule. „Sie hat nach außen getragen, dass ihr das Amt Spaß macht.“ Den 20-Jährigen begeistert, dass Politik ein kleines Taktikspiel sein könne und insbesondere die Kommunalpolitik nah an den Leuten sei. „Ich finde es cool, dass ich anpacken kann, was mich stört oder ich noch besser machen will.“ Übrigens: Sein Volontariat bei Radio Oberland in Garmisch-Partenkirchen und sein politisches Engagement „trenne ich strikt“.

Felix Leipold

Peter Curtius studiert Betriebswirtschaftslehre in Rosenheim, wohnt in Gelting und arbeitet als Werkstudent bei Eagle Burgmann in Wolfratshausen. In seiner Freizeit spielt er Fußball und Tennis. Er ist Mitglied im Spielmannszug, in der Brauchtumsgruppe, im Burschenverein und bei den Siebenbürger Sachsen. Und nun auch noch Stadtrat? „Mir wird’s langweilig, wenn ich nichts mache“, sagt der 22-Jährige lachend. „Ich hab Bock drauf, ich will was verändern, was bewirken.“

Dass der Jugendrat den Grundstein für die Stadtratskandidatur gelegt hat, wollen Curtius und Leipold so nicht sagen. Leipold fand ihn mehr pädagogisch als politisch, und Curtius fühlte sich wenig ins aktuelle Geschäft einbezogen. Dennoch sei der Jugendrat eine gute Möglichkeit gewesen, erste Erfahrungen mit den Abläufen im Rathaus zu sammeln, sagen die beiden. Das ist auch ein Anliegen von Heidi Dodenhöft, Jugendreferentin des Stadtrats. „Die Mitglieder des Jugendrats verstehen besser, wie Beschlüsse entstehen und lernen, Interessen zu vertreten und an einer Sache konsequent dranzubleiben“, sagt sie. Das erweitere den Horizont und bilde eine Grundlage für eigenes kommunales Handeln.

Dass mit Curtius und Leipold nun zwei ehemalige Jugendräte auf den Kandidatenlisten für den Stadtrat stehen, freut Dodenhöft: „Der Stadtrat wird verjüngt, und Themen der Jugendlichen werden deutlicher aufgegriffen.“ Damit ist die Jugendreferentin aber noch nicht wunschlos glücklich. Sie würde gerne „auch Mädels begeistern. Im jetzigen Jugendrat gibt es einige, die ich mir in sechs Jahren vorstellen könnte.“ Leipold und Curtius würden sich über Verstärkung freuen.

sw

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