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Zwischen Hamburg und Teheran: Benedikt Jahnel und Trio gastierten in Gelting. 

Geltinger Hinterhalt

Cooljazz-Sinfonien mit Nostalgie-Flash

Hannover, Hamburg, Gelting, München, Köln, Teheran. Benedikt Jahnel und sein Trio sind „on Tour“. Der international erfolgreiche Jazz-Pianist vergisst jedoch nie seine musikalische Kinderstube: die Kulturbühne Hinterhalt.

Geretsried –  „Wenn ich hier spiele, bekomme ich einen Nostalgie-Flash“, gesteht der gebürtige Geretsrieder am Dienstagabend seinem Publikum. Im Hinterhalt in Gelting hat Jahnel seit seinem zwölften Lebensjahr Bühnenerfahrungen machen dürfen. Zusammen mit dem Spanier Antonio Miguel am Kontrabass und dem New Yorker Schlagzeuger Owen Howard präsentierte das Trio Modern Jazz der Spitzenklasse, eine Reise durch die Alben „Modular Concepts“, „Equilibrium“ und die neue CD „The Invariant“.

Jahnel-Jazz mit Kraft und Gefühl

Ihre Musik ist die Klassik der Moderne. Die Stücke, überwiegend aus der Feder des Geretsrieders, sind in feinste Klangnuancen und verzwickte Rhythmuskonstruktionen aufgelöst. Es sind Sinfonien. Oder, um es anders auszudrücken: Klangmalereien komplizierter Kompositionen. Musik, die Bilder suggeriert, die teils mitreißt, teils aber auch in einen Zustand eigener Interpretationen führt. Jahnels anspruchsvoller Cool Jazz ist nicht abstrakt, abgehoben oder vergeistigt. Ein roter Faden ist immer zu erkennen respektive zu hören. Zwischen hochkomplexen Improvisationen und aufgelösten Klangstrukturen werden Akzente und Haltepunkte in Form von wiedererkennbaren Akkorden gesetzt, die den Zuhörer an der Hand nehmen und eintauchen lassen in den vollen, satten Sound. So bekommt Jahnel-Jazz einen bodenständigen Ansatz, geht weg von akademischer Nüchternheit hin zu Kraft und Gefühl.

Wenn der Groove ins Gemüt fährt

Wer behauptet, Cool Jazz sei kühl und distanziert, wurde eines Besseren belehrt. Ob leise Stücke oder energisch treibende Kompositionen mit Klavier, Kontrabass und Trommelrhythmus – der Groove fuhr ins Gemüt. Bezeichnend für das Konzert stehen zwei Beispiele: Bei der sanften Komposition „Mono Lake“ entstand ein Bild einer in sich ruhenden Wasseroberfläche. Jahnels sanfte Klaviertöne wogten dahin und wurden von Bass und Schlagzeug über die Wellen getragen. Man konnte nicht anders, versank in eigene Gedanken.

„Part of the Game“ mit explosivem Finale

Das andere Extrem war das Stück „Part of the Game“. Reich an sich steigernder Energie, die zu einem explosiven Finale führte, indem der Klavierklang mit den Kontrabass-Passagen und dem Schlagzeug-Solo von Owen Howard aus kunstvollsten Rhythmik-Elementen verschmolz. Der Lohn: ein begeistertes „Wow“ als dickes Dankeschön vom Publikum.

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