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Ehrensache: Pawlowski löst auf dem Gipfel des Mustagh Ata sein Versprechen ein.

Karitative Turnübungen

Kopfstand für den guten Zweck: Geretsrieder sammelt Geld für Afrika

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Markus Pawlowski aus Geretsried reist in ferne Länder, erklimmt Berggipfel und lässt sich dort oben fotografieren – im Kopfstand und für einen guten Zweck. 

Geretsried – Immer wieder schlagen Pädagogen Alarm: Die Digital Natives der Gegenwart – gefangen zwischen Computer und Spielekonsole – könnten keine Purzelbäume mehr. Von der nächsten Stufe, einem Kopfstand, den zwei, drei Generationen zuvor nahezu jedes Kind beherrschte, ganz zu schweigen. Als Vorbild vorangeht da Markus Pawlowski. Der Lehrer für Chemie und Biologie an der Geretsrieder Realschule mosert nicht über unbewegliche Kinder, sondern zeigt ihnen, wie es geht. Und das obendrein für einen guten Zweck: Der 55-Jährige macht Kopf- und Handstände für Afrika – auf ziemlich exotischen Berggipfeln.

Markus Pawlowski ist Lehrer an der Geretsrieder Realschule und Bergsteiger. 

Klingt ein wenig schräg, „und das ist es auch“, sagt Pawlowski grinsend. Der „Quatsch“ ist ihm 2011 während eines Trips nach Ecuador gekommen. Dort erklomm der passionierte Bergsteiger mit einem Kumpel die drei höchsten Gipfel des Landes. Und „wie man so rumspinnt, wenn man mit Freunden unterwegs ist“, machte Pawlowski auf dem 5897 Meter hohen Cotopaxi einen Kopfstand. Drei Tage später auf dem Chimborazo wiederholte die heitere Zweier-Seilschaft das Kunststück – und filmte sich dabei. „In der dünnen Luft schaltet’s Hirn halt ab“, meint Pawlowski. Positiv ausgedrückt: Eine Idee war geboren.

Der Kopfstand in China bringt 41000 Euro

Die setzte der 55-Jährige im folgenden Sommer um. Es ging nach China zum Mustagh Ata. Zuvor hatte er eine fotogeshoppte Postkarte entworfen. Auf der ist er – auf dem Gipfel des 7509-Meter-Riesen mit Skiern kopfstehend – zu sehen. Die Karten verkaufte er für einen guten Zweck an Schüler, Eltern und Bekannte – Versendung aus China inklusive. Rund 200 Spender wollten Post aus Fernost erhalten. Das Geld, das Pawlowski damit zusammenbekam, etwa 4100 Euro, ging an ein Projekt seiner Schule. Die engagiert sich seit vielen Jahren für Kinder und deren Familien in Afrika (wir berichteten).

Übrigens: Kopf stand der 55-Jährige auf dem Gipfel des Mustagh Ata trotzdem – obwohl die Karte mit dem bildbearbeiteten Motiv ja schon fertig war. Für ihn „war das Ehrensache“. Das Versenden der Post aus Asien sei übrigens gar nicht so einfach gewesen, erinnert sich Pawlowski. „Wir leben ja in einer digitalen Welt.“ Im Hauptpostamt von Kaxgar, der nächstgelegenen Großstadt, habe er deshalb „beim ersten Versuch nur 27 Briefmarken gekriegt“. Erst auf intensive Bitten der Deutschen beschafften die Chinesen am nächsten Tag den Rest.

Keine Chance in Bolivien

Anfang dieses Jahres wollte Markus Pawlowski diese Aktion mit einem Handstand auf Boliviens höchstem Berg, dem 6542 Meter hohen Sajama, toppen. Extreme Höhenwinde verhinderten die Besteigung jedoch. Ein unwesentlich niedrigerer Gipfel, den man sich bis 5000 Meter Höhe mit dem Auto nähern kann, ließ ebenfalls keine karitative Turnübung zu. „Dort hatten wir Büßerschnee, schräg gefrorene, gefährliche Eisplatten“, erzählt Pawlowski. Also machte er seinen Handstand am Ufer des Titicacasees, um sein Versprechen einzuhalten. Diesmal sprangen 3700 Euro für Afrika heraus.

Weitere Aktionen hat der Geretsrieder vorerst nicht geplant. Er habe seiner Frau versprechen müssen, „den Unfug“ sein zu lassen, „denn passieren kann immer was“. Oben auf dem Mustagh Ata sei ein toter Pole gelegen – gestorben an der Höhenkrankheit. Und wenn man sich in besagtem Büßerschnee „den Hax bricht, hilft einem keiner. Denn da ist nix und niemand weit und breit.“ Auch deshalb ist im nächsten Urlaub mit der Gattin Griechenland angesagt: Ziel ist die Insel Thassos. Dort steht auch ein Berg, der Ypsario, 1206 Meter hoch. Soll er halt dort einen Handstand machen. „Zu mickrig“, sagt Markus Pawlowski und lacht.

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