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Extrem umstritten: Der geplante siebengeschossige Neubau am Karl-Lederer-Platz in Geretsried.

Hingucker oder Fremdkörper?

Das sagen die Handelsverbände zu den Plänen fürs Stadtzentrum 

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„Die Zentrumsstärkung und Schaffung zeitgemäßer Handels- und Dienstleistungsflächen rund um den Karl-Lederer-Platz ist aus unserer Sicht grundsätzlich zu begrüßen.“ So beginnen die Stellungnahmen des Ortsvorsitzenden des Deutschen Gewerbeverbands, Bernd Füger, sowie des Einzelhandelsvereins ProCit unter dem Vorsitz von Ludwig Schmid und Frederik Holthaus. Dennoch gibt es auch seitens der beiden Verbände deutliche Kritik.

Geretsried - Nach den Worten Fügers kann Geretsried durch die städtebauliche Maßnahme zusätzliche Kaufkraft binden und als größte Stadt im Landkreis an Profil gewinnen. „Ob dazu 26 Meter Wandhöhe und eine Kubatur, die sich am maximal Machbarten orientiert, notwendig sind, darüber kann man geteilter Meinung sein.“ Letztlich werde die architektonische Gestaltung den Ausschlag geben, ob der siebengeschossige Krämmel-Bau „ein Hingucker oder ein beliebiger, die Umgebung erschlagender Baukörper wird“, so Füger. Er bedauert auf jeden Fall „die deutliche Verkleinerung des Marktplatzes“. Auch sei mit einer „deutlichen Minderung der Aufenthaltsqualität“ durch die Verschattung des Restplatzes zu rechnen.

Sorge um Parkplatzsituation

Weiter sorgt sich der Gewerbeverband, dass sich die Parkplatzsituation durch den Wegfall oberirdischer Stellplätze verschlechtert. „Geretsried wird sein altes Kleid verlieren, das es sich in Zeiten der Gründungsphase anziehen musste“, schreibt Füger. „Zu hoffen bleibt, dass die neuen Kleider passen und das neue Zentrum von den Bürgern angenommen und mit Leben erfüllt wird.“ Erfahrungsgemäß würden Supermarkt und Filialisten auf den neuen Flächen den Ton angeben.„Damit steigt die Gefahr, in der Beliebigkeit vergleichbarer Innenstädte zu versinken.“ Andere Betriebsformen sollten deshalb eine reelle Chance haben, das Warenangebot zu ergänzen. Darauf setzt auch die Stadt. Sie argumentiert, dass solche „Magnetbetriebe“ gerade andere Läden anziehen. 

ProCit: „städtebaulich kaum vertretbar“

Ludwig Schmid Vorsitzender des Einzelhandelvereins ProCit. 

Der Einzelhandelsverband ProCit begrüßt eine Nachverdichtung und auch ein Gebäude, das als Orientierungspunkt dient und den Karl-Lederer-Platz neu fasst – nicht aber den geplanten siebengeschossigen Krämmel-Bau. „Dieser überdimensionierte Baukörper fügt sich nicht in die umliegende Bebauung ein, sondern wirkt wie ein riesiger Fremdkörper, der städtebaulich kaum vertretbar ist“, heißt es in der Stellungnahme. Der Vorsitzende Schmid hat dazu Skizzen aus der Verschattungsstudie beigefügt. Auch seien insgesamt zu wenige Parkplätze geplant.

Dieser Einwand wurde allerdings erhoben, als noch keine Zentralgarage mit rund 400 Stellplätzen geplant war, davon die Hälfte öffentlich zugänglich. Nach Aussage der Stadt werden die nach der Bayerischen Bauordnung notwendigen Stellplätze in der Tiefgarage erstellt. Darüber hinaus gebe es weiterhin oberirdische Kurzzeitparkplätze. 

Krämmel-Bau setzt Weichen für zukünftige Entwicklung

Zu den Ausmaßen des Krämmel-Baus schreibt die Stadt: „Nachdem mit dem Neubau der Baugenossenschaft (BGZ) eine neue Höhenentwicklung am Platz angestoßen wurde, setzt nun das hier vorliegende Vorhaben die Weichen für die zukünftige Entwicklung mit neuer Höhe und Dichte.“ Es soll sich demnach nicht in die umliegende Bebauung einfügen, sondern die Richtung für weitere Projekte vorgeben. Auch auf den anderen Grundstücken rund um den Karl-Lederer-Platz soll das Baurecht erhöht werden. Die Stadt halte „ausdrücklich“ an ihrem Ziel fest,„hier einen städtebaulichen Kontrapunkt zur Umgebungsbebauung zu setzen“. 

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