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Lieber Spaß in der Bayernliga als Karriereende: Martin Morczinietz hütete abwechselnd mit David Albanese das Tor des ESC Geretsried – und lässt sich möglicherweise zum Weitermachen überreden.

Porträt der Woche

Kreis schließt sich: Ex-ESC-Torhüter Martin Morczinietz kehrt nach Geretsried zurück

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Der ehemalige Eishockeyprofi Martin Morczinietz ist nach seiner großen Tour bis in die DEL nach Geretsried zurückgekehrt. Er hat die Schlittschuhe an den Nagel gehängt und macht nun etwas ganz anderes.

Geretsried – Martin Morczinietz ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit. Viele Jahre lang verdiente der heute 33-Jährige zuvor sein Geld als Eishockeyprofi, stand als Torhüter in der DEL, der 2. Bundesliga, der Oberliga und zuletzt in der Bayernliga bei seinem Heimatverein ESC Geretsried zwischen den Pfosten. Obwohl er bei seinen Vereinen eher selten die Nummer eins war, fällt dem Bruder von Ex-Nationalspieler Andreas Morczinietz die Beurteilung seiner Laufbahn leicht: „Ich habe überall meine Chance bekommen. Deshalb schaue ich ohne Reue auf meine Karriere zurück.“

Für den kleinen Martin war der Weg zum Eishockey geradezu vorgezeichnet. Bruder Andy jagte schon früh im Geretsrieder Stadion dem Puck hinterher, dazu waren vier Cousins und eine Cousine beim TuS aktiv. „Außerdem war mein Vater Robert als Nachwuchstrainer tätig, und damit ohnehin die gesamte Familie ständig im Eisstadion“, erinnert sich Morczinietz. Allerdings hätten sich die Eltern gewünscht, dass ihr jüngerer Sohn eine Karriere als Verteidiger anpeilte – quasi als Ergänzung zum talentierten älteren Bruder im Angriff.

Schlittschuhe blieben eine Saison im Schrank

Martin jedoch verweigerte diese Position, ließ eine Saison lang die Schlittschuhe im Schrank liegen. Nachdem er seine Eltern ausgiebig bearbeitet hatte, fing er mit sechs Jahren wieder an – als Torhüter. „Offenbar hatte ich schon etwas Talent dafür. Der damalige Coach Manfred Heinke hat das sofort gesehen.“ Der legendäre Übungsleiter war streng zu den Buben, „aber er hat uns Spielern alles mitgegeben, was man brauchte. Und ich habe davon später profitiert.“ Geschult wurde Morczinietz auch von seinem Vater, der sich spezielle Übungen ausdachte, um die Reflexe des jungen Keepers zu trainieren.

Auch beim Verband wurde man bald auf das Können des jungen Geretsrieders aufmerksam. „Ich habe in allen BEV-Teams und bis zur U 17 in der Nationalmannschaft gespielt.“ Dass er damals für die U 18-Weltmeisterschaft in Kanada nicht nominiert wurde, wurmt Morczinietz heute noch. „Stattdessen musste ich mit dem TuS die Oberliga-Play-Downs bestreiten.“ Bereits als Jugendtorhüter war der gebürtige Tölzer vom damaligen Trainer Horst Valasek – einst selbst Keeper in der tschechischen Extraliga – für die Erste Mannschaft nominiert worden. 2002 stieg der TuS in die Bayernliga ab; Morczinietz hatte die Saisonvorbereitung bei den Frankfurt Lions bestritten, bekam aber keine Förderlizenz vom BEV und blieb beim TuS.

Von Greg Gardner hat er viel gelernt

Ein Jahr später wechselte er auf Vermittlung seines Bruders zu den Hannover Scorpions. „Ich habe an der FOS in Bad Tölz noch mein Fachabitur in Sozialwesen gemacht und habe sofort nach der Zeugnisvergabe meine Koffer gepackt.“ Von den Niedersachsen wurde Morczinietz ins Farmteam zum heutigen DEL-Klub Bremerhaven in die 2. Bundesliga geschickt – als Backup des Kanadiers Greg Gardner. „Ich habe viel von ihm gelernt, zum Beispiel, was das Fitnesstraining vor der Saison betrifft.“

Talent früh erkannt: Martin Morczinietz.

Der Oberbayer wurde mit den Fischtown Pinguins Zweitliga-Vizemeister und war nicht unzufrieden, aber als er 2006 einen Anruf aus Augsburg erhielt, ergriff er die Chance, in die DEL zu wechseln. Auch hier hatte er „großes Glück“, mit dem Schweden Rolf Wanhainen wiederum auf eine kollegiale Nummer eins zu treffen. Nach einem Jahr zog es Morczinietz wieder nach Hannover. Als die Scorpions jedoch zusätzlich den späteren Nationalgoalie Dimitri Pätzold verpflichteten, war der Oberbayer nurmehr dritte Wahl. Er wechselte zu den Bietigheim Steelers in die 2. Bundesliga, wo er 2009 Meister wurde. Parallel zum Eishockey nahm er ein Fernstudium „Internationales Management“ an der Fachhochschule Ansbach in Angriff. „Ein spezieller Studiengang für Sportler. Bei den Vorlesungen war ich mit Biathlet Michael Greiss, Skilangläufer Lucas Bögl und Radrennfahrer Benjamin Stauder zusammen.“

Obwohl der Torhüter 2010/11 für die Steelers 29 Mal im Kasten stand, zog es ihn ein Jahr später wieder in heimatliche Gefilde: Morczinietz ging zum Oberligisten EHC Klostersee, 2012 kam Tochter Helena zur Welt und er heiratete seine Frau Verena. In Grafing war er nun die Nummer eins, aber als sich der Klub aus finanziellen Gründen in die Bezirksliga zurückzog, schloss sich der Torwart dem EHC Sonthofen an. „Das hat aber weder sportlich noch familiär gepasst“, bedauert Morczinietz, der damals samt Familie in Tölz (heute: Benediktbeuern) wohnte. Es deutete also alles auf Karriereende hin, zumal er nach seinem abgeschlossenen Bachelor-Studium bei der Agentur für Arbeit eingestiegen war und eine zweite Tochter, Romy, bekam. „Ich sitze 40 Stunden im Büro und bin im ganzen Landkreis unterwegs. Das und die Familie – das muss wirklich passen.“

„Ich wollte nochmal ein Jahr lang richtig Spaß haben“

Matthias Gräubig, 2. Vorsitzender des ESC Geretsried, bewahrte Morczinietz davor, vorzeitig die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. „Meine Frau hat zugestimmt, auch weil sich mit der Rückkehr nach Geretsried für mich ein Kreis schließt“, verrät der 33-Jährige. Er sei herzlich aufgenommen worden, auch wenn es mit Verteidiger Hans Tauber und Co-Trainer Andi Dornbach nur noch zwei Kameraden aus gemeinsamen TuS-Zeiten gibt. „Ich wollte nochmal ein Jahr lang richtig Spaß haben – und das hat ja auch wunderbar geklappt“, sagt Morczinietz nach der starken Bayernliga-Saison der River Rats.

Erfreut war er zudem über das gute Verhältnis mit seinem Kollegen David Albanese, mit dem er sich im ESC-Gehäuse abwechselte: „Das hat gut gepasst, aber wir sind halt beide auch schon ein bisschen älter und reifer“, sagt Morczinietz schmunzelnd. Also sollte doch nichts dagegensprechen, wenn das stärkste Torhüter-Duo der Bayernliga dem ESC auch in der kommenden Saison den Rücken stärkt? „Ich wollte jetzt aufhören, aber diese Entscheidung ist nicht unumstößlich.“ Es scheint so, als müsste der Berufsberater mal eine kompetente Freizeitsberaterin konsultieren.

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