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Kritik an Berufsorientierung für Schüler: „Es müssen nicht alle studieren“

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Von: Peter Herrmann

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Moderierte den Online-Vortrag von Dr. Karin Oechslein: Susanne Arndt vom Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport.
Moderierte den Online-Vortrag von Dr. Karin Oechslein: Susanne Arndt vom Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport. © ph

Der Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport erkennt Schwächen im Bildungssystem. Dr. Karin Oechslein sieht mehrere Probleme. „In den Gymnasien hakt‘s am meisten“

Geretsried – Etwas mehr Zuhörer hätte sich die Frauenunion und der Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport (AKS) kürzlich im kleinen Ratsstubensaal gewünscht. Denn der per Online-Schaltung übertragene Vortrag der Bildungsexpertin Dr. Karin Oechslein zum Thema „Berufsorientierung als Teil der Schulentwicklung“ vermittelte zum Teil alarmierende Erkenntnisse, aber auch konstruktive Lösungsansätze.

Kritik an Berufsorientierung für Schüler: „Es müssen nicht alle studieren“

Gerade mal fünf Besucher begrüßte AKS-Vorsitzende Susanne Arndt. Weil die Referentin wegen eines Krankheitsfalls in der Familie ihre Wohnung nicht verlassen konnte, stellte Arndt mit ihrem Smartphone eine Videoübertragung her. Oechslein leitete von 2014 bis zu ihrem Ruhestand 2020 als Direktorin das Staatsinstitut für Schule und Bildungsqualität in München. Sachkenntnis erwarb sich die promovierte Germanistin und Romanistin zuvor unter anderem als Schulleiterin am Gymnasium Oberhaching sowie als Ministerialbeauftrage für Gymnasien in Oberbayern-West.

Berufsorientierung an Mittel- und Realschulen ist gut - aber: „In Gymnasien hakt‘s“

„Es müssen nicht alle studieren“, schickte Oechslein voraus. Während sie die begleitenden Angebote zur Berufsorientierung an den Mittel- und Realschulen ausdrücklich lobte, verzeichnete sie an anderen Bildungseinrichtungen Schwächen. „In Gymnasien hakt’s am meisten“, stellte die Referentin fest. Im Gegensatz zu Mittel- und Realschülern, die meist mit konkreten Berufswünschen die Schule verlassen, wollen sich viele Abiturienten nach ihrem Abschluss erst mal „selbst finden“.

Verlorene Zeit, findet Oechslein. Denn eine frühe und systematische Berufsorientierung an Schulen könnte den stetig wachsenden Fachkräftemangel in vielen Branchen minimieren. „Hierfür müsste der Dialog zwischen Schule und Arbeitswelt gefördert werden“, folgerte die Bildungsexpertin. Dabei gibt es viele Programme der Bundesagentur für Arbeit, die aber von den verantwortlichen Gymnasialleitern noch zu wenig in Anspruch genommen würden. So könnten beispielsweise Arbeitsblätter, Fragebögen und Checklisten bequem im Internet abgerufen werden.

Viele Studien- und Ausbildungsabbrecher - Berufsorientierung könnte Abhilfe schaffen

Dank dieser Vorbereitung ließen sich nach Ansicht Oechsleins auch die Zahl der Ausbildungs- und Studienabbrecher deutlich verringern. Am Ende ihres Vortrags forderte die Referentin die Entwicklung eines Qualitätsmanagements zur Berufs- und Studienorientierung als „konstitutiven Bestandteil des Schulprofils“.

Heiko Arndt, Dritter Bürgermeister von Egling, gefiel dieser Ansatz der besseren Vernetzung von Schule und Arbeitswelt. Sein Appell an die Verantwortungsträger: „Klagt nicht darüber, was alles nicht da ist, sondern macht einfach was!“

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