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„Saublöd“ findet Konstantin Wecker die Absage des Kulturherbstes. Das Foto entstand 2014 und zeigt den Liedermacher mit (v. li.) Bürgermeister Michael Müller, dem damaligen Festivalleiter Günter Wagner und Ex-Musikschulleiterin Vera Kraus.

Künstler sind enttäuscht

Kulturherbst-Aus: „Ein Desaster“ und "ewig schade"

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Geretsried – „Das ist schon saublöd“: So kommentiert der Liedermacher Konstantin Wecker die Absage des Geretsrieder Kulturherbstes – und spricht damit vielen aus der Seele.

Konstantin Wecker ist dem Geretsrieder Kulturherbst eng verbunden. 2012 komponierte er die Musik zum Theaterstück „Aufstand“ von Günter Wagner, 2014 gab er zusammen mit Werner Schneyder ein Konzert zu Ehren des verstorbenen Dieter Hildebrand. Auch in diesem Jahr wollte Wecker zusammen mit seiner Band in Geretsried spielen.

Am Donnerstagabend erreichte Wecker eine E-Mail des Veranstalters Florian Zwipf-Zaharia, dass der Kulturherbst abgesagt ist. „Ich finde das unglaublich schade“, sagt der Liedermacher. Er wäre gern bereit, sein Konzert trotzdem zu geben, sollte die Stadt geeignete Räume anbieten. „Das Problem ist jedoch die Insolvenz.“ Wie berichtet hat die cultus-production GmbH von Zwipf-Zaharia Insolvenz angemeldet. Deshalb kann die Stadt die bestehenden Künstlerverträge nicht einfach übernehmen, hat Bürgermeister Michael Müller am Donnerstag erklärt.

„Das ist schon saublöd“, kommentiert Wecker, wie das alles gelaufen ist. Dass sich der Veranstalter mit dem schlechten Vorverkauf „herausredet“ – angeblich wurden nur zehn Prozent aller Tickets verkauft – , kann er nicht nachvollziehen. „Ich hätte das Zelt bestimmt voll bekommen und andere auch.“ Weckers Vorschlag: „Gebt dem Günter Wagner die Kulturhoheit zurück, und es funktioniert wieder.“

Günter Wagner war 2012 und 2014 Festivalleiter des Kulturherbstes. Als die Stadt auf Anraten des Rechnungsprüfungsausschusses die Veranstaltung nach außen vergab, hat er sich nicht beworben. „Ich hätte so weit in Vorleistung gehen müssen“, sagt der Geretsrieder. „Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.“ Zwipf-Zaharia hat es getan – und ist gescheitert. „Ich empfinde keine Genugtuung“, erklärt dazu Wagner. „Im Gegenteil: Es tut mir unendlich Leid für den Kulturherbst und die Geretsrieder.“ Die Stadt Wolfratshausen hat Wagner für 2017 erneut verpflichtet. „Das Flussfestival steht und wird auch bestimmt nicht abgesagt“, versichert er.

Der Geretsrieder Kulturreferent Hans Ketelhut steht zu der Entscheidung des Stadtrats, das Festival nach außen zu vergeben. „Wir hatten gar keine andere Wahl“, sagt er. „Mir tut die Absage unendlich Leid. Das ist ewig schade. Aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren.“ Ketelhut will nun alles daran setzen, möglichst viele der geplanten Veranstaltungen trotzdem durchzuziehen. Notfalls müsse die Stadt dafür auch „Geld locker machen“.

Definitiv stattfinden wird die Gemeinschaftsproduktion „Sacred Concert von Duke Ellington“ unter der Leitung von Roland Hammerschmied. Auch für ihn war die Absage des Kulturherbstes „ein Schock“, erklärt der Chorleiter der „Mixed Voices“ auf Nachfrage. „Das ist ein Desaster für Geretsried – wer auch immer die Schuld daran hat.“ Hammerschmied hatte es immer bedauert, dass man Wagner das Festival „weggenommen“ hat. Das Programm in diesem Jahr hat ihn nicht wirklich überzeugt. Durch die verspätete Vergabe an Zwipf-Zaharia hätte dieser aber gar nicht die Möglichkeit, gehabt, „bessere Events herzubekommen“. Für das Konzert am Sonntag, 9. Oktober, in der Kirche Heilige Familie wurden über die cultus-production bereits 50 bis 60 Tickets verkauft. Auch wenn sie das Geld vielleicht nie wiedersehen werden. „Jeder, der eine Karte hat, kommt rein“, verspricht Hammerschmied.

sas

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