Die dunkle Bühne im Hinterhalt mit Spinnweben
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Gespenstische Szenerie: Der zweite Lockdown trifft auch die Kulturbühne Hinterhalt und deren Wirtin Assunta Tammelleo hart.

Mit Spinnweben und in Stille

Kulturverein Isar-Loisach protestiert gegen Auftrittsverbote

  • vonPeter Herrmann
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Ungewöhnliche Aktion: Unter dem Motto „Ohne uns wird’s still“ folgte der Kulturverein Isar-Loisach dem bundesweiten Protestaufruf der Münchner Philharmoniker.

Gelting – Der seit dem 2. November geltende „Lockdown light“ und die mit ihm einhergehenden Maßnahmen bedeuten für viele Branchen erhebliche Einschränkungen. Auch für Kulturschaffende und Künstler, die ihren Beruf kaum oder gar nicht mehr ausüben können. Unter dem Motto „Ohne uns wird’s still“ folgte der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) am Montag dem bundesweiten Protestaufruf der Münchner Philharmoniker und setzte ein kreatives, wenn auch ungewöhnliches Ausrufezeichen.

Die Szenerie in der Kulturbühne Hinterhalt wirkte gespenstisch: Spinnweben zogen sich über Schlagzeug, E-Gitarre und Bass. Auf den verlassenen Tischen lagen leere Weinflaschen und Gläser. Worte oder gar Musik waren nicht zu hören. Der Filmproduzent Thorsten Thane und Tontechniker Marius Hammerschmied übertrugen diese düstere Zukunftsvision per Livestream ins Internet. Zu sehen ist das Video auf dem Youtube-Kanal des Hinterhalts.

In einem Pressegespräch erklärte Assunta Tammelleo den Sinn der Aktion. „Sang- und klanglos wird die Welt sein, wenn nicht gespielt, getanzt, gefilmt, gehört, geschaut, gezeichnet, gemalt und gestaunt werden darf“, erklärte die KIL-Vorsitzende. Hans-Peter Huber, Mitglied der Münsinger Blasmusikband Tromposaund und Konzertveranstalter, sieht das genauso. „Das bayerische Brauchtum ist sinnlos ohne Musikgruppen“, stellt er fest.

Ob die seit März vom Kulturverein Isar-Loisach veranstalteten Livestream-Aufzeichnungen eine sinnvolle Alternative sind, bleibt in der Künstlerszene umstritten. So sagte beispielsweise der aus Funk und Fernsehen bekannte Kabarettist Helmut Schleich jüngst einen Auftritt in der Kulturbühne mit dem Hinweis ab, er könne dabei nichts verdienen. Kollegen wie beispielsweise Christian Springer wussten dieses Forum dagegen zu nutzen, zumal die Aufzeichnungen immer noch im Internet zu sehen sind und sich auch zu Werbezwecken verwenden lassen.

Tammelleo will die Livestream-Reihe in jedem Fall fortsetzen, auch wenn damit ihre Kosten kaum gedeckt werden können. Denn die Zuschauer, die vor dem zweiten Lockdown auch in geringer Anzahl in der Kulturbühne zugelassen waren, können auf freiwilliger Basis Spenden für die Musiker und Techniker entrichten. „Ich habe es leider manchmal erlebt, dass von 25 angemeldeten Besuchern gerade mal die Hälfte erschienen ist“, bedauert die Hinterhalt-Wirtin. Bei einigen Konzerten überschreitet der Spendenbeitrag nicht einmal die 100-Euro-Grenze.

„Die Depression hat bei uns aber noch nicht Einzug gehalten“, gibt sich die 59-Jährige kämpferisch. Mit der Eröffnung des Kunstturms am Wolfratshauser Schwankl-Eck hat der KIL zwar vor einigen Monaten eine weitere Auftrittsmöglichkeit geschaffen. „Zu einem schlechteren Zeitpunkt hätten wir das Ganze aber nicht eröffnen können“, bedauert der Lichttechniker Günter Klügl.

Aufgeben kommt für ihn und andere KIL-Mitglieder jedoch auch in der zweiten Lockdown-Krise nicht infrage. „Nichts zu tun, ist für uns keine Option“, stellte Assunta Tammelleo klar.

ph

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