Kunst fürs Klo: Das „Auge des Universums“ schufen (oberes Foto, v. li.) Sophie Leupold, Irena Hansch und Viola Wagner. Elias Otte stand für das Gesicht Modell, dass aus der Wand kommt. Witzig und zugleich nützlich ist das Fußballfeld im Pissoir. Es soll verhindern, das Toilettenpapier oder andere Fremdkörper heruntergespielt werden.

Schüler verwandeln Toiletten-Räume in Kunstwerke

Kunst im Klo: Heimspiel auf dem stillen Örtchen

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In den Pissoirs am Schulzentrum gibt es jetzt Fußballtore. Gymnasiasten und Realschüler haben vier Toiletten in Kunstwerke verwandelt. Die ungewöhnliche Vorrichtung im Männer-Klo ist nur ein Teil davon.

Geretsried – Weiße Kacheln, sterile Kabinen und mitunter nicht ganz so saubere Verhältnisse: Das mag demjenigen in den Sinn kommen, der an die Toilette in einer Schule denkt. Die stillen Örtchen im Musenbau des Schulzentrums Geretsried haben damit nichts mehr gemein. Schüler der 9c (Kunstzweig) der Realschule und das Additum (11.Klasse) des Gymnasiums haben großen Einfallsreichtum bewiesen. In monatelanger Arbeit verwandelten sie vier Toilettenräume in kleine Kunstwerke.

Mit dem Projekt haben die Mädchen und Jungs sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. „Im Altbau des Gymnasiums werden vier Toiletten – zwei der Mädchen, zwei der Jungen – generalsaniert“, erklärte Gymnasiumsleiter Hermann Deger bei der Eröffnung der umgestalteten Räume. Das brachte ihn auf die Idee, dass man doch die vier Toiletten im Musenbau etwas aufwerten könnte. „Sozusagen, um die Durststrecke etwas zu verschönern“, so Deger.

Nur Farbschema war vorgegeben

Das Landratsamt gab grünes Licht für erste Arbeitsschritte: eine bessere Beleuchtung und neue Waschschüsseln. Das reichte Deger aber nicht – wozu gibt es schließlich an beiden Schulen so viele künstlerisch begabte Schüler? Christian Zingler, Leiter der Realschule, und seine Stellvertreterin Christine Venus-Michel standen seiner Idee offen gegenüber.

Kunst fürs Klo: Das „Auge des Universums“ schufen (oberes Foto, v. li.) Sophie Leupold, Irena Hansch und Viola Wagner. Elias Otte stand für das Gesicht Modell, dass aus der Wand kommt. Witzig und zugleich nützlich ist das Fußballfeld im Pissoir. Es soll verhindern, das Toilettenpapier oder andere Fremdkörper heruntergespielt werden.

Die Schüler unter der Leitung von Ulrike Kaiser (Additum) und Marcella Ide-Schweikart (9c) bekamen nur wenige Vorgaben: Die Farben Rot und Grün sollten für die Mädchentoiletten, Gelb und Blau für die Buben verwendet werden. Die Jugendlichen zeigten Fantasie – und viel Liebe zum Detail. Sie verwandelten einen Toilettenraum in ein rotes Blumenmeer, schufen einen Dschungel, ein Universum mit Sternen und eine Unterwasserlandschaft. Spiegel haben die jungen Künstler kunstvoll mit getöpferten und glasierten Blumen verziert. Sie schufen Deckengemälde und Ton-Blätter, die einer Kabelstrangabdeckung den Anschein einer Liane geben.

Kopf kommt aus der Wand

Kunst fürs Klo: Das „Auge des Universums“ schufen (oberes Foto, v. li.) Sophie Leupold, Irena Hansch und Viola Wagner. Elias Otte stand für das Gesicht Modell, dass aus der Wand kommt. Witzig und zugleich nützlich ist das Fußballfeld im Pissoir. Es soll verhindern, das Toilettenpapier oder andere Fremdkörper heruntergespielt werden.

Ein Schwimmer scheint aus der Wand zu kommen. „Zuerst sollte er an der Decke schwimmen“, erklärt Elias Otte, der dafür sein Gesicht für einen Gipsabdruck zur Verfügung stellte. Doch noch während der Arbeit entschieden sich die jungen Künstler um. „Wir wollten das vollständige Gesicht an einer Wand in die Fugen integrieren, ebenso wie die Hände, die sich jetzt wie in einem Netz festhalten.“

Zur gelben Farbe gegriffen haben Sophie Leupold, Irene Hansch und Viola Wagner. Sie ließen eine Sternenwelt entstehen – inklusive einem wortwörtlichen „Auge des Universums“. Bei allem Künstlerischen kommt auch der Humor nicht zu kurz: In den Pissoirs der Jungs liegen nun grüne Siebe, die ein Herunterspülen von Toilettenpapier oder anderen Fremdkörpern verhindern sollen. Zusammen mit den kleinen Toren erinnern sie nun an ein Fußballfeld. Wenn das nicht auch die Treffsicherheit erhöht. Beide Schulleitungen sind von dem Ergebnis begeistert. „Vielleicht machen wir das auch bei den sanierten Toiletten“, überlegt Herrmann Deger. Christine Venus-Michel sieht noch einen anderen Vorteil: „Ich glaube, dass jetzt jeder darauf achtet, dass die stillen Örtchen sauber und gepflegt bleiben.“ Die Schüler ihrerseits haben nur noch einen Wunsch: „Immer ausreichend Klopapier.“ Daran hat es in der Vergangenheit zuweilen gefehlt.

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