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Kunst und Glaube führen Wolfratshauserin in eine andere Welt – mit Freund und Kind

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Kleine Familie: Elisabeth Reichlmair mit Sohn Valentin Linus und Lebensgefährte Markus Fritz. 
Kleine Familie: Elisabeth Reichlmair mit Sohn Valentin Linus und Lebensgefährte Markus Fritz.  © privat

Die Kunst und der Glaube führten Elisabeth Reichlmair nach Mexiko. Die Wolfratshauserin (22) lebt derzeit in Mexiko City.

Wolfratshausen/Mexiko – Bevor Elisabeth Reichlmair zum Telefonhörer greift, um ihre Familie in Wolfratshausen anzurufen, ist erst einmal Rechnen angesagt. Die 22-Jährige lebt derzeit mit Freund und Sohn in Mexiko City – 9843 Kilometer entfernt von der Loisachstadt und minus sieben Stunden Zeitunterschied. „Da kann es schon mal vorkommen, dass ich abends um acht Uhr eine SMS schreibe – und gar nicht daran denke, dass es in Deutschland gerade nachts um drei Uhr ist“, berichtet sie und lacht herzlich.

Seit Ende September wohnt Reichlmair zusammen mit ihrem fast dreijährigem Sohn Valentin Linus im „YWAM Hola“ (Youth for Mission – Jugend für eine Mission), eine Organisation, die sich in den Dienst von Mission, Bildung und sozialem Engagement gestellt hat. Lebensgefährte Markus Fritz ist außerhalb untergekommen, da er nicht an den Schulungen teilnimmt.

Große Umstellung für die kleine Familie

Leicht war die Umstellung nicht. „Es sind hier ganz andere Umstände“, berichtet sie. So läuft, wenn es regnet – das ist im September und Oktober fast täglich der Fall – das Wasser ins Zimmer. Der Genuss von Tacos mit Bohnen, Fleisch und Guacamole bescherte der kleinen Familie erst einmal eine Woche Bauchweh. Und auch Spanisch will gelernt sein. „Zuhause habe ich noch mit einer App geübt“, erzählt sie von den Vorbereitungen. Zudem ging Valentin in einen spanischen Kindergarten. „Er ist die Sprache gewohnt, lernt schnell und sprich mittlerweile besser als wir ,Großen‘“, sagt Reichlmair, die selbst gelernte Erzieherin ist.

Auf der Suche nach sich selbst

Doch was führte die junge Frau nach Mexiko? Reichlmair wuchs in einer, wie sie selbst sagt, katholischen Familie auf, in der der Glaube eine große Rolle spielt. „Irgendwann habe ich angefangen, ihn zu hinterfragen.“ Sie sprach mit Priestern, Freunden, anderen Christen, wollte versuchen, besser zu verstehen. „Will ich Jesus und dem Glauben folgen oder ist das nur ein Teil meiner Erziehung?“

In diesem Zusammenhang wollte sich Reichlmair auch mit sich selbst auseinandersetzen. „Wir machen das viel zu wenig“, ist sie überzeugt. „Oft genug leben wir einfach nur so dahin.“ Im Zuge der Selbstfindung merkte sie jedoch, wie wichtig es ist, sich selbst zu verstehen – „und auch, welche Identität ich in Gott habe.“

Farbenfroh: Das Zimmer von Elisabeth Reichlmair.
Farbenfroh: Das Zimmer von Elisabeth Reichlmair. © privat

Die 22-Jährige besuchte für drei Monate die Discipleship Trainings School in Nürnberg, die sich intensiv mit Glaubensfragen beschäftigt. „Hier wurde mir bewusst, dass auch Kunst in meinem Leben eine Rolle spielt. Und so habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich mit beidem zu befassen.“ Sie stieß auf die YWMA. „Wir werden unterrichtet, beten, tanzen und singen und arbeiten verschiedenste Themen auf. Man lernt den Glauben noch einmal auf eine ganz andere Art kennen.“

Es geht auf Mission in den Süden des Landes

Nächster Schritt ist nun das Outreach, das Zugänglich-Machen von Informationen für Menschen, die bislang davon ausgeschlossen waren. Reichlmair wird ihre Missionsarbeit aller Voraussicht nach in Chiapas und Oaxaca, die im Süden des Landes liegen, absolvieren. „Man hilft den Menschen im Alltag wie beim Hausbau oder arbeitet mit Straßenkindern. Gleichzeitig spricht man über den Glauben.“ Reichlmair betont, dass sie diese Gespräche oder ihre eigene Überzeugung den Menschen nicht zwanghaft aufdrücken möchte. „Aber ich will den Leuten zeigen, dass hier jemand ist, der sich, ohne dass man sich verpflichten muss, für sie interessiert. Also jemand, mit dem ich eine persönliche Beziehung führen darf – Gott.“

sh

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