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Noch in diesem Sommer soll der Kunstrasenplatz auf dem FFG-Gelände geb30aut werden.

Kulturreferent Ketelhut spricht von "Luxus" und kritisiert die Fußball-Freunde

Für 410.000 Euro: Stadt baut zweiten Kunstrasenplatz

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Geretsried - Die Entscheidung fiel einstimmig, war aber nicht unumstritten. Auf dem Gelände der Fußball-Freunde Geretsried wird ein Kunstrasenplatz gebaut.

Geretsried bekommt einen zweiten Kunstrasenplatz. Einstimmig hat der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag beschlossen, den kleineren der beiden Rasenplätze auf dem Gelände der Fußball-Freunde Geretsried (FFG) am Robert-Schumann-Weg in einen Allwetterplatz umzubauen. Der Auftrag ging an den günstigsten Bieter, die Firma Kutter aus Memmingen. Der Preis liegt bei knapp 410.000 Euro – und damit weit unter der Kostenschätzung, die zwischenzeitlich bei über einer Million Euro lag.

Robert Lug, Fraktionssprecher der Freien Wähler (FW), freute sich über das Ausschreibungsergebnis, wunderte sich aber, wie solche „Preissprünge“ zustande kommen. Jan Klinger vom Bauamt erklärte, dass in der ersten Kostenschätzung eine Verbesserung des Untergrunds eingeplant war.

Erste Schätzung belief sich auf über eine Million Euro

Wie berichtet liegt das FFG-Gelände auf einer verfüllten Bauschuttdeponie. Ein Ingenieurbüro hatte deshalb vorgeschlagen, so genannte Rüttelstopfsäulen einzubringen. Zudem hätten 2000 Kubikmeter Boden abgetragen und entsorgt werden müssen. Dadurch explodierten die Kosten auf über eine Million Euro. CSU-Bürgermeister Michael Müller zog daraufhin die Notbremse und strich den Posten aus dem Haushalt 2016. Auf Antrag von SPD-Fraktionsschef Hans Hopfner wurde das Vorhaben später wieder in den Etat aufgenommen – mit der Maßgabe, dass der Platz nicht mehr als 700 000 Euro kosten darf.

Schwieriger Untergrund: "Ein Restrisiko bleibt"

Um Geld zu sparen, hat die neue Planung das Bauamt erstellt. Die Bodenverdichtung wurde ganz gestrichen. Laut Klinger gab es seit dem Bau des Rasenplatzes vor 16 Jahren keine Setzungen. Eine Garantie, dass dies so bleibt, konnte er nicht geben. „Ein Restrisiko bleibt“, antwortete er auf Nachfrage von Vize-Bürgermeister Hopfner. Der hatte an die Probleme mit dem Kunstrasen im Isarau-Stadion erinnert. „Nicht, dass wir in zwei, drei Jahren unser blaues Wunder erleben.“

Hans Ketelhut„Können wir uns einen solchen Luxus leisten?“

Ketelhut hadert mit den FFG

Unter dem Strich kostet der neue Kunstrasenplatz nun knapp 410.000 Euro – nach Ansicht von CSU-Stadtrat Hans Ketelhut immer noch zu viel Geld. „Ich frage mich schon, ob wir uns einen solchen Luxus leisten können“, sagte Ketelhut, „für Vereine, die so rumgurken“. Damit spielte er nicht nur auf die sportliche Leistung der FFG und die Abspaltung innerhalb des Vereins an. Ketelhut empörte sich vor allem über den in seinen Augen schlampigen Umgang mit der städtischen Sportanlage: „Da hängen die Plakate runter wie bei einem Grattlerverein“, sagte er. Ketelhut redete sich weiter in Rage: Das Budget für den Kulturherbst werde auf 80.000 Euro zusammengestrichen, aber einem „Kreisligisten, der am Absteigen ist“, stelle man für eine halbe Million Euro einen „Luxusplatz“ hin. „Wenn hier so viel Geld rausgeworfen wird, werde ich mich in Sachen Kultur künftig ganz anders einspreizen“, kündigte Ketelhut an..

„Ich kann verstehen, dass Du erbost bist“, erklärte dazu Hans Hopfner. Aber der Kunstrasenplatz werde nicht für einen Kreisligisten oder „exklusiv für die FFG“ gebaut. „Wir werden darauf drängen, dass auch andere Vereine auf den Platz dürfen.“ Fakt sei, dass Geretsried drigend einen zweiten Kunstrasenplatz brauche, damit die Fußballer auch im Winter trainieren können. Zur Ehrenrettung der FFG sagte Hopfner: „Dass ein Verein mal in Schieflage gerät und es auch Abspaltungen gibt, kommt vor.“

Widerspruch erntete Ketelhut aus der eigenen CSU-Fraktion. „Ich halte nicht viel davon, Soziales, Sport und Kultur gegeneinander aufzurechnen“, sagte Seniorenreferin Dr. Sabine Gus-Mayer. Fraktionschef Volker Reeh lobte wie schon FW-Stadtrat Lorenz Weidinger die Jugendarbeit der FFG: „Die machen hervorragende Integrationsarbeit.“ In einem Punkt stimmte Reeh mit Ketelhut überein: Die Stadt sollte Druck machen, dass ihre Sportanlagen in Ordnung gehalten werden.

Bürgermeister kritisiert Anspruchsdenken

CSU-Bürgermeister Müller äußerte Verständnis für Ketelhuts Gefühlsausspruch. Die Stadt gebe jedes Jahr zwei Millionen Euro für den Sport aus. Dennoch gebe es Anspruchshaltungen – „da schlackern dir die Ohren“, sagte Müller. Er wies allerdings darauf hin, dass die Grundsatzentscheidung zum Bau des Kunstrasenplatzes bereits gefallen sei. Es gehe nur noch um die Vergabe. Dessen war sich auch Ketelhut bewusst und trug den Beschluss mit.

sas

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