Amtsgericht

„Kuschelanklage“ gegen reuige Dealer

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Im Amtsgericht hatten zwei junge Geretsrieder großes Glück. Weil ihre Drogenvergangenheit  lange abgeschlossen war, kamen sie mit je zwei Wochen Dauerarrest davon.

Geretsried/Wolfratshausen– Als ein damals 17-jähriger Schüler im Februar vorigen Jahres im Verhör bei der Polizei beschließt, hinsichtlich seiner Drogenvergangenheit „reinen Tisch zu machen“, hat das unangenehme Folgen für zwei Geretsrieder Auszubildende. Denn die jungen Burschen, heute beide 21 Jahre alt, waren ein Teil dieser Geschichte. Sie mussten sich nun wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor Gericht verantworten.

Die zwei Freunde versorgten die Szene im Winter 2015/16 mit Marihuana in „außergewöhnlich hohen Mengen“, wie Jugendrichter Urs Wäckerlin feststellte. „Das ist eine Dimension, die sie als Personen charakterisiert, die sich in Geretsried abheben von den kleineren Konsumenten, mit denen wir es hier gewöhnlich zu tun haben.“ Fünf Fälle, in denen die Beschuldigten jeweils 100 Gramm in Kommission an Einzelpersonen abgegeben hatten, listete die Anklageschrift auf.

Die Festnahme durch die Polizei hatte für beide Beschuldigten offenbar reinigende Wirkung

„Das war dumm und naiv. Ich kann’s mir nicht erklären. Wenn ich könnte, würde ich es auf der Stelle rückgängig machen“, sagte einer der Angeklagten. Sein Freund nickte zustimmend. Beide räumten die Taten vollumfänglich ein und entschuldigten sich bei ihren Eltern dafür, „dass ihr die Scheiße durchmachen müsst“. Die Festnahme durch die Polizei hatte für beide Beschuldigten offenbar reinigende Wirkung. In der Verhandlung machten die jungen Männer jedenfalls einen geläuterten Eindruck.

„Wie kommt man zu so viel Naivität, das man glaubt, im Raum Geretsried käme man damit auf Dauer durch?“, fragte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch. Angesichts der großen Mengen an Marihuana, die die Angeklagten in Umlauf gebracht hatten, handle es sich um „eine Kuschelanklage“, so Dlugosch. Wäre die Sache ein Jahr früher aufgeflogen, als die zwei noch in der Szene aktiv waren, hätte für beide eine längere Jugendstrafe und die Frage nach einer Bewährung im Raum gestanden. Weil die Taten länger zurückliegen und sich die Lebensumstände der Angeklagten grundlegend geändert hatten, kamen sie äußerst glimpflich davon.

Richter Wäckerlin verurteilte die 21-Jährigen zu jeweils zwei Wochen Dauerarrest sowie 80 Stunden Soziale Dienste. Dem Argument der Verteidiger, die für einen kürzeren Arrest plädiert hatten, um die Ausbildungen und die „soziale Existenz“ der Männer nicht zu gefährden, entgegnete Wäckerlin: „Ihr Urlaub fällt dieses Jahr aus, den verbringen Sie im Arrest.“ rst

Rubriklistenbild: © dpa

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