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Ladendiebstahl? So war das nicht, sagt ein Rentner. Er habe einen Artikel aus Versehen nicht bezahlt.

Versehen oder Diebstahl ?

Aus Versehen nicht bezahlt: Rentner zu Unrecht bestraft?

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Geretsried – Aus Versehen vergaß er an der Kasse einen Artikel zu bezahlen. Jetzt hat ein Geretsrieder eine Anzeige wegen Ladendiebstahls am Hals. Hätte man da nicht ein Auge zudrücken können? Unsere Zeitung ist dieser Frage nachgegangen.

Der 79-Jährige traf am Montagabend in der Rossmann-Filiale an der Sudetenstraße eine Bekannte wieder und war abgelenkt. So versäumte er es, an der Kasse alle Waren aufs Förderband zu legen (wir berichteten). Der Rentner bezahlte seinen Einkauf und wollte das Geschäft verlassen. Er kam bis zur Warensicherungsanlage. Die schlug an – weil der Mann einen Hygieneartikel im Wert von knapp zehn Euro in seiner Einkaufstasche vergessen hatte. Das hatte Konsequenzen: Die Polizei wurde verständigt, ein Hausverbot erteilt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet – und das alles wegen eines Versehens, wie uns der Geretsrieder am Telefon versichert.

„Als die Warensicherungsanlage angeschlagen hat, bin ich sofort zurückgegangen und wollte die Ware bezahlen“, sagt der 79-Jährige. „Aber die wollten meine Erklärung gar nicht hören. Ich wurde wie ein Schwerverbrecher behandelt und habe mich auch so gefühlt.“ Die Bekannte des Geretsrieders bestätigt das: „Wir haben nicht geklaut und sind beide freiwillig zurückgegangen.“ Man habe sich entschuldigt, doch das habe die Mitarbeiter der Drogerie nicht interessiert. Stattdessen wurde die Polizei verständigt.

„Der Fall ist eindeutig“, sagt Stephan-Thomas Klose, Pressesprecher der Dirk Rossmann GmbH, auf Nachfrage. „Da gibt es keinen Spielraum. Weder bei der Anzeige noch beim Hausverbot.“ Bei überführten Ladendieben seien eine Anzeige und ein Hausverbot, das generell ein Jahr gelte, zwingend. „Wir haben gar keine andere Wahl“, ergänzt der Pressesprecher. „Und ganz ehrlich: Vor dem Bezahlen hat ein Artikel definitiv nichts in der Hosen- oder Jackentasche zu suchen. Das weiß jeder.“

Sobald bei einem Ladendiebstahl die Polizei eingeschaltet wird, „sind wir dazu verpflichtet, den Fall der Staatsanwaltschaft vorzulegen“, sagt Dienststellenleiter Walter Siegmund. Nun liege es am Staatsanwalt, wie es weitergeht. Er könne entscheiden, ob das Verfahren – mit oder ohne Zahlung einer Geldauflage – eingestellt wird oder ob Anklage erhoben wird. Beim Diebstahl von geringwertigen Sachen werde das Verfahren häufig eingestellt, so Siegmunds Erfahrung. Es sei denn, der Täter ist einschlägig bekannt.

Der Polizeichef will den aktuellen Fall nicht bewerten. Aber er rät Bürgern, Waren beim Einkaufen nicht in eine Tasche zu packen. Besser sei es, einen Einkaufswagen oder Korb zu benutzen. „So lassen sich an der Kasse Missverständnisse vermeiden.“

von Doris Schmid

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