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Räumungsverkauf: Mit der Schließung der „Spielzeuginsel“ Ende März stehen auf der östlichen Seite der Egerlandstraße drei Geschäfte leer.

Das fünfte Geschäft schließt

Ist das Ladensterben an der Egerlandstraße bedrohlich?

Geretsried - Das fünfte Geschäft schließt. Nimmt das Ladensterben an der Egerlandstraße nun bedrohliche Ausmaße an? ProCit und andere reagieren gelassen.

Der südliche Teil der Egerlandstraße verödet zusehends. Nach dem Geschäft „Vom Fass“, dem Restaurant „Trattoria“, der Filiale der Deutschen Bank und der „Spielzeuginsel“ schließt gegenüber jetzt auch der Raumausstatter Wieczorek. In diesem Fall gibt es jedoch einen Nachmieter.

Jetzt ist Räumungsverkauf

„Räumungsverkauf“ steht quer über dem Schaufenster von Peter Wieczoreks Geschäft. Der Raumausstattermeister zieht nach 28 Jahren an der Egerlandstraße aus persönlichen Gründen aus, wie er auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Er werde aber in Gartenberg bleiben. Der Vertrag mit dem Eigentümer der neuen Ladenfläche sei so gut wie unterschrieben. Seine Frau habe die Geschäftsräume an der Egerlandstraße bereits weitervermietet, sagt Wieczorek. Einziehen wird die Werbeagentur, die sich derzeit noch an der Südseite des Karl-Lederer-Platzes befindet. Die Häuserzeile dort soll abgebrochen werden (siehe Bericht oben).

„Ich habe viele Stammkunden aus Geretsried, aber auch aus München und Starnberg. Sie werden mir sicher auch am neuen Standort die Treue halten“, ist Peter Wieczorek überzeugt. Auf Laufkundschaft sei er noch nie angewiesen gewesen. Er habe jedoch beobachtet, dass der südliche Teil der Egerlandstraße seit der Schließung des Feinkostgeschäfts „Vom Fass“, der „Trattoria“ und der Bankfiliale weniger frequentiert sei. Die Räume, in denen die Deutsche Bank war, stehen zum Verkauf. Nach Auskunft des Immobilienbüros Schneider und Prell, das sich um die Vermarktung kümmert, gibt es Interessenten. Es sei aber noch nichts spruchreif. Für die „Spielzeuginsel“ von Harald Auracher ist laut Hauseigentümer Gunter Siegmund noch kein Nachmieter gefunden. Auracher hat noch bis Ende März Räumungsverkauf.

An einigen Stellen herrscht gähnende Leere

Gähnende Leere herrscht seit dem Sommer in der einstigen „Trattoria“. Beim Blick durchs Fenster schaut man auf einen großen, gefliesten Raum. Am Fenster hängt nur der „Abschiedsgruß“ von Wirt Enzo Ranieri. Dabei ist die Lage zwischen Fasanen- und Prießnitzweg nicht so schlecht. „Ich bin sehr zufrieden hier“, sagt Ümi Alkan. Sie ist vor fünf Monaten mit ihrer Änderungsschneiderei vom Karl-Lederer-Platz ins frühere „Vom Fass“ umgezogen. „Es gibt genügend Parkplätze vor der Tür, der Laden und das Lager haben die richtige Größe für mich“, sagt sie. Alkan hat sich wegen der unsicheren Zukunft des Gebäudes am Karl-Lederer-Platz rechtzeitig etwas Neues gesucht.

Die großen Geschäfte in der von Bürgermeister Michael Müller so benannten T-Zone Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße spüren die Geschäftsaufgaben noch nicht. „Wenn das Isar-Kaufhaus schließen würde, würden wir das merken. Aber der Wegfall der kleinen Fachgeschäfte beeinflusst uns nicht“, sagt Simone Bohse, Filialleiterin von C&A. Die Kunden aus Geretsried und Umgebung würden gezielt zu ihnen ins Haus kommen. Seit Wolfratshausen „vor sich hinstirbt“, wie es Bohse ausdrückt, verzeichne man sogar eher mehr Kunden. Die Bekleidungsmarktkette wolle Geretsried auf jeden Fall die Treue halten.

Bei ProCit ist man nicht beunruhigt

Auch Ludwig Schmid, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Einzelhändlervereins ProCit, ist trotz der vielen Ladenschließungen „nicht bange“, wie er sagt. Die Geschäftsaufgaben seien nicht strukturell bedingt, sondern überwiegend aus persönlichen Gründen erfolgt. Um jeden, der aufhöre, sei es natürlich schade. Es biete sich dadurch aber auch die Chance für etwas Neues, so der Geschäftsführer von Schmid Bäck’. Er sieht Geretsried gerade in einer Aufbruchphase. „Wir schnaufen durch und sammeln Kräfte“, drückt es der ProCit-Sprecher aus. Das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel habe Vorteile: Wären die Läden am Karl-Lederer-Platz noch alle belegt, würde ein Neuanfang dort schwerer fallen. „Geretsried macht jetzt keinen großen Sprung, sondern viele kleine Schritte auf dem Weg zum Ziel“, meint Schmid im Hinblick auf die von der Stadt gewünschte Stärkung des Zentrums.

von Tanja Lühr

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