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Sicht weg, Zamboni da: Dank Eismeister Willi Bahn können die Rats die Partie gegen Germering zu Ende spielen.

„Eismaschine, Eismaschine, hey, hey, hey“

So war das längste Eishockeyspiel der River Rats

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Geretsried - 90 (!) Minuten war das Spiel der River Rats wegen des Schneetreibens unterbrochen.  Willi Bahn war live dabei. Er hat als Eismeister geglänzt.

Abgebrochen, neu angesetzt, unterbrochen, wieder angepfiffen, gewonnen. Das ist die Geschichte der Eishockey-Bayernliga-Partie zwischen den Geretsrieder River Rats und den Wanderers Germering im Zeitraffer. Will man mehr wissen, muss man einen fragen, der live dabei war. Zum Beispiel Eismeister Willi Bahn.

Haben Sie schon mal ein kurioseres Spiel erlebt?

„Nein, noch nie.“ Die Antwort des 64-Jährigen kommt wie aus der Pistole geschossen. Seit 1981 macht Willi Bahn – mit nur einer kurzen Unterbrechung – in Geretsried das Eis. Was er, sein Team und die Eismaschine – vulgo: Zamboni – am Mittwochabend erlebt haben, ist auch ihm noch nicht untergekommen: Ein abgebrochenes Eishockeyspiel wird neu angesetzt, droht am Tag der Neuansetzung wegen des heftigen Schneefalls erneut abgebrochen zu werden, wird nach 90 Minuten Pause schließlich fortgesetzt und endet mit einem wichtigen Sieg der Geretsrieder im Bayernliga-Abstiegskampf.

Der Unterbrechung erfolgt im zweiten Drittel

Willi Bahn Der 64-Jährige hat mit der Zamboni das Eis wieder spieltauglich gemacht.

Gegen 20.40 Uhr, zu Beginn des zweiten Drittels, ist der Puck nicht mehr zu sehen, die Linien sind kaum noch zu erkennen. Das Schiedsrichtertrio unterbricht die Partie, bittet die Spieler in die Kabinen, telefoniert, spricht mit Schiedsrichter-Obmann Andreas Polz. Die Referees wollen die Partie unbedingt durchziehen. Die Fans diskutieren, machen Brotzeit, bewerfen sich mit Schneebällen oder versuchen sich irgendwie anders warm zu halten. Für Willi Bahn geht’s jetzt richtig rund.
 
90 Minuten lang ist er mit der Zamboni ununterbrochen im Einsatz. Alle zwei Runden fährt er raus zum Festplatz und lädt den Schnee dort ab. Die Fans – zumindest die unter den 400, die sich des schlechten Wetters wegen nicht vorzeitig auf den Heimweg machen – registrieren das wohlwollend. „Eismaschine, Eismaschine, hey, hey, hey“, rufen sie dem Eismeister und seinem Gefährt entgegen. Der freut sich riesig, winkt zurück – und dreht weiter seine Runden. „Das war schon richtig klasse.“ 

Um 21.50 Uhr geht es leiter

Um 21.50 Uhr entscheiden die Schiedsrichter, dass es weitergeht. „Zum Glück“, sagt Dieter Krampert, einer der Verantwortlichen vom ESC. Die Unterbrechung sei absolut richtig gewesen. Er sei aber froh, dass die Partie an diesem Abend beendet wurde. „Als weiterer Nachholtermin wäre nämlich höchstens noch der 19. Februar in Frage gekommen.“ Krampert lobte die Zuschauer, die bis zum Ende dageblieben waren, für ihr Durchhaltevermögen – und für ihre Treffsicherheit. „Die Schneeballschlacht war ja zwischen unseren Fans und denen der Germeringer. Ich glaube, auch da haben wir gewonnen“, sagt Krampert mit einem Augenzwinkern.

Willi Bahn wird der Abend übrigens nicht nur wegen der speziellen Stimmung, der vielen Arbeit und des wichtigen Dreiers – die River Rats siegten mit 3:1 – in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen der Reaktion der Schiedsrichter nach der Wiederaufnahme. „Die waren richtig begeistert, dass das Eis so gut ist“, sagt der 64-Jährige. „Das hat mich gefreut. So etwas geht ziemlich locker runter.“ fla

Was machen Spieler eigentlich bei so einer Pause?

Es hat genervt. Aber es hat sich gelohnt. Geschlagene 90 Minuten dauerte es, bis der Schnee nachließ, die Geretsrieder Spieler am Mittwochabend wieder aufs Eis und den Sieg gegen die Germeringer Wanderers klar machen konnten. Wie aber hält man in dieser Zeit die Konzentration hoch? Wie verhindert man, dass der Körper auskühlt? Kevin Olivo, Backup-Goalie bei den Geretsrieder River Rats, kann sich am Tag danach nicht daran erinnern, jemals solch eine Situation erlebt zu haben.
 
„Wir spielen jetzt schon so lange ohne Dach. Aber so extrem war es noch nie. Eigentlich waren das drei zusätzliche Drittelpausen.“ Was der 27-Jährige damit meint: Alle 20 oder 30 Minuten schaute es danach aus, als ob der Schneefall nachlassen und die Partie bald fortgesetzt würde. „Wir haben uns fertig gemacht, der Trainer hat ein paar Worte gesagt, wir sind Richtung Spielfeld – und mussten doch wieder zurück in die Kabine.“ Dort sei es vor allem darum gegangen, die richtige Mischung zwischen Konzentration und Lockerheit zu finden. „Gaudi wird da nicht gemacht, aber man setzt sich hin, trinkt vielleicht einen Tee, quatscht miteinander oder zieht den Brustschutz aus.“ Klar sei das nervig gewesen, sagt Olivo, aber egal: „Wir hatten ja ein Ziel vor Augen, wollten unbedingt gewinnen. Und das haben wir geschafft.“

fla

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