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Plenum im Klassenzimmer: Im Planspiel „Der Landtag sind wir“ entschieden Realschüler über einen Gesetzesentwurf.

Planspiel an der Realschule

Landtagsluft im Geretsrieder Klassenzimmer

Wie es ist, ein Landtagsabgeordneter zu sein, haben die Zehntklässler der Realschule am Freitag in ihrem Klassenzimmer erlebt. Und dann kamen auch noch echte Politiker: Claudia Stamm, Martin Bachhuber und Florian von Brunn.

Geretsried – Einen neuen Gesetzentwurf zur Bildungsreform galt es zu verabschieden, als sich das Klassenzimmer der zehnten Jahrgangsstufe der Realschule in das Plenum des Bayerischen Landtags verwandelt hat.„Der Landtag sind wir“ hieß das Planspiel, bei dem die jungen Männer und Frauen in die Rollen der Abgeordneten schlüpften.

Nach der Debatte durften die Schüler Fragen an die realen Vorbilder stellen. Die ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, Claudia Stamm, Martin Bachhuber (CSU) und Florian von Brunn (SPD) gaben dabei nicht nur Antworten, sondern forderten auch zu politischem Engagement auf.

Schüler kritisieren Leistungswettbewerb

Stellten sich den Fragen der Realschüler: Martin Bachhuber (CSU) und Florian von Brunn (SPD).

Natürlich lagen den Schülern Fragen zur Bildungssituation besonders auf dem Herzen. Kritisiert wurde vor allem der sich verschärfende „Leistungswettbewerb“ und die unterschiedlichen Anforderungen in den verschiedenen Bundesländern. „Ich bin gegen das Wiederholen von Klassen“, positionierte sich von Brunn. „Das kann man durch bessere Ausstattung und mehr Personal in den Schulen auch anders regeln.“ Eine Auffassung, die Claudia Stamm teilt. Sie plädierte für sogenannte Gemeinschaftsschulen, in denen bis zur neunten beziehungsweise zehnten Klasse Gymnasium, Real- und Mittelschule zusammengelegt werden. „So könnten in ländlichen Regionen auch Schulstandorte erhalten werden“, glaubt die Ex-Grüne.

Martin Bachhuber sang dagegen das Loblied auf das differenzierte bayerische Bildungssystem, in dem sich jeder Schüler nach seinen Vorstellungen verwirklichen könne. „Das Wiederholen einer Klasse ist kein Beinbruch. Der Wettbewerb bleibt den Schülern auch später im Berufsleben nicht erspart“, gab der CSU-Stimmkreisabgeordnete zu bedenken.

Einkommen von Interesse

Brennend interessierten sich die Planspielteilnehmer auch für das Einkommen von Landtagsabgeordneten. Das Politikertrio nannte ohne Umschweife das Monatssalär von 8000 Euro brutto und die Zahlung einer Aufwandspauschale. „Davon frisst aber viel die Steuer“, erklärte von Brunn. Da er und andere Mandatsträger oft eine Arbeitswoche von 60 bis 70 Stunden zu absolvieren hätten und auch an Wochenenden sowie Abenden unterwegs seien, relativiere sich das hohe Gehalt. „Wegen des Geldes sollte es niemand machen“, findet Stamm. Dennoch empfindet die Gründerin der neuen Partei „Mut“ den Politikerberuf aufgrund seiner Vielfältigkeit als einen der „besten Jobs überhaupt“.

Am Ende der Doppelstunde forderten einige Schüler die Abschaffung der Kirchensteuer, die Einführung einer Frauenquote und die Legalisierung von Cannabis. Auch hier zeigten die differenzierten Antworten der Politiker, dass vermeintlich einfache Pauschalurteile nicht zielführend sind.

Martin Bachhuber forderte die Schüler abschließend dazu auf, sich aktiv einzubringen und sich einer Partei anzuschließen. „Mischt euch ein. Das macht Spaß“, versicherte er.

Peter Herrmann

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