Die ganze Vielfalt der Volkshochschule: Mit westafrikanischer Trommelmusik hielt Verena Huber-Goll die Besucher wach.

Bundesweite Aktion

Die lange Nacht der Bildung in der Geretsrieder VHS

Als einzige Volkshochschule im Landkreis beteiligte sich die Geretsrieder Einrichtung an ein bundesweiten Aktion und öffnete ihre Pforten bis in die Nacht.

Geretsried – Die Volkshochschulen (VHS) entstanden in Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sie hatten den Zweck, der breiten Bevölkerung, die zuvor von der Bildung ausgeschlossen gewesen war, Wissen zu vermitteln. Eine Zielgruppe stellten junge Männer dar, die von der Front heimgekehrt waren. „Heute besteht unser Hauptklientel aus Frauen über 50. Ein paar männliche Kursteilnehmer haben wir aber zum Glück auch“, sagte Beate Ruda, die Leiterin der Geretsrieder VHS, bei ihrer Begrüßung zur „Langen Nacht der Volkshochschulen“ am Freitagabend in der Stadtbücherei.Als einzige VHS im Landkreis beteiligte sich die Geretsrieder Einrichtung an der bundesweiten Aktion anlässlich 100 Jahre Volkshochschulen – ein Jubiläum, das auf die Weimarer Verfassung zurückgeht. Artikel 148 nahm den Staat in die Pflicht und forderte ihn auf, die Erwachsenenbildung zu fördern.

Stadtbücherei-Lehrling Michael Martin faltete mit Kindern Origami-Blumen und -Herzen; Phinelope und ihr Bruder Alexander waren mit Eifer bei der Sache.

Die VHS nutzte die lange Nacht, um in der Bücherei, in der Musikschule und der Mittelschule einen kleinen Querschnitt ihres breit gefächerten Kursangebots zu präsentieren. Am gefragtesten sei „Deutsch als Fremdsprache“, sagte Ruda. Dazu gab es zwar am Freitag keine Probestunde, dafür brachte Dozent Karl Wilhelm den Zuhörern auf äußerst humorvolle Art die Feinheiten des Bairischen bei.

Zum Abschluss gab es ein großes Buffet.

So kennt der Dialekt drei verschiedene „A“s: ein ganz dunkles, das fast wie ein „O“ klingt wie in „Dag“ (Tag), ein langes wie in „Jager“ (Jäger) und ein normales wie in „a“ (ein). „Ein Ü hört man nur beim Jodeln, ein Ö kommt gar nicht vor“, erklärte Wilhelm. Beim Nachsprechen und Erraten von geschriebenen Wörtern (ein „Aimeaggal“ ist ein Einmerkerl) mussten die Zuhörer viel lachen. Teils wurde über die Aussprache diskutiert, was an den regionalen Unterschieden lag.

Weniger gefragt war am späteren Abend das schweißtreibende High Intensity Intervall Training (HIIT) in der Mittelschule. Nur drei Frauen konnten sich für den höchst effektiven Sport begeistern, von dem laut Trainerin Tanja Biedermann drei mal 30 Minuten pro Woche so viel bringen wie fünf mal 60 Minuten Joggen.

HIIT hat es aber auch in sich. Kniebeugen waren gestern. Heute bringt man sich mit Squat Jumps, einer gesprungenen Variante, in Form. Im Wechsel macht man 20 Sekunden lang Übungen und zehn Sekunden lang Pause. Dabei werden sämtliche Muskelgruppen beansprucht. Noch mehr Kalorien lassen sich unter zusätzlicher Verwendung von Kettlebells (Gewichten) verbrennen. Eine „solide Grundfitness“ sei Voraussetzung für den Kurs, sagte Biedermann. HIIT findet jeden Dienstag von 19.15 bis 20.15 Uhr in der Isardamm-Grundschule statt. Inge Hümmer gefiel das Power-Training. „Man fühlt sich total wohl hinterher“, meinte sie nach der Schnupperstunde.

Entspannen konnte man sich im Anschluss in der Musikschule, wo die Erwachsenenband „Playtime“ unter der Leitung von Martin Ruppenstein Rockballaden wie „Hotel California“ spielte. Zuvor, zum Auftakt der langen Nacht, hatte schon das weibliche Vokalensemble „Gaudeamus“ gesungen. „Wir arbeiten gut mit der VHS zusammen. In unseren Räumen finden Judo und Yoga statt. Einige Musiklehrer sind in beiden Einrichtungen tätig“, berichtete Musikschulleiterin Sabrina Schwenger.

Die jungen Besucher waren ebenfalls beschäftigt. Michael Martin, Auszubildender in der Stadtbücherei, der (noch) gar keine VHS-Kurse gibt, faltete in der Bücherei mit Kindern Figuren nach Origami. „Ich mach’ das gefühlt, seit ich auf der Welt bin“, sagte der junge Mann, dessen Kunstwerke eine ganz schöne Fitzelarbeit sind. Die neunjährige Phinelope und ihr fünfjähriger Bruder Alexander knickten geduldig Ecke um Ecke ihres Glanzpapiers. Das Ergebnis war ein wunderschönes, zweifarbiges Herz.

Yoga auf dem Stuhl, kreativer Tanz, westafrikanische Trommelmusik und ein auf großes Interesse stoßendes Einführungsseminar zum Thema „Gruppendynamik“ gaben weitere Einblicke in das umfangreiche Kursangebot, das allein zehn verschiedene Sprachen von Arabisch über Kroatisch bis Norwegisch umfasst. Für ihr Durchhalten belohnt wurden die Besucher zum Abschluss der langen Nacht mit einem Buffet der Metzgerei Länger (ehemals Knöbl), bei dem – genau wie im VHS-Programm – jeder etwas für sich fand.

Eine Wiederauflage der Nacht ist laut Beate Ruda zumindest 2020 nicht geplant, denn in dem Jahr will die VHS sich am Stadtjubiläum beteiligen. Genau wie Geretsried wurde sie nämlich vor 50 Jahren gegründet.

tal

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