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Laubbläser sorgen immer wieder für Wirbel. Eine Nutzungsbeschränkung hat der Stadtrat jetzt abgelehnt. 

„Lasst die Finger davon“

Immer mehr Geretsrieder beschweren sich über Laubbläser - aber Stadtrat bleibt locker

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Andreas Porer muss im Bürgerservice immer wieder Beschwerden von Geretsriedern über ihre Nachbarn entgegen nehmen. Deswegen bat er den Stadtrat um eine eindeutigere Handhabe. Aber ...

Geretsried – Der eine wirft frühmorgens den Laubbläser an, der andere hört spätnachts noch laut Musik: Immer wieder laufen im Rathaus Beschwerden von Bürgern über ihre Nachbarn ein. Andreas Porer, der im Rathaus für den Bürgerservice zuständig ist, hätte sich deswegen eine eindeutigere Handhabe für seinen Fachbereich gewünscht. Der Stadtrat verwehrte ihm das Anliegen jedoch mit 6:22 Stimmen – aus verschiedenen Gründen.

Das Regelwerk, um das es geht, trägt den sperrigen Namen „Verordnung über die zeitliche Beschränkung ruhestörender Haus und Gartenarbeiten“. Porer wollte diese Verordnung noch um die „Benutzung von Musikinstrumenten, Tonübertragungs- und Tonwiedergabegeräten“ ergänzen.

Im Einzelnen schlug Porer vor: Statt wie bisher ab 7 Uhr sollten ruhestörende Tätigkeiten in Haus und Garten künftig erst eine Stunde später beginnen dürfen. Die neuen Zeiten wären demnach 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr. Lärmarme Rasenmäher dürften zusätzlich von 18 bis 20 Uhr genutzt werden. Neu aufnehmen wollte Porer zudem die Regelung, dass besonders lärmintensive Gerätschaften wie Laubbläser nur montags bis samstags von 9 bis 12 Uhr sowie montags bis freitags zusätzlich zwischen 15 und 17 Uhr erlaubt sind. „Damit würden wir unsere Verordnung an die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung für die Gewerbebetriebe anpassen“, erklärte der Abteilungsleiter. Ebenfalls neu wäre die Regelung über die Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr für die Benutzung von Musikinstrumenten und Tonwiedergabegeräten. „Das ist alles viel zu kompliziert, lasst die Finger davon“, meinte zu den Vorschlägen CSU-Stadtrat Hans Ketelhut. Die Bürger wüssten sehr wohl, wann sie leise zu sein haben. Eine zusätzliche Verordnung sei nicht notwendig. „Wir sollten nicht päpstlicher als der Papst sein“, so Ketelhut. Auch Vera Kraus (Freie Wähler) konnte sich mit dem Thema nicht anfreunden. „Es ist schwierig, wenn man nach 18 Uhr nicht mehr Rasenmähen darf, aber einen großen Garten hat und arbeiten geht“, argumentierte sie. Dass sich das Problem mit der Zeit selbst erledigen wird, weil es eine EU-Vorgabe für die Lautstärke von Rasenmähern gibt und ältere Modelle mit der Zeit ersetzt werden, glaubte Wolfgang Möckl (CSU). „Ich möchte den Bürger nicht noch weiter einschränken“, sagte er. Das fand auch Ewald Kailberth, selbst Besitzer eines zehn Jahre alten Benzin-Rasenmähers. „Wir rufen immer: Wir wollen keine weiteren Verordnungen haben“, sagte er. Andererseits liegen dem CSU-Fraktionschef selbst drei Briefe von Bürgern vor, die sich eine bessere Handhabe wünschen.

Warum zu den Bundesgesetzen noch eine zusätzliche Verordnung nötig ist, wollte Lorenz Weidinger (Freie Wähler) wissen. Porer erläuterte, dass privater Lärm auf kommunaler Ebene geregelt werde. Die Bundesimmissionsschutzverordnung gelte nur für Gewerbetreibende. Die Unterscheidung sei zuweilen schwierig. Durch die Neuaufstellung wäre es ihm möglich, solche Beschwerden als Ordnungswidrigkeitenanzeige aufzunehmen, erklärte Porer – hatte aber keinen Erfolg. Die Verordnung für Lärm in Haus und Garten bleibt wie gehabt.  sw

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