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Cybermobbing ist inzwischen eine weit verbreitete Unsitte. Viele Schulen haben darunter zu leiden - jetzt auch das Gymnasium Gerestried. 

Im Internet

In Geretsried wird ein Lehrer von Schülern so extrem gemobbt, dass sogar die Polizei ermittelt

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Schüler des Geretsrieder Gymnasiums haben im sozialen Netzwerk Instagram ihre Meinung über Lehrkräfte hinterlassen. Dabei ist in Einzelfällen eine rote Linie überschritten worden.

Geretsried - Die Unsitte, dass Lehrer auf Internetplattformen anonym beschimpft oder sogar bedroht werden, ist nicht neu. Ähnliches musste nun auch das Kollegium des Geretsrieder Gymnasiums erfahren. Der Tipp, das berichtet die stellvertretende Schulleiterin Christine Kolbeck auf Nachfrage, kam aus den Reihen der Schülerschaft. Die Hinweise führten zu einem Account im sozialen Netzwerk Instagram. Dort tummelten sich seit Herbst vergangenen Jahres gut 400 Schüler – sogenannte Follower. Viele posteten Beiträge, kommentierten Fotos und hinterließen „Likes“. 

Ins Visier geriet insbesondere eine Lehrkraft des Gymnasiums, die unflätig beleidigt wurde. Die Schulleitung wollte den Vorfall nicht geflissentlich ignorieren, sondern beschloss, die Polizei einzuschalten.  „Ich war erschüttert, wie viele Schüler sich an der Aktion beteiligt haben“, räumt Kolbeck ein. Es seien moralische und mutmaßlich auch gesetzliche Grenzen überschritten worden.

Die Polizei ermittelt wegen übler Nachrede

 „Wir ermitteln wegen übler Nachrede und Beleidigung“, bestätigt Daniel Kießling, Chef der Geretsrieder Polizei. Die Staatsanwaltschaft München II sei in das Verfahren eingeschaltet. Einen konkreten Täter habe man noch nicht ausmachen können, berichtet Kießling. Das hängt damit zusammen, dass das Gros der Schüler ihre Identität im Internet verschleiert hatte. Das gilt auch für den Administrator, sprich den Verantwortlichen für besagten Instagram-Account. 

Laut Studiendirektorin Kolbeck haben sich aber einige Schüler nicht anonymisiert am Cybermobbing beteiligt. „Wir haben darauf schulintern reagiert“, sagt Kolbeck, ohne Details preisgeben zu wollen. Laut Informationen unserer Zeitung haben einige Gymnasiasten einen verschärften Verweis kassiert. Mittlerweile seien die Posts gelöscht, der Account selbst sei trotz aller Bemühungen jedoch noch existent. „Wir sind da hilflos“, klagt Kolbeck.

Zuletzt geriet auch die Olchinger Mittelschule in die Schlagzeilen - allerdings aus ganz anderem Grund. Dort soll die Gewalt unter den Schülern eskaliert sein.

Manche haben sich entschuldigt, manche nicht

Auch der Polizei sei es bisher nicht gelungen, den Online-Dienst Instagram, der zu Facebook gehört, zum Löschen der Seite zu bewegen. „Es gab Schüler, die haben sich offen und ehrlich für ihr Tun entschuldigt“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin. Andere wiederum hätten keine Spur von Reue gezeigt. Viele hätten erklärt, dass sie die beleidigenden Posts auf der Internetseite quasi nur aus Versehen „geliked“ hätten. Kolbeck will das Geschehene nicht dramatisieren, doch in Einzelfällen sei eine rote Linie überschritten worden. Das wolle man nicht tatenlos zur Kenntnis nehmen. 

In einem Elternbrief und in einer Lautsprecherdurchsage im Gymnasium nahm die Schulleitung Stellung: Man wisse, dass Lehrer immer wieder zum Ziel von Kritik und Spott würden. Doch das Ausmaß und die große Zahl der Beteiligten „haben uns sprachlos gemacht“. Beleidigungen und Bedrohungen im virtuellen Raum seien vergleichbar mit körperlichen Gewalt, mit einer Prügelei auf dem Schulhof, bei der die Umstehenden angesichts des blutenden Opfers rufen: „Gefällt mir!“ 

Die Schulfamilie will den Fall aufarbeiten

Die Schulleitung legt das Thema nach den verhängten Disziplinarmaßnahmen nicht zu den Akten. „Es ist Aufgabe der gesamten Schulfamilie, an einem vernünftigen Miteinander zu arbeiten“, betont Kolbeck. „Wir werden weiterhin den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien thematisieren.“ Cybermobbing gegen Lehrer sei das eine, doch es gebe auch Hetze „Schüler gegen Schüler“ in der digitalen Welt. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, weiß Kolbeck. Dem müsse mit Aufklärung und Sensibilisierung entgegengewirkt werden.

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