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Unterricht am künstlichen Objekt: Dozentin Dr. Stephanie Kirchhartz (re.) erklärt in der Geltinger Tierheilpraktikerschule von Sa rah Mergen (2. v..re.)., was Paul, dem Hund, fehlt.

Animalisch gesund

Das lehrt die Schule für Tierheilpraktiker in Gelting

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Sarah Mergen leitet in Gelting eine Schule für Tierheilpraktiker. Mit welchen unkonventionellen Methoden dort gelehrt und was dort genau gemacht wird, hat die 33-Jährige verraten.

Gelting – Die Frage trifft Sarah Mergen unvorbereitet. Der Autor dieser Zeilen sorgt sich um seinen Kater Amadeus. Kürzlich hat er an dessen Bauch einen kleinen Knoten ertastet. Vermutlich ein Lipom, eine harmlose Fettgeschwulst, meinte der rasch konsultierte Veterinär. Was sagt die Tierheilpraktikerin dazu? Hat sie einen Tipp? „Puuuh“, ächzt Mergen, Dann aber sortiert die quirlige 33-Jährige ein paar Sekunden lang ihre Gedanken, und schon sprudeln die Ratschläge aus ihr heraus.

Umfassende Ausbildung an einem Ort

Zugegeben: Der Angriff war hinterhältig. Aus dem Tagesgeschäft mit den Kleintieren ist Mergen bereits seit 2009 raus. Damals verkaufte sie ihre florierende Praxis in Egling, wo sie aufgewachsen ist, und sattelte sprichwörtlich um: Fortan kümmerte sie sich als mobile Heilpraktikerin um das Wohl von Pferden, vornehmlich solchen, die sehr schnell laufen können – Galopper und Traber. Ein einträgliches Geschäft. Aber auch eins, das sie auslaugte. Das Volk auf den Rennbahnen – Pferdebesitzer, Luden, Zocker – ist anstrengend, und Mergen fragte sich „irgendwann, ob das mein Weg ist“. Gott sei Dank sei sie so mutig gewesen, zu sagen: „Nein, ist er nicht.“ Also machte sie Schluss. „Selbst wenn ich mir damit viele Kunden abgesägt habe, war ich mir sicher: Es werden andere kommen. So war es dann auch.“

In ihrem Kopf nämlich spukte – ausgehend von den Erfahrungen während ihrer eigenen Ausbildung – schon länger eine Idee herum. Mergen selbst hatte sich damals mühselig ihre Seminare und Kurse in der ganzen Bundesrepublik zusammensuchen müssen. Warum also nicht (angehende) Tierheilkundler zentral an einem Ort eine umfassende Ausbildung anbieten?

Mergen: „Ich bin nur der kreative Kopf“

2011 setzte Mergen ihren Plan um. Wobei sie – „ich bin nur der kreative Kopf“ – nicht selbst ausbildet. Das übernimmt ein gut 30-köpfiges internationales Dozenten-Team – Tierärzte und -heilpraktiker, Apotheker und Biologen. Die 33-Jährige bringt also Lehrer, Schüler und aktuelle Themen zusammen. Sie überlegt, auf welches Pferd sie im Wortsinn aufspringen könnte, welcher Lehrer dafür geeignet ist und – Mergen ist schließlich Geschäftsfrau – „wie ich’s an die Leute bringen kann“.

Der jüngste Renner? Angesagt sei, analog zur aktuellen Sportmedizin beim Menschen, das Thema Faszien – Bindegewebe, das aufgrund von Verklebungen oft Beschwerden verursacht. „Das wechselt aber. Vor zwei, drei Jahren waren Taping und die Behandlung mit Blutegeln die Hits, Osteopathie wird durchgängig angefragt.“

Mergens Institut, dazu zählen ihre Mitarbeiterinnen Kerstin Halba, Manuela Siglow, Maria Kastenmüller sowie ihr Mann Lutz Jaeger, fährt zweigleisig: Einerseits bildet es Berufsanfänger zwei Jahre lang bis zur Prüfung vor dem Verband freier Tierheilpraktiker aus – und das ganzheitlich. Zum anderen können sich fertige Heilpraktiker und auch studierte Tierärzte in den hellen, freundlichen Räumen an der Leitenstraße 40 punktuell fortbilden. Und das mit unkonventionellen Methoden, die – Mergen schmunzelt – „sonst kein Mensch“ macht. Beispielsweise formen die Schüler aus Knetmasse dreidimensionale Modelle von Verdauungssystemen. „So können sie sich ganz plastisch vorstellen, wie die Organe im Tierkörper liegen.“

Seminare fast immer ausgebucht

Mergens Seminare sind fast immer ausgebucht. Die Tierheilkunde ist ein interessanter Beruf, der einen zudem nicht hungern lässt. Die Branche boomt, „man kann gutes Geld verdienen“, sagt die 33-Jährige. Das gilt übrigens auch für sie selbst. Auch wenn es Zeiten gab, in denen sie sieben Tage die Woche schuften musste. Seitdem sie Mama ist, ihre Tochter kam vor eineinhalb Jahren auf die Welt, hat sie die Arbeit leicht reduziert, „aber ich kann ihnen sagen: Sie lohnt sich immer noch sehr.“

Ach ja, Kater Amadeus: Letztlich könne nur eine Biopsie darüber Aufschluss geben, um was es sich genau handelt, sagt Mergen. Also reinstechen, Gewebeprobe entnehmen und untersuchen. Aber sie warnt: „So eine Feinnadelaspiration kann sich zu einer Bombe entwickeln, sollte das Gewebe doch tumorös sein“. Also das Ganze lieber beobachten, empfiehlt sie. „Wenn’s nur langsam wächst, ist es höchstwahrscheinlich ein Lipom.“

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