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Verkaufsgeschick bewiesen die Zehntklässler der Mittelschule an ihrem Schülerfirma-Stand auf dem Grünen Markt. 

„Man darf sich keinen Stress machen“

Lernen für den guten Zweck: Schülerfirma hilft der Tafel

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„Man darf sich keinen Stress machen“: Das und vieles mehr haben die Zehntklässler der Mittelschule gelernt. Die Schülerfirma hat Selbstgemachtes auf dem Grünen Markt zugunsten der Tafel verkauft.

Geretsried – Mit großen Augen stapft ein Bub, vielleicht vier Jahre alt, am Dienstag über den Grünen Markt im Rathausinnenhof. Mit beiden Armen hält er sein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk vor der Brust – eine Lokomotive aus Holz. Seine Mutter hat sie am Stand der Geretsrieder Mittelschule gekauft.Sechs Zehntklässler haben ihn aufgebaut und bieten Plätzchen, Marmeladen und Schreinerarbeiten an. Der Erlös kommt der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel zugute.

„Wir wurden ins kalte Wasser geschmissen“

In einer Schülerfirma haben die jungen Frauen und Männer gelernt, dass es vieles gibt, worüber sich Unternehmer den Kopf zerbrechen müssen. „Wir wurden ins kalte Wasser geschmissen“, sagt Benedikt Marx (16). Dadurch habe er aber vieles für sein späteres Berufsleben mitgenommen. „Wir haben mehr kalkuliert und gerechnet als tatsächlich handwerklich gearbeitet“, berichtet der Zehntklässler, der eigentlich Mediengestalter werden will. „Aber ich könnte mir auch ein Handwerk vorstellen, jetzt bin ich da drin.“

Der 16-Jährige gehört der Technik-Gruppe an, die Schemel, Holzkästchen, Stiftehalter, ein Stövchen und besagte Lokomotiven hergestellt hat. „Wir haben immer mit einem Partner gearbeitet, und jeder hat den Teil gemacht, den er am besten konnte“, erklärt Christian Heiduk (16). Dabei sei es sogar zu kleinen Wettbewerben gekommen: Der Rekord für eine Holzdose lag bei einer Stunde. „Wir haben auf jeden Fall Zeitmanagement gelernt“, sagt Benedikt. Auch die Überlegung, was die Leute kaufen würden, habe Spaß gemacht. „Der Stiftehalter hat mich total überrascht, von drei haben wir schon zwei verkauft.“

Bürgermeister kauft Stiftehalter

Einer der Käufer hat keinen weiten Weg zum Grünen Markt: Bürgermeister Michael Müller hat sich eines der Modelle gesichert, an dem sich ein Kuli an einem Magneten aufhängen lässt. Beim Umgang mit den Kunden zeigen die Schüler Geschick. „Sie sind sehr freundlich und machen das sehr gut“, lobt Technik-Lehrer Hermann Lutz. Die Zehntklässler plaudern mit den interessierten Marktbesuchern und kombinieren etwa die Plätzchen mit der passenden Holzschatulle. „So kann man es gleich verschenken“, erklärt Christian.

Einen Teil der Plätzchen und Marmeladen haben Lisa Wolf (15) und Michelle Kunze (17) gebacken und gekocht. „Wir haben die Rezepte erst daheim ausprobiert, damit unsere Produkte auch schmecken“, sagen die beiden. Besonders schwierig sei gewesen, alles so zu organisieren, dass man Herstellung, Einpacken und Beschriften in einer Unterrichtseinheit von drei Stunden schafft. „Ich hab erst den Teig gemacht, damit er im Kühlschrank ruhen konnte, während ich die Marmelade zubereitet habe“, erklärt Michelle. Ihr Fazit: „Man darf sich keinen Stress machen und muss mit Spaß an die Sache herangehen.“ Den hatten die Schüler auf dem Grünen Markt – auch wenn es ziemlich kalt war.

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