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„Den Toten der Heimat“: Sonja und Hans Gruber legen am Gedenkstein vor dem Rathaus einen Kranz nieder.

Egerländer Gmoi erinnert an die Ankunft der ersten Heimatvertriebenen vor 70 Jahren

Die Geburtsstunde von Geretsried

Geretsried - Es war ein bewegender Moment: Mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein vor dem Rathaus erinnerte die Egerländer Gmoi am Donnerstagabend an die Ankunft der ersten Heimatvertriebenen vor 70 Jahren.

„Not und Tod brachten uns her. Arbeit und Fleiss schufen uns Ehr“: Mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein vor dem Rathaus eröffnete die Egerländer Gmoi am Donnerstagabend die Gedenkfeiern zur Ankunft der ersten Heimatvertriebenen vor 70 Jahren. In seiner Ansprache schlug Vorsitzender Helmut Hahn eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Eingepfercht in Viehwaggons brachte die Reichsbahn am 7. April 1946 554 Egerländer aus Graslitz nach Geretsried. Zwei Monate später folgten 212 Menschen aus Tachau und im Oktober weitere 102 aus Karlsbad und Umgebung. Der 7. April 1946 gilt als Geburtsstunde der heutigen Stadt Geretsried. Die Menschen schafften nicht nur den wirtschaftlichen Aufschwung, sie vergaßen auch ihr mitgebrachtes heimatliches Kulturgut nicht, erklärte Hahn. So feiert auch die von Karl Kugler sen. im Lager Buchberg gegründete Sing-, Spiel- und Tanzgruppe heuer ihren 70. Jahrestag. Aus ihr gingen drei Geretsrieder Traditionsvereine hervor: der Musikverein, die Chorvereinigung und die Egerländer Gmoi.

Ein Licht im Dunkel des Weltgeschehens

Zum Gedenktag spielte die Gartenberger Bunkerblasmusik der Gmoi. Vor der Kranzniederlagung gedachte Hahn nicht nur der Opfer von Krieg und Vertreibung. „Wir trauern auch um die vielen Menschen, gleich welcher Nation, Religion oder Herkunft, die auch heute noch täglich unschuldig ihr Leben verlieren“, sagte er. „Man kann es sich nicht aussuchen, ob man zum Opfer wird oder nicht.“ Die Welt sei immer noch kein Ort des Friedens, oft auch kein Ort der Gerechtigkeit und der Liebe. „Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen müssen wir versuchen, die Lichter des Friedens und der Gerechtigkeit durch das Dunkel des Weltgeschehens zu tragen“, so Hahn. „Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen. Aber es sollten die Toten sein, die den Lebenden die Augen öffnen.“

Sabine Schörner

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