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Justitias Waagschale hat sich geneigt: Eine junge Geretsriederin wurde freigesprochen. Es ließ sich nicht klären, ob sie die sexuelle Nötigung im Bus erfunden hat oder nicht. 

Jugendgericht

Sex im Linienbus? Freispruch!

Geretsried – Mit einem Freispruch endete der Prozess gegen eine junge Frau, der vorgeworfen wurde, eine sexuelle Nötigung in einem Linienbus erfunden zu haben. „Wir können im Zweifel niemanden verurteilen, von dessen Schuld wir nicht absolut überzeugt sind“, begründete Richter Urs Wäckerlin die Entscheidung des Schöffengerichts.

Er machte deutlich, dass das Gericht sich nicht zutraue, einzuschätzen, „was sich in jener Nacht in dem Bus tatsächlich abgespielt hat“.

Am späten Abend des 28. August 2014 war die damals 19 Jahre alte Geretsriederin gegen 22.30 Uhr in den Bus gestiegen, um nach Hause zu fahren. Doch statt wie gewöhnlich an der letzten Station auszusteigen, war sie – obwohl sie telefonisch mehrmals aufgefordert worden war, unverzüglich nach Hause zu kommen – an der letzten Haltestelle sitzengeblieben. Der ihr flüchtig bekannte Busfahrer habe sie eingeladen, „noch eine kleine Runde zu drehen“, hatte die Angeklagte dazu erklärt.

An der Wendeschleife in Stein soll es wenig später zu Übergriffen des damals 31 Jahre alten Familienvaters gekommen sein. Warum sie im Bus sitzen geblieben war, gehörte zu den „Auffälligkeiten“, die bei Richter und Schöffen Zweifel hinterließen. Ebenfalls „ungewöhnlich“ erschien dem Gericht, dass die 19-Jährige damals in einem Chat mit einem Freund erotische Fantasien ausgetauscht hatte, bei denen auch Sex im Bus ein Thema war. Auch die Tatsache, dass sie keinerlei Abwehrverletzungen davon getragen hatte, fand das Gericht ungewöhnlich.

Auch in den Schilderungen des Busfahrers, der wie die Angeklagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, haben sich nach Auffassung des Gerichts einige „Ungereimtheiten ergeben, die es uns unmöglich machen, zu glauben, dass es sich so zugetragen hat, wie er es erzählt“. Er habe das Gericht auf jeden Fall „nicht von Anfang an mit der Wahrheit bedient“, so Wäckerlin. In seinem eigenen Verfahren hatte der Mann erst, als DNA-Spuren keinen Zweifel mehr ließen, zugegeben, dass es zu körperlichem Kontakt gekommen war – allerdings einvernehmlich. Der Mann war vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen worden, gegen die junge Frau wurde ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung eingeleitet.

Das Gericht befand, dass sich die Angeklagte leichtfertig in eine heikle Situation gebracht habe. „Das offenbart ein erhebliches Maß an Naivität und Blauäugigkeit. Da hätten alle Alarmglocken läuten müssen“, sagte der Richter. Ungeachtet dessen, dass nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden konnte, was sich genau abgespielt hat, war das Gericht überzeugt, dass es „einen Punkt gab, wo ihre Grenze definitiv überschritten war und der Busfahrer erheblich über das Ziel hinausgeschossen ist.“ Die Staatsanwältin hatte ebenso wie Verteidigerin Ann-Charlott Wamsler in ihrem Plädoyer Freispruch beantragt.

rs

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