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Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys ab. Um den Beruf wieder attraktiver zu machen, fordert die Partei Die Linke bessere Rahmenbedingungen.

Geburtshilfe im Landkreis

Die Linke fordert mehr Geld für Hebammen

Die Linke möchte die Hebammen stärken. Bei einem Pressegespräch im Stimmkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Andreas Wagner in Geretsried erläuterte die Partei ihre Vorschläge.

Geretsried– Das Thema Geburtshilfe ist im Landkreis gerade hochaktuell. Auch wenn die Wolfratshauser Kreisklinik eine Kooperation mit dem Klinikum Starnberg eingegangen ist, um die Zahl der Geburten in der Loisachstadt anzukurbeln, bleibt das Versorgungsproblem im südlichen Landkreis bestehen. Für werdende Mütter sind die Wege in die umliegenden Krankenhäuser mit Entbindungsstationen – Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Agatharied – weit. Zu weit, wenn es schnell gehen muss. Laut Jana Kießling, regionale Sprecherin des Elternvereins „Mother Hood“, hat die Zahl der Hausgeburten in der Jachenau seit der Schließung der Asklepios-Klinik in Bad Tölz im April vergangenen Jahres zugenommen. Allerdings würden im Süden nur zwei Hebammen zur Verfügung stehen. Dadurch gebe es auch nicht genügend Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse.

„Wir fordern eine wohnortnahe Geburtshilfe sowie ausreichende Vor- und Nachsorge“, fasst Andreas Wagner die Erwartungen der Linken zusammen. Der Geretsrieder hat sich zusammen mit Harald Weinberg, Mitglied im Gesundheitsausschuss, und der Frauenpolitischen Sprecherin Cornelia Möhring Gedanken über eine Verbesserung der Situation gemacht.

Um wieder mehr Hebammen zu bekommen, soll die teure Haftpflichtversicherung (rund 6800 Euro im Jahr, wobei Zuschüsse gewährt werden) durch einen Haftungsfonds, in den alle in Heilberufen Tätigen einzahlen, ersetzt werden. Die Hebammen, die derzeit ein Durchschnittseinkommen von 24 000 Euro brutto jährlich haben, sollen besser vergütet werden.

Schließlich will die Linke die Krankenhäuser personell adäquat ausstatten. Einzelne Stationen, zu denen auch die Palliativ- und die Kinder- und Jugendabteilungen zählten, müssten quer subventioniert werden, ergänzt Harald Weinberg. Bisher würden sie leider wie „Profit Center“ betrieben.

Beim Personal bildet Wolfratshausen eine löbliche Ausnahme. Sieben Beleghebammen kümmern sich dort um die Frauen vor, während und nach der Geburt. „Das entspricht einer 1:1-Betreuung, wie wir sie uns wünschen“, erklärt Jana Kießling im Namen von „Mother Hood“. Für den Südlandkreis könnte sie sich die Einrichtung eines Geburtshauses vorstellen. Ideen dazu gibt es.

Cornelia Möhring, die aus Schleswig-Holstein stammt, berichtete, auf den Inseln sei die Situation ähnlich wie im bergigen Bayern. Kündige eine Geburt sich überraschend schnell an, helfe nur noch der Hubschrauber, der die Schwangere aufs Festland bringe. Deshalb eröffne auf der Insel Föhr demnächst ein Geburtshaus. Alle drei Linke-Politiker nannten diese Einrichtungen sicher und eine echte Alternative zum Krankenhaus oder zur Hausgeburt. „Geburtshäuser ermöglichen meist viel natürlichere Geburten als große Kliniken“, so Möhring. Für den Bau müssten staatliche Förderprogramme aufgelegt werden.

Andreas WagnerDer Geretsrieder sitzt für die Linke im Bundestag.

Andreas Wagner, dessen Frau zwei von drei gemeinsamen Kindern per Hausgeburt auf die Welt gebracht hat, wie er erzählt, möchte ein gesellschaftliches Umdenken herbeiführen. Der Gynäkologe sei nicht der einzige Fachmann, der eine Schwangerschaft feststellen und begleiten könne, ein Krankenhaus nicht der einzige Ort, um zu entbinden. Die gut ausgebildeten und in der Regel überaus engagierten Hebammen in Deutschland seien dazu ebenso in der Lage – vorausgesetzt, die Politik schaffe die entsprechenden Rahmenbedingungen.

tal

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