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Am Mittwochmorgen hat es in der Großmetzgerei Sieber in Geretsried eine Razzia gegeben.

Rückruf, Rettungsversuch und Razzia

Listerien-Funde bei Sieber: Chronologie der Ereignisse

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Geretsried – Erst ein Produktrückruf, dann der Rettungsversuch, nun die Razzia: Die Ereignisse bei der Großmetzgerei Sieber überschlagen sich. Eine Chronologie der Ereignisse.

24. März: Sieber ruft 113 Kilo seines „Original Bayerischen Wacholderwammerls“ zurück. Bei einer amtlichen Untersuchung in Nürnberg war eine bakterielle Kontamination mit Listerien festgestellt worden.

19. Mai: Das Landratsamt in Bad Tölz erhält vom Robert-Koch-Institut den Hinweis, dass Listerien auf Sieber-Produkten für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich sein könnten.

25. Mai: Das Robert-Koch-Institut schickt der Kreisbehörde eine Studie, wonach die Listerien-Spezies des Sieber-Wammerls mehreren aufgetretenen Krankheitsfällen zugeordnet werden konnte.

27. Mai: Fünf weitere positive Proben liegen vor: in Brühwurstarten, vor allem Gelbwurst. Das Bayerische Verbraucherschutzministerium rät vom Verzehr von Sieber-Produkten ab. Sie seien möglicherweise mit Listerien belastet. Sieber versucht per Eilantrag beim Verwaltungsgericht München, die Warnung im Internet zu verhindern. Der Eilantrag wird am selben Tag zurückgewiesen.

28. Mai: das Landratsamt verhängt den Produktionssstopp.

30. Mai: Sieber ruft über eine Mitteilung auf der Firmenhomepage all seine Produkte zurück. Der Wursthersteller richtet eine Hotline ein, 1000 Anrufe gehen an diesem Tag ein.

31. Mai: Pressekonferenz bei Sieber: „Wir können diese drastische Entscheidung der Behörden weder verstehen noch nachvollziehen“, sagt Firmenchef Dietmar Schach. Das Unternehmen klagt gegen den Produktionsstopp vor dem Münchner Verwaltungsgericht. Eine Entscheidung steht noch aus.

1. Juni: Der Werkverkauf an der Böhmerwaldstraße öffnet für wenige Stunden. Regionale Händler und Endverbraucher können gekaufte Waren zurückgeben. Sieber-Chef Schach sucht derweil Geldgeber. Er beziffert den finanziellen Schaden durch den Produktionsausfall auf 100 000 Euro pro Tag. 200 Tonnen zurückgerufene Ware lagern am Unternehmenssitz.

4. Juni: Experten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) finden in weiteren sieben Proben Bakterien. Die Belastungen liegen aber jeweils unterhalb des Grenzwerts, ab dem ein Lebensmittel als gesundheitsschädlich gilt.

7. Juni: Sieber meldet beim Amtsgericht Wolfratshausen Insolvenz an. „Es ist aus“, sagt Schach. 120 Mitarbeiter – 60 festangestellte, 60 mit Werkverträgen – bangen um ihren Job. Der Wolfratshauser Jurist Dr. Josef Hingerl wird vorläufiger Insolvenzverwalter. Landrat Josef Niedermaier reagiert auf den Insolvenzantrag in einer Pressemitteilung. Die Entwicklung sei bedauerlich. „Dennoch konnte an der fatalen Konstellation, welche letztendlich zur Schließung des Betriebs führte, aus Gründen des Verbraucherschutzes nicht gerüttelt werden.“

13. Juni: Insolvenzverwalter Hingerl hat den dänischen Experten Prof. Dr. Dieter Elsser-Gravensen als Experten gewonnen. Das Landratsamt erhält seinen ersten Leitfaden, wie ein Konzept zum weiteren Vorgehen aussehen kann. In einer Betriebsversammlung verbreitet Hingerl Optimismus. Er sei zuversichtlich, den Betrieb retten zu können. In zwei Monaten könnten die Maschinen wieder laufen.

14. Juni: Das Landratsamt erfährt, dass in drei weiteren Wammerlprodukten sowie in einem vegetarischen Aufschnitt aus dem Hause Sieber Listerien nachgewiesen worden sind.

15. Juni: Am frühen Morgen durchsuchen Kripo und Staatsanwaltschaft die Sieber-Firmenräume. Mehrere Aktenordner werden beschlagnahmt. Am selben Tag trifft sich Insolvenzverwalter Hingerl mit den Behörden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

dor

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