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Die Großmetzgerei Sieber musste infolge des Produktions- und VertriebsstoppsInsolvenz anmelden.

Listerienfund in Geretsrieder Großmetzgerei

Fall Sieber: SPD spricht von Schlamperei, Ministerium kontert

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Die Großmetzgerei Sieber in Geretsried ist Geschichte. Doch die Aufarbeitung des Listerienfunds in Produkten des insolventen Unternehmens ist längst nicht abgeschlossen.

Die Opposition im bayerischen Landtag kritisiert im Zusammenhang mit dem Listerienfund bei der Großmetzgerei Sieber in Geretsried das System der Lebensmittelkontrollen im Freistaat scharf. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kommt zu dem Schluss, dass sich das Umweltministerium unnötig viel Zeit gelassen hat mit dem Versand von Proben an das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Acht Todes- und  76 Krankheitsfälle

Für den SPD-Politiker ist es unerklärlich, warum es nach dem Fund eines mit Listerien belasteten Wacholderwammerls aus der Sieber-Produktion in einem Rewe-Markt in Nürnberg fast zwei Monate dauerte, bis festgestellt wurde: Der Bakterienstamm ist mit dem identisch, der seit 2012 zum Tod von acht Menschen (sie hatten teilweise Vorerkrankungen) geführt hatte. Außerdem gab es mindestens 76 Krankheitsfälle. Die Metzgerei Sieber, so Brunn, hätte viel früher geschlossen, alle Produkte früher zurückgerufen werden müssen. Sein Fazit: Das Bayerische Umweltministerium habe „geschlampt“.

Ein Sprecher des Ministeriums wies die Vorwürfe bereits nach einer sogenannten Plenungsanfrage von Brunn als haltlos zurück (wir berichteten). Behördliche Anordnungen und die Information der Öffentlichkeit seien „umgehend nach Vorliegen der wissenschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen“ erfolgt. Das Verwaltungsgericht München habe das Vorgehen bestätigt. Auf Nachfrage unserer Zeitung stellt der Ministeriumssprecher fest: „Die Vorwürfe des Abgeordneten sind haltlos. Die Vorwürfe verkennen die fachlich und rechtlich einzuhaltenden Maßgaben.“

Ministerium schildert Abläufe

Der Pressesprecher rekapituliert: Am 24. März 2016 wurden Listerien in einem Wacholderwammerl der Firma Sieber nachgewiesen, das in einem Regal eines Rewe-Marktes in Nürnberg lag. Die betroffene Charge sei umgehend zurückgerufen und die Öffentlichkeit darüber noch am selben Tag via Internet (www.lebensmittelwarnung.de) informiert worden.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, kurz LGL, habe die Probe – das sei wissenschaftlich erforderlich – bis zum 8. April aufbereitet. Das Ergebnis weiterer Analysen, dazu zähle eine „Next-Generation-Sequencing“-Typisierung, habe schlussendlich am 18. Mai vorgelegen und sei am Abend an das LGL übermittelt worden.

Zwei Tage später, so der Ministeriumssprecher, fand in Geretsried eine Betriebskontrolle durch Vertreter des Landratsamtes sowie der Regierung unter Beteiligung der Spezialeinheit des LGL statt. Dabei seien weitere Proben genommen und binnen einer Woche vom LGL ausgewertet worden. „Damit lagen am 27. Mai 2016 hinreichende Anhaltspunkte für die vom Verwaltungsgericht München bestätigte bayernweite Warnung vor den Fleisch- und Wurstwaren der Firma Sieber vor“, bilanziert der Ministeriumssprecher.

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