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Frisch aus der Druckerpresse: Der Schriftsteller Ingo Cesaro (li.) leitete das Literaturprojekt. Er zeichnet unter anderem Bildergeschichten für „Die Sendung mit der Maus“.

Am Geretsrieder Gymnasium

Literaturprojekt: Die Kunst des Dichtens und Druckens

Geretsried – Mit Hand, Herz und Verstand durften einige Schüler des Gymnasiums an einem ungewöhnlichen Literaturprojekt arbeiten. Die Deutschlehrerin Anna Schwarz holte den Schriftsteller Ingo Cesaro aus Kronach an die Schule.

Er reist durch ganz Deutschland und ins Ausland, um mit Schülern und Studenten Haikus zu verfassen und sie anschließend mit seiner mobilen Handpresse zu drucken.

Haikus stammen aus Japan. Es handelt sich um dreizeilige Gedichte. Die erste Zeile besteht aus fünf Silben, die zweite aus sieben und die dritte wieder aus fünf. Es braucht sich nichts zu reimen. Traditionelle, japanische Haikus beziehen sich auf die Gegenwart und stellen meist einen Bezug zur Jahreszeit dar. Das wohl meistzitierte Haiku der Welt ersann Matsuo Basho (1644-1694). Es lautet: „Der alte Weiher: Ein Frosch springt hinein. Oh! Das Geräusch des Wassers.“

Nach diesem Vorbild sollten sich die Fünftklässler von Anna Schwarz sowie Schüler des Pluskurses „Kreatives Schreiben“ eigene Dreizeiler ausdenken. Was dabei herauskam, klingt nicht so viel schlechter als bei den großen Meistern. Jacqueline etwa dichtete: „Ich liebe den Zoo: Die ganzen vielen Tiere. Löwen und noch mehr.“ Alinas Ergebnis erinnert an einen Poesiealbum-Eintrag: „Bleib so wie du bist. Leb’ dein Leben mit Smileys. Du bist nie allein.“ Philosophische Gedanken hat sich ein unbekannter Verfasser gemacht – jedenfalls stand sein Name nicht unter dem gedruckten Vers, der mit einigen anderen an der Wand des Klassenzimmers hing: „Der Schlaf ist heilig, so heilig wie das Wachsein. Immer und ewig.“

Das Schwierigste sei gewesen, ein Thema zu finden, sagt die neunjährige Carlotta aus der 5d. Sie habe schließlich etwas thematisiert, das sie gerne tut, nämlich Shoppen. Der Schriftsteller, Kinderbuchautor und Zeichner von Bildergeschichten für „Die Sendung mit der Maus“, Ingo Cesaro, legt Wert darauf, dass nichts vorgegeben wird. Die Kinder sollten ihrer Fantasie freien Lauf lassen, „Herz und Kopf benutzen“, sagt der Künstler mit den langen, grauen Haaren. Manche Schüler schrieben drei Haikus, manche 15. Jeder durfte sein Lieblingswerk vorlesen. „Und jeder war sehr stolz“, berichtet Anna Schwarz.

Nachdem die Nachwuchsliteraten einen Tag lang gedichtet hatten, folgte tagsdarauf die handwerkliche Arbeit. Cesaro, der von sich behauptet, die einzige mobile Setz- und Druckwerkstatt im deutschsprachigen Raum zu besitzen, hatte alles Nötige mitgebracht. Wie zu Gutenbergs Zeiten setzten die Schüler aus einzelnen Bleilettern ihre Gedichte zusammen.

Es war nicht einfach, die Buchstaben spiegelverkehrt zu legen. Schnell konnte aus einem „b“ ein „d“ werden und umgekehrt. In der Druckwalze wurden die Haikus schließlich auf farbigem Tonpapier, auf Stoffen und auf Kalenderblättern aufgebracht. Für die Kalender hatten die Gymnasiasten zuvor japanische Grafiken erstellt. Die Stoffe werden zu Kissen und Taschen verarbeitet, sodass jeder Teilnehmer eine hübsche Erinnerung oder ein Geschenk mit nach Hause nehmen konnte.

von Tanja Lühr

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