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Bis zu 600 Wohnungen könnten auf dem ehemaligen Lorenz-Areal zwischen der Elbe- und der Banater Straße entstehen.

Stadtrat stimmt mit großer Mehrheit für die Aufnahme von Gesprächen

Lorenz-Areal ist Verhandlungssache

Geretsried - Der Stadtrat hat entschieden: Die Verhandlungen über ein Wohngebiet auf dem Lorenz-Areal können beginnen.

Bei zwei Gegenstimmen hat der Stadtrat gestern Abend beschlossen, Verhandlungen mit der Krämmel Gewerbeimmobilien KG über ein Wohngebiet auf dem ehemaligen Lorenz-Areal aufzunehmen. Auf der 4,2 Hektar großen Industriebrache zwischen Elbe- und Banater Straße könnten wie berichtet bis zu 600 Wohnungen entstehen. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob dadurch die umliegenden Betriebe beeinträchtigt werden. Ein benachbartes Unternehmen, so informierte der stellvertetende Bauamtsleiter Andreas Porer, hat bereits eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.

Ursprünglich hatte die Firma Krämmel zur Sitzung die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Lorenz-Areal beantragt. Doch das ging der Stadt einen Schritt zu weit. Stattdessen lautete der Beschlussvorschlag, erst in Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer einzutreten und notwendige städtebauliche Vereinbarungen vorzubereiten. „Rechtsverbindliche Tatsachen werden damit nicht geschaffen“, erklärte Porer.

Lug: „Es geht auch um eine verlässliche Politik gegenüber den Betrieben“

Diesen Weg konnten auch die Freien Wähler mitgehen. Wie deren Sprecher Robert Lug erklärte, sei sich seine Fraktion in der Sache noch uneins. Entscheidend sei, dass Beeinträchtigungen für die umliegenden Betriebe ausgeschlossen werden. „Das ist für uns ein K.o.-Kriterium“, sagte Lug. „Es geht auch um eine verlässliche Politik gegenüber den Betrieben.“

Wenn diese Frage eindeutig geklärt sei, gelte es auch die anderen Fragen zu beantworten. Bei 600 Wohnungen würden auf dem Lorenz-Areal künftig 1500 Menschen leben, sagt Lug und sprach vom „größten Bauvorhaben nach dem Johannisplatz“. Dafür brauche man zusätzlich mindestens eine Kindertagesstätte, fünf bis sechs Klassen in den städtischen und zwei in den Landkreis-Schulen, rechnete Lug vor. Auch das erhöhte Verkehrsaufkommen und die Sozialstruktur in dem Viertel müsse berücksichtigt werden. In Abstimmung mit der Baugenossenschaft Geretsried als möglichem Projektpartner will Krämmel einen Großteil der Wohnungen im geförderten Wohnungsbau errichten. „Was aber ist bezahlbarer Wohnraum?“, fragte Lug. „Das ist immer eine sehr subjektive Betrachtung.“ CSU-Bürgermeister Michael Müller kommentierte Lugs Aussagen mit den Worten. „Das klingt alles sehr vernünftig. Das sind genau die Fragen, die wir uns stellen müssen.“

Zwei Stadträte stimmen gegen die Aufnahme von Verhandlungen

Bereits eine Antwort für sich gefunden hat Dominik Irmer. Der Stadtrat der Freien Wähler lehnt ein Wohngebiet auf dem Lorenz-Areal ab. „Das Thema sozialer Wohnungsbau ist brisant“, sagte Irmer. „Meines Erachtens ist der Platz dafür aber nicht geeignet.“ Er fürchtet, dass sich das gesamte Gewerbegebiet über die Jahre schleichend zu einem Wohngebiet entwickeln könnte, wenn Betriebe abspringen. Irmer stimmte denn auch gegen den Beschluss, mit Krämmel Verhandlungen aufzunehmen. Die zweite Gegenstimme kam von Arthur Wolfseher von der SPD.

Grünen-Sprecher Volker Witte dagegen begrüßte es, „wenn der Schandfleck endlich wegkommt“. Da das Lorenz-Areal zum Großteil bereits versiegelt sei, würde eine Bebauung „uns als Grüne nicht belasten“. Franz Wirtensohn von der CSU regte an, auch die Eigentümer des Grundstücks zwischen dem Lorenz-Areal und der Feuerwache in die Gespräche einzubeziehen. „Das gehört für mich dazu.“

Wolfgang Möckel (CSU) hatte vor der Sitzung im Immobilienmarkt gestöbert und nicht einmal eine Handvoll Mietangebote für Geretsried gefunden. Er stelle sich die gleichen Fragen wie die Freien Wähler, sagte Möckel. Aber: „Wir haben immensen Druck, dass wir endlich zu Potte kommen.“

Sabine Schörner

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