In der Rolle des Bruder Barnabas tritt Ludwig Schmid jedes Jahr beim Starkbierfest der Gartenberger Bunkerblasmusik auf.
+
In der Rolle des Bruder Barnabas tritt Ludwig Schmid jedes Jahr beim Starkbierfest der Gartenberger Bunkerblasmusik auf.

„Maibockanstich wäre realistischer“

Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas über das Starkbierfest und eine Alternative

Angesichts der Corona-Pandemie macht sich Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas keine Hoffnungen auf ein Starkbierfest in Geretsried. Aber es gibt einen Plan B.

  • In der Fastenzeit gibt es in den Städten Wolfratshausen und Geretsried ein Starkbierfest
  • Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung in Wolfratshausen bereits abgesagt
  • In Geretsried feilt man an meinem Plan B

Geretsried – „Wenn, dann sagt der Söder ab“, hat Ludwig Schmid jüngst über das Starkbierfest der Gartenberger Bunkerblasmusik gesagt. Noch steht die Veranstaltung am 19. und 20. März im Kalender, während das Pendant in Wolfratshausen, wo die Loisachtaler Bauernbühne jedes Jahr ein Singspiel aufführt, bereits gestrichen wurde. Hoffnungen, dass angesichts der Corona-Pandemie bei Bier und Blasmusik in der Fastenzeit in den Geretsrieder Ratsstuben gefeiert werden kann, macht sich Schmid aber nicht wirklich. Der Klarinettist, der auf dem Fest in die Rolle des Fastenpredigers Bruder Barnabas schlüpft, hat aber einen Plan B.

Herr Schmid, wie geht es Ihnen?

Ludwig Schmid: Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich froh, dass ich gesund bin, wenn auch corona-gestresst wie vermutlich die meisten von uns. Auf der anderen Seite fehlt mir das Musikmachen.

Probt die Bunkerblasmusik denn zurzeit?

Ludwig Schmid: Nein. Wegen der Corona-Pandemie finden seit Mitte Oktober keine Proben statt. Das trifft uns Laienmusiker alle gleich.

Könnten Sie überhaupt spielen, wenn das Starkbierfest in sechs Wochen stattfinden würde?

Ludwig Schmid: Das ist wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht in einem halben Jahr. Das Zusammenspiel wäre vermutlich anfangs etwas holprig, aber wir wären spielfähig. Es übt ja jeder für sich daheim.

Die Fastenzeit hat nun begonnen und es geht mit großen Schritten auf das Starkbierfest zu. Der Lockdown läuft aktuell zwar nur bis 7. März, aber an Großveranstaltungen wird auch danach nicht zu denken sein. Machen Sie sich wirklich Hoffnungen, am 19. und 20. März auftreten zu können?

Ludwig Schmid: Wir machen uns keine Hoffnungen. Selbst wenn wieder etwas erlaubt sein sollte, wird das Starkbierfest nicht ansatzweise so möglich sein wie bisher. Es sind ja nicht nur die Musik, die Fastenpredigt und unser Wettbewerb. Am wichtigsten sind das Publikum und die Stimmung im Saal.

Warum sagen Sie das Starkbierfest dann nicht einfach ab?

Ludwig Schmid: Richtig, es ist nicht abgesagt. Aber auch nicht wirklich angesetzt. Wir spielen aus unserem Repertoire, und die Fastenpredigt schreibe ich immer erst in der Woche vor der Veranstaltung. Wir brauchen also nicht so viel Vorlauf wie die Loisachtaler Bauernbühne, die ihr Singspiel einstudieren muss. Wir könnten das Starkbierfest innerhalb von drei Tagen auf die Beine stellen. Realistisch ist das angesichts der Situation natürlich nicht. Worüber wir uns aber ernsthaft Gedanken machen, ist eine mögliche Ersatzveranstaltung.

Die da wäre?

Ludwig Schmid: Ein Maibockanstich. Das Starkbierfest im März hat uns als kleines Licht durch die finstere Corona-Nacht geleuchtet. Aber da es nun heller wird, könnten wir uns gedulden, um im Mai zu einer vernünftigen Veranstaltung einladen zu können. Das ist ein realistischeres Ziel, da wir im Mai vielleicht auch andere Möglichkeiten haben, wenn es wärmer und länger hell ist. Und der Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus mit Django Asül als Vorbild ist ja durchaus eine Veranstaltung mit Gewicht. In meiner Rolle als Bruder Barnabas möchte ich mir ungern die Gelegenheit nehmen lassen, blöd daherzureden.

Gibt es denn gerade etwas zum dumm Daherreden?

Ludwig Schmid: Ach, es gibt doch immer etwas. Natürlich waren die Gelegenheiten für diverse Leute geringer, in Fettnäpfchen zu steigen. Aber es gab durchaus auch Situationen und Gelegenheiten, um etwas zu gewissen Themen sagen zu können. Und wir haben ja auch einige Dauerbrennerthemen. Das Jahr gibt schon was her.

Zum Beispiel?

Ludwig Schmid: Jetzt ist Wasser in unserem neuen Hallenbad. Bis zum Maibockanstich hat vielleicht schon das Wettschwimmen zwischen dem Landrat und dem Dritten Bürgermeister stattgefunden.

Sie sammeln also trotz der Planungsunsicherheit fleißig Material?

Ludwig Schmid: Eine mittelprächtige Fastenpredigt könnte ich immer aus dem Stegreif halten. Mit einem Tag Vorbereitung eine vernünftige. Aber mehr als drei, vier Tage habe ich noch nie gebraucht.

Einmal im Jahr sollten der lokalen Politprominenz wohl auch mal die Leviten gelesen werden.

Ludwig Schmid: Das würde ich so nicht sagen. Ich halte ihnen nur einen Spiegel vor. Aber ein gewisses Maß an Selbstreflexion schadet keinem, und wenn es denn eine Zwangsreflexion ist.

Falls es damit im Mai auch nichts werden würde, hätte Bruder Barnabas einen Plan C?

Ludwig Schmid: Die eine oder andere Möglichkeit würde er sicher finden, den Spiegel hochzuhalten, auf dass sich darin jeder betrachten möge. Aber er ist ja nur ein Teil der Veranstaltungen. Vor allem geht es uns von der Bunkerblasmusik um den Spaß, den wir an der Musik haben. Und dafür ist sicher auch ein Plan C möglich.

sw

Lesen Sie auch: Das sagt die Loisachtaler Bauernbühne zur Absage des Starkbierfests in Wolfratshausen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare