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Für Frank Irnich (li.) in den nächsten Tagen einer der wichtigsten Menschen: Lhakpa Tenji Sherpa wird den Geretsrieder Physiotherapeuten auf den Everest und Lhotse begleiten. 

Everest-Lhotse-Expedition 

„Mach, du faule Socke“

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Frank Irnich will in den kommenden Tagen erst den Everest und dann den Lhotse besteigen. Aktuell ruht er sich im Basislager von einer Trainingstour aus. 

Geretsried/Bad Heilbrunn – Manchmal muss man sich selbst in den Hintern treten. Da stand Frank Irnich auf halbem Weg zum Gipfel des gut 6100 Meter hohen Lobuche East in der Kälte und wartete. Derweil suchte ein Sherpa verzweifelt nach den neu verlegten Fixseilen, die irgendwo unter den rund 30 Zentimetern Neuschnee begraben sein mussten. Eine Stunde harrte Irnich – wie geheißen – der Dinge. „Ich war durchgefroren, demotiviert und wollte eigentlich wieder runter.“ In diesem Moment hörte er sich selbst reden: „Hey Frank, mach, du faule Socke. Willst doch nicht gleich am ersten Berg aufgeben, obwohl du so gut trainiert bist.“ Der mentale Fußtritt weckte ihn aus dem Selbstmitleid. Auf seinen Tipp hin – Irnich war ja nicht zum ersten Mal an diesem Berg – fand sein Führer die Seile, und weiter ging’s.

Mittlerweile sitzt der Bad Heilbrunner „ganz entspannt“ im Basislager. Essen, Unterkunft, Team – „alles ist hervorragend“, meldet der 55-Jährige via WhatsApp-Sprachnachricht vom Fuße des Mount Everest. Diesen und den Lhotse will der Physiotherapeut mit Praxis in Geretsried Mitte/Ende Mai im Zuge einer Doppelexpedition besteigen (wir berichteten). Auch gesundheitlich sei alles bestens, sagt Irnich, der vor fünf Jahren einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Blutdruckwerte und Sauerstoffsättigung sind top. Ich klopfe dreimal auf Holz, ich bin so fit wie nie.“ Gegen die Virengefahr – „um mich herum sind einige Kranke“ – wappnet er sich mit Mundschutz und häufiger Desinfektion der Hände.

Das technische Training im Khumbu-Eisfall lief ebenfalls gut. Die Everest-Teamleiterin, eine Norwegerin, und Lhakpa Tenji Sherpa, sein Begleiter auf beiden Bergen, hätten Irnich bestätigt, „dass ich technisch und körperlich und ausgezeichneter Form bin“. Der 55-Jährige ist übrigens aus dem vom Briten Richie Maybank angeführten „total überfüllten“ Lhotse- ins Everest-Team gewechselt. Und das ist „absolut multi-kulti“. An Bord sind eine Russin, eine Marokkanerin, eine Chinesin, eine Nepalesin, ein Iraner, ein Pakistaner, ein Rumäne und ein Bulgare. Die Chemie zwischen den Bergkameraden scheint zu stimmen: Im Khumbu-Aufstieg bei superschönem Wetter hatten Irnich und seine Gefährten jedenfalls einen Riesenspaß“.

Mittlerweile hat der 55-Jährige seine Akklimatisierung vorangetrieben. In einem ersten Turnus ist er auf rund 7000 Meter Höhe aufgestiegen. Ein aufkommender Sturm mit Geschwindigkeiten bis 60 Kilometer in der Stunde zwang ihn kurz vor Camp 3 zur Umkehr. Nun will er sich vier Tage im Basislager ausruhen, „sehen wie es mir geht und dann wieder ins Camp 2 klettern“. Liegen die Fixseile, nimmt Irnich am 7. oder 8. Mai den ersten Anlauf auf den Everest. Eine zweite Rotation durch alle Höhenlager zuvor spart er sich. „Das kostet zu viel Kraft, und meine Blutwerte sind dafür auch zu gut.“

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