+
Märchenerzähler aus Leidenschaft: Helmut Wittmann aus dem Salzkammergut und Ursula Weber aus Bad Tölz wollen mit ihrem Erzählkunst-Festival „verschiedene Menschen und Kulturen verbinden“.

Es war einmal und ist nicht mehr. . .

Märchen und Musik: Erzählkunst-Festival „Drachengold“

  • schließen

Geretsried – Mit spannenden Geschichten, mitreißender Musik und mehrsprachigen Künstlern öffnet das Erzählkunst-Festival „Drachengold“ ab 3. März die Tore zum Reich der Fantasie. Unter dem Titel „1001 Nacht“ verzaubern die Erzähler mit Märchen und Musik aus Osteuropa.

Wie in alten Zeiten ziehen Ursula Weber, Jan Hroncek (Geige), Ro Clausman (Gitarre) und Gaststar Helmut Wittmann aus dem Salzkammergut heuer durch Geretsried, Bad Tölz und Penzberg und erzählen von frechen Rüben, ungarischen Bärentänzen und slawischen Hexereien. Wittmann, der in seiner österreichischen Heimat bekannt aus Funk und Fernsehen („sagen-hafte“ Stunde im ORF Radio) ist, tritt zusammen mit seiner Künstlerkollegin Aneta Marie Pichler auf. Die Österreicherin mit russischen Wurzeln hat am Mozarteum in Salzburg Harfe studiert und „liebt die Welt der Märchen“. Unter dem Titel „Verflixt & ausgehext“ erzählen sie und Wittmann pfiffige Überlieferungen aus dem Alpenraum sowie osteuropäische Volksmärchen in Mundart, Russisch und Polnisch. „Einerseits unterhalten unsere Geschichten, aber immer wieder blitzt da und dort die freundliche Weisheit der Lebenserfahrung auf“, sagt Wittmann.

Im Sommer 2013 gründeten vier Tölzer Künstler den Verein „Kulturschatzhüter“, um dem freien Erzählen ein Forum zu geben. „Wir wollten Märchen für Jung und Alt erlebbar machen und dadurch zum eigenen Erzählen und Musizieren anregen“, sagt die Festival-Organisatorin Ursula Weber. Für 2016 tragen die Veranstalter noch mehr als in den Vorjahren den Wunsch im Herzen, dass sich mit dem Festival „verschiedene Menschen und Kulturen verbinden“. Denn die Faszination für andere Kulturen gehe derzeit in einer Welle aus Fremdenfeindlichkeit und Gewalt unter. Dabei gebe es so viel Bereicherndes zwischen den verschiedenen Völkern. „Geschichten und Musik gehören zu den besonderen Schätzen unserer Traditionen“, sagt Weber. „Wichtige Einsichten, Werte und Weisheiten unserer Heimat wurzeln darin.“

Die Kunst des freien Erzählens ist gleichermaßen uralt wie avantgardistisch. Und gerade im Zeitalter von Internet, Facebook und Twitter laut Weber von immenser Wichtigkeit. Denn auf wundersame Weise lassen sich dadurch Herz und Verstand verbinden. Den Weltgeschichtentag am 20. März nimmt das Erzählkunst-Festival zum Anlass, „diese Kostbarkeiten unserer Kultur aus ihren verstaubten Buchdeckeln zu befreien und ins Heute hinein zu erzählen“.

Seit 25 Jahren ist Helmut Wittmann hauptberuflich Erzähler. Entscheidend für ihn ist, dass Geschichten eine Aussage haben. „Märchen sprechen in ihrer bildhaften Sprache die eigene Körper- und Seelenwelt an und bereichern sie durch archetypische Bilder, die ins Bewusstsein aufsteigen. Sie sind Stoff für schöpferisches Denken.“ Für Ursula Weber sind Märchen „Nahrung für die Seele“. Durch das Erzählen wird laut der Religionspädagogin und Journalistin ein „kreativer, heiterer Prozess“ in Gang gesetzt, der durchweg „positive Energie transportiert“. Im Unterricht und auf Schulfesten habe sie immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Geschichten schöpferisch auf den Geist wirken und blockierte Denkvorgänge wieder in Fluss bringen. Die eigene Fantasie wird lebendig. Der Zuhörer wird zugleich Akteur der Erzählung.

Roswitha Diemer

Die Termine des Festivals

Donnerstag, 3. März, Städtetour durch Bad Tölz: 15 Uhr, Eröffnung in der AOK (Jahnstraße 6), 16 Uhr, Stadtbibliothek (Hindenburgstraße 21), 17 Uhr, Raiffeisenbank Tölzer Land;

Donnerstag, 10. März: Städtetour durch Penzberg: 15 Uhr, bei Naturzauber (Ludwig-März-Straße 5), 16 Uhr, Islamische Gemeinde (Bichler Straße 15), 17 Uhr, Stadtbücherei (Karlstraße 23);

Donnerstag, 17. März: Städtetour durch Geretsried: 15 Uhr, Jugendtreff Ein-Stein (Steiner Ring 22), 16 Uhr, AOK (Egerlandstraße 71), 17 Uhr Stadtbücherei (Adalbert-Stifter-Straße 13;

Donnerstag, 17 März: Kleinkunstabend „1001 Nacht“ mit Märchen und Musik aus Osteuropa um 20 Uhr im Kleinen Kursaal Bad Tölz;

Freitag, 18. März: Interne Schulaufführungen mit den mehrsprachigen Gastkünstlern in der Karl-Lederer-Grundschule in Geretsried. Infos zum Kartenvorverkauf unter www.drachengold-festival.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Weil sie in ein heftiges Gewitter gerieten, wollte sich eine Familie aus Tutzing am Kleinen Kiosk in Ambach unterstellen. Doch aus einem Grund wies sie der Besitzer ab.
Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Das Verbraucherschutzministerium in Bayern hat am Donnerstag die Klasse 7c der Mittelschule Geretsried für die Teilnahme an dem Projekt „Partnerschule …
Mittelschüler in Schloss Nymphenburg geehrt
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
„Dass man zum Floßfahren Wasser braucht, ist ja klar – aber doch nicht gleich so viel“, sagte Hermann Paetzmann, Mitglied des Vereins Flößerstraße, mit erbostem Blick …
Diakon Horak segnet neue Flößer-Skulptur in Wolfratshausen
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab
Aufgrund des heftigen Regens in jüngster Zeit haben sich die Pegelstände an Isar und Loisach erhöht. Nun hat das Landratsamt eine Warnung herausgegeben.
Landratsamt rät von Bootfahren auf Isar und Loisach ab

Kommentare