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Entspannung an der Isar: Hans Ketelhut mit seiner Hündin Liesl.

Im Interview

Hans Ketelhut: "Ich ziehe meinen Lebensmut aus der Musik"

Geretsried - Trotz seiner Krebserkrankung hat sich Hans Ketelhut nie hängen lassen. Wir trafen den als Bayern-Hans bekannten Alleinunterhalter, der zurzeit auf der Wiesn im Einsatz ist, zum Gespräch.

Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen, geht offen auf die Menschen zu. Es folgen ein lustiger Spruch, ein Augenzwinkern und ein herzliches Lachen. Das ist der Bayern-Hans alias Hans Ketelhut. Es wirkt, als ob der gelernte Friseurmeister, CSU-Stadtrat und Kulturreferent stets gut gelaunt ist. Und irgendwie gehört das ja auch zu seinem Image. Ketelhut ist ein gefragter Entertainer, Musiker und Sänger. Er bringt es auf über 150 Veranstaltungen im Jahr. Dazu gehört auch das Münchner Oktoberfest. Jeden Nachmittag sorgt der 66-Jährige derzeit im Zelt „Zum Stiftl“ für gute Stimmung.

Herr Ketelhut, normalerweise genießen Menschen in Ihrem Alter den wohlverdienten Ruhestand. Sie machen nicht den Eindruck, als ob Sie demnächst in Rente gehen.

Ketelhut: Musik hat nichts mit Alter zu tun. Das ist mein Leben. Wenn ich mal keine Musik mehr machen kann, dann kannst gar nichts mehr mit mir anfangen (lacht).

Denken Sie daran, kürzer zu treten?

Ketelhut: Man wird nicht jünger. Deshalb habe ich mich vor eineinhalb Jahren aus dem Friseurgeschäft zurückgezogen.

Jahrelang standen Sie im eigenen Friseursalon, waren Innungsmeister und Moderator zahlreicher Modenschauen.

Ketelhut: Die Frisuren- und Modenschauen in den 1980ern und 1990ern, das waren noch Zeiten. Fünf Jahre war ich außerdem Sprecher der Deutschen Dessous-Messe in München.

Bedauern Sie, dass es das nicht mehr gibt?

Ketelhut: Alles hat seine Zeit. Diese Moderationsjobs sind komplett weggebrochen. Das wird jetzt alles backstage gemacht.

Wann haben Sie mit der Musik angefangen?

Ketelhut: Als ich jung war, habe ich in Bands gespielt. Angefangen hat alles mit den Blue Boys. Ich hab’ Keyboard und Klavier gespielt, hab’ gesungen. Das war schön damals.

Wer hat Ihnen das beigebracht?

Ketelhut: Ich mir selbst. Auch das Akkordeonspielen. Ich kann zwar Noten lesen, spiele aber nach Gehör.

Ihr Repertoire muss inzwischen riesig sein.

Ketelhut: Ich spiele Rock’n’Roll bis Schlager, bayerische und österreichische Lieder. Man muss immer schauen, was für ein Publikum da ist, und das Programm dementsprechend anpassen.

Gibt’s Grenzen?

Ketelhut: Ja, bei Heavy Metal und ACDC. Da fehlt dann doch die E-Gitarre.

Sie spielen über 150 Veranstaltungen im Jahr, sind 17 Tage am Stück auf der Wiesn. Geht das nicht an die Substanz?

Ketelhut: Nein, das geht schon. Und ich habe gemerkt, dass das meine Stimme besser aushält als früher. Aber: Alkohol ist tabu.

Vom Publikum bekommen Sie doch bestimmt mehr als einen Schnaps spendiert.

Ketelhut: (schmunzelt) Oh ja. Da gibt’s sehr viel Schnaps. Aber das bleibt ein Musikergeheimnis, was ich mit den Stamperl mache.

Seit 14 Jahren stehen sie im Stiftl-Zelt ganz allein auf der Bühne und unterhalten hunderte Besucher. Ganz schön anstrengend, oder?

Ketelhut: Eigentlich nicht. Das ist eine schöne Kombination. Es kommen viele Stammkunden, Volksschauspieler und Komiker. Die wollen den Krach abends gar nicht. Je nachdem, wen man vor sich hat, kann man die Stücke individuell anpassen, dazwischen gibt es spontan ein paar Gstanzl.

Die Wiesn könnte das Ziel von Terroristen werden. Sie werden jeden Tag dort sein. Haben Sie Angst?

Ketelhut: Nein, ich habe kein mulmiges Gefühl. Wir können uns deswegen ja nicht zuhause einsperren. Und ganz ehrlich: Ich habe mehr Angst beim Autofahren. Ich bin viel unterwegs, fahre im Jahr an die 40 000 Kilometer. Und auf der Autobahn gehen viele Raser ein großes Risiko ein. Da wird’s einem oft ganz anders.

Sie sind ein sehr offener Mensch und gehen auch ganz offen mit ihrer Krebserkrankung um. Wie schaffen Sie es, sich nicht unterkriegen zu lassen?

Ketelhut: Ich hatte fünf verschiedene Krebserkrankungen in sechs Jahren. Nach der Wiesn im vergangenen Jahr standen 40 Tage Bestrahlung auf dem Programm. Jetzt ist Gott sei Dank alles wieder im grünen Bereich. Ich bin da ganz pragmatisch: Man darf sich einfach nicht hängen lassen, sonst bist weg vom Fenster.

Wo nehmen Sie die Kraft her?

Ketelhut: Ich ziehe meinen Lebensmut aus der Musik. Ich habe zwei CDs gemacht, ein Gedichtband mit Musik-CD ist mein nächstes Projekt. Und ich geh’ zum Fischen und in die Schwammerl, das ist mein Ausgleich.

Haben Sie auch mal einen schlechten Tag?

Ketelhut: Das kommt schon mal vor. Dann bin ich allein draußen unterwegs. Man muss mit sich ins Reine kommen, das ist meine Philosophie.

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