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Freizeitvergnügen mit Nebenwirkungen: Bootfahren auf der Isar.

Facebook-Aufruf stößt Verbotsdebatte an

Massen-Bootsfahrten auf der Isar: Werden sie verboten?

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Naturschützer atmen auf: Eine Facebook-Einladung zum massenhaften „Schlauchbootfahren auf der Isar“ wurde nach Protesten zurückgezogen. Die Debatte um das naturbelastende Freizeitvergnügen hat dennoch neuen Schwung bekommen.

Partys, zu denen über Facebook eingeladen wird, können leicht mal aus dem Ruder laufen. Zum „Schlauchbootfahren auf der Isar“ hatte die Seite „Feste und Events in München“ für den 14. Mai animiert und dazu Tour-Vorschläge von Lenggries nach Tölz, von Tölz nach Einöd und von Wolfratshausen nach München vorgeschlagen. 900 Nutzer sagten auf Facebook zu. Bei Naturschützern im Landkreis schrillten die Alarmglocken.

Im Namen des Vereins „Rettet die Isar“ schrieb der Lenggrieser Karl Probst an den Veranstalter: „Massenaufläufe nach der Art von ,Facebookpartys‘ haben in diesen Naturräumen nichts verloren und stoßen auf unseren erbitterten Widerstand.“

Auch aus Sicht von Walter Wintersberger, Kreisvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), wäre das kollektive Schlauchbootfahren „ein Super-Gau“ gewesen – „gerade zu dieser Jahreszeit“, wie er hinzufügt. Denn im Frühjahr brüten im Isargebiet viele Vögel, insbesondere Flussuferläufer und Flussregenpfeifer, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind. Zudem laichen im Frühling etliche Fischarten, die Isar ist voll mit Eiern und Jungfischen. Ein Massen-Rafting „würde sehr, sehr viel zerstören“, so Wintersberger.

Die Facebook-Einladung birgt für Wintersberger aber noch eine weitere Gefahr: „So etwas lädt zur Leichtfertigkeit ein“, sagt er. „Es wird überspielt, wie gefährlich das Schlauchbootfahren auf der Isar sein kann.“

Auch im Tölzer Landratsamt gingen gleich mehrere Sachgebiete in Habachtstellung. „Das hätte die Bereiche Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Wasser- und Naturschutzrecht betroffen“, erklärt Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde. Im Landratsamt habe man sich die Frage gestellt, ob es sich bei dem Facebook-Aufruf um eine regelrechte Veranstaltung oder eher um einen allgemein gehaltenen Freizeittipp handle. „Eine öffentliche Veranstaltung hätten wir förmlich untersagen müssen“, so Steger. „Denn sie ist zu dieser Jahreszeit im Naturschutzgebiet nicht verträglich.“

Mit der Löschung des Facebook-Eintrags sei „zunächst mal die Luft raus“, sagt Steger. Doch die Diskussionen gehen weiter. Im Landratsamt berate man, wie man – etwa über die Isar-Ranger oder eine Beschilderung – die Menschen darauf hinweist, welchen Schaden Bootstouren unter Umständen anrichten können. Allgemein werde die Behörde „genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt“. Stelle man ein „regelmäßiges Tagesgeschehen mit mehr als 100 Booten“ fest, „dann müssten wir reagieren und überlegen, wie wir den ,Gemeingebrauch‘ der Natur einschränken.“

Sowohl „Rettet die Isar“ als auch LBV hätten dazu eine klare Vorstellung: Sie schlagen vor, den Bootsverkehr zu bestimmten Zeiten zu untersagen, etwa im Frühjahr oder bei Niedrigwasser. „Mir ist klar, dass das ein schwieriger Spagat ist“, sagt Wintersberger. Denn die Bootsfahrer berufen sich auf ihr Recht auf den „Gemeingebrauch“ von Gewässern. „Aber die Isar ist ein sensibles Ökosystem, das stark unter Druck steht. Aus Naturschutzsicht wären Einschränkungen erforderlich.“

Dass die Massenbootsfahrt am 14. Mai abgeblasen ist, erleichtert Wintersberger. Doch der Schaden, dass Werbung für eine bedenkenlose Belastung der Natur gemacht wurde, bleibe. Auf der anderen Seite: Unfreiwillig könnte der Aufruf der Verbotsdiskussion Auftrieb gegeben haben.

ast

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