In einer Wohnung an der Sudetenstraße in Geretsried brennt es
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Großeinsatz im Januar 2020: Ein 24-Jähriger hatte in der Wohnung seiner Großeltern Feuer gelegt.

Prozess geht weiter

Massiver Polizei und Feuerwehreinsatz in Geretsried: Gericht rekonstruiert Ereignisse in der Nacht

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Ein Lagerist (24), vermutlich vollgepumpt mit Drogen, verursachte in der Nacht auf den 6. Januar 2020 einen massiven Polizei- und Feuerwehreinsatz. Jetzt wurde im Prozess am Landgericht München II die Nacht rekonstruiert.

Geretsried - Die als Zeugen vorgeladenen Beamten sind allesamt gestandene Polizisten. Mit viel Bedacht hatten sie die außerordentliche Bedrohungslage in den Griff bekommen. In den Vernehmungen schilderten sie eindrucksvoll, wie schwierig dieser Einsatz gewesen war.

Angeklagter hatte Polizei schon früher auf Trab gehalten

Der Angeklagte hatte die Polizei an diesem Tag schon früher auf Trab gehalten. Am Telefon hatte er aus seiner Wohnung wildes Geschrei gemeldet und eine Vergewaltigung unter seinen Nachbarn vermutet. Als die Beamten eintrafen, stießen sie auf drei Personen, die stark unter Drogen standen. Der Angeklagte war verschwunden. Stunden später verschaffte sich dieser bei seinen Großeltern Einlass in deren Wohnung. Er fühlte sich grundlos verfolgt, randalierte und fuchtelte mit einem langen Küchenmesser herum.

Die Großeltern riefen daraufhin die Polizei. Zusammen mit den Beamten verließen sie die Wohnung. Der Enkel aber legte daraufhin erst so richtig los. Gegen Mitternacht legte er Feuer, die Polizei sah ihn wie gehetzt durch die erleuchtete Wohnung marschieren, das Messer stets in der Hand.

Flammen zwangen Beamte zum Handeln

Durch die Flammen sahen sich die Beamten gezwungen, rasch zu reagieren. In dem viergeschossigen Haus lebten ja noch andere Menschen, denen durch den Rauch rasch die Flucht durch das Treppenhaus verwehrt wurde. Mit Diensthund Maxi, einem siebenjährigen Schäferhund, gelangten zwei Polizisten durch die aufgerammte Wohnungstür ins Innere. Sie merkten aber rasch, dass die Wohnung bereits vollkommen verqualmt war. Der aufmerksame Maxi verbiss sich sogar im Jackenärmel eines Beamten und versuchte ihn fürsorglich aus der Wohnung zu zerren.

Nachdem sich der Angeklagte aufgrund der Rauchentwicklung auf den Balkon geflüchtet hatte, verlagerte sich das Geschehen nach draußen. Trotz mehrfacher Aufforderung weigerte sich der junge Mann laut der Zeugen, das Messer abzulegen. Mittlerweile war auch ein guter Schütze der Polizei am Tatort eingetroffen. „Er stand komplett neben sich“, erinnerte sich der Beamte an den Zustand des 24-Jährigen. Der verlangte „richtige Polizei“ und ein Sonder-Einsatz-Kommando (SEK). Immer wieder forderten ihn die Polizisten auf, das Messer wegzulegen.

Polizist schoss in den Unterschenkel des Mannes

Die Zeit drängte, die Flammen waren nun deutlich zu sehen. Von der Feuerwehr war noch nichts zu hören oder zu sehen. „Messer weg oder ich schieße“, drohte der spätere Schütze dem Randalierer. Das mache ihm nichts, soll der Mann erwidert haben – vor Gericht hat er noch keine Angaben gemacht. Nach einem Warnschuss gegen die Fensterscheibe schoss ihm ein Polizist in den Unterschenkel. Dabei zielte er durch einen schmalen Spalt zwischen der Betonverkleidung des Balkons. Als Orientierungshilfe in der Nacht, diente ihm eine Stroboskop-Taschenlampe, die er unter der Maschinen-Pistole hielt.

Der insgesamt fünfte Schuss traf den Geretsrieder am Unterschenkel. „Aua“, schrie der Mann. „Hilfe, die wollen mich erschießen.“ Und: „Schießt nicht auf den Kopf.“ Das Messer legte er nicht weg. Minuten später brach er zusammen. Die Polizei kickte die Waffe vom Balkon, die soeben eingetroffene Feuerwehr legte eine Leiter an, und Polizei sowie Notarzt kümmerten sich um den 24-Jährigen. Der kann sich auch heute nur schwer fortbewegen und hinkt massiv. Der Prozess dauert an.

wal

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