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Eine notdürftige Bleibe haben Fundtiere im Josefa-Burger-Tierheim in Gelting. Die Kommunen unterstützen die Einrichtung mit 50 Cent pro Einwohner. Doch das scheint zu wenig zu sein.

Mehrleistungen sind für die Katz’

Geltinger Tierheim droht weiter die Insolvenz

Geretsried - Sechs von acht Gemeinden zahlen statt der vereinbarten Fundtierpauschale von 25 Cent pro Einwohner freiwillig das Doppelte. Dem Tierheim in Gelting droht trotzdem die Insolvenz.

25 Cent pro Einwohner sollen die Gemeinden jährlich an den Tierschutzverein zahlen: Darauf hatten sich die Landkreisbürgermeister bei ihrer Dienstbesprechung im Februar geeinigt. Denn: Laut Gesetz müssen die Kommunen die Kosten für die Unterbringung von Fundtieren tragen, die bei ihnen aufgegriffen werden. Nach Geretsried, Wolfratshausen, Münsing, Eurasburg und Egling hat jetzt wie berichtet auch der Dietramszeller Gemeinderat zugestimmt, freiwillig den doppelten Betrag zu überweisen. Geretsried will darüber hinaus noch eine Einmalzahlung von 5000 Euro leisten.

25 Cent müssen reichen, hatte dagegen der Gemeinderat von Königsdorf schon im Februar beschlossen. Bürgermeister Anton Demmel begründet die Entscheidung: „Es geht um die Versorgung von Fundtieren, nicht um den Betrieb des Tierheims. Das muss man trennen. Bei 25 Cent pro Einwohner im Nordlandkreis kommen pro Fundtier immerhin 500 Euro zusammen.“ In Icking steht die Entscheidung über eine freiwillige Mehrleistung laut Kämmerer Stefan Fischer erst im November oder Dezember auf der Tagesordnung.

Die Erhöhung der Fundtierpauschale in den sechs Gemeinden ist „ein Schritt in die richtige Richtung“, findet Bernhard Wahler, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Wolfratshausen-Geretsried. Aber die Kosten des Josefa-Burger-Tierheims in Gelting lassen sich damit trotzdem nicht decken: „Wir hatten im Jahresabschluss 2015 eine Unterdeckung von 58 000 Euro. Mit der 50-Cent-Regelung steigen unsere Einnahmen um 28 000 Euro.“ Es bleibe also ein Defizit von 30 000 Euro pro Jahr: „Auch das führt auf längere Sicht zur Insolvenz.“

Rund 60 Fundtiere pro Jahr versorgt das Geltinger Tierheim. Für 2016 fürchtet Wahler einen Negativ-Rekord: „Wir sind jetzt schon bei 51.“ Was kostenmäßig aber noch stärker ins Gewicht falle, seien die „Sozialfälle“ – die Hunde und Katzen, deren Besitzer gestorben ist oder zum Beispiel ins Pflegeheim muss. „Da kommen manchmal Beträge von mehreren Tausend Euro für Tierarztkosten und Futter zusammen. Selbst wenn wir die Tiere manchmal nach ein paar Monaten wieder zurückgeben können, bleiben wir auf den Kosten meistens sitzen, weil der Besitzer kein Geld hat.“ Viele, vor allem ältere Fundtiere seien zudem kaum mehr vermittelbar. Was die Versorgung eines Tieres koste, lasse sich nicht pauschal beziffern.

Wie viele andere Tierschutzvereine kann auch der des Nordlandkreises nur mit Hilfe von Schenkungen und Erbschaften überleben. Aber mit diesem Geld sollten eigentlich dringend notwendige Renovierungen des 23 Jahre alten Tierheims finanziert werden, erklärt Wahler. Stattdessen gleiche man damit die operativen Verluste aus. Kassenwart Wolfgang Fröhlich schätzt, dass die derzeitigen Rücklagen unter diesen Voraussetzungen nur noch für etwa drei Jahre reichen.

Um die laufenden Kosten zu decken, wäre laut Wahler eine Fundtierpauschale von einem Euro pro Einwohner nötig – wie sie auch der Deutsche Tierschutzbund vorschlägt. In anderen Landkreisen berappen die Kommunen sogar mehr, in Dachau beispielsweise 1,50 Euro. In Starnberg gibt es immerhin 60 Cent pro Einwohner. Dass sechs von acht Gemeinden im Nordlandkreis jetzt 50 statt 25 Cent zahlen, sei „zumindest ein Anfang“, so Wahler. Er hofft nach wie vor darauf, dass sich die Gemeinden mittelfristig auf eine Pauschale von einem Euro pro Kopf einigen.

cw

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