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Versperrt: Bei der insolventen Geretsrieder Großmetzgerei Sieber an der Böhmerwaldstraße steht die Produktion seit Monaten still. Rund 100 Mitarbeitern droht die Entlassung.

"Metzgerei steht Rechtsweg offen"

Metzgerei Sieber: Ministerium weist Vorwürfe zurück

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Geretsried –"Wir weisen die Vorwürfe zurück": Das teilt das Verbraucherschutzministerium nach den Angriffen des Metzgerei-Sieber-Insolvenzverwalters Dr. Josef Hingerl mit.

Die berufliche Zukunft der rund 100 Mitarbeiter der Geretsrieder Großmetzgerei Sieber hängt an einem seidenen Faden. Der Insolvenzverwalter, der Wolfratshauser Jurist Dr. Josef Hingerl, steht auf dem Standpunkt: Die Hälfte der beanstandeten Sieber-Produkte waren nachpasteurisiert. Das würde bedeuten: Die Waren sind nach der Produktion in der Verpackung noch einmal erhitzt worden und somit keimfrei. Ergo, so Hingerl, sei die Verfügung des Tölzer Landratsamts von Ende Mai, sämtliche Sieber-Produkte aus dem Verkehr zu ziehen, überzogen gewesen. Hingerl fordert vor diesem Hintergrund das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz auf, eine Million Euro Schadenersatz und zwei Millionen Euro Bürgschaft beizubringen, um den Geretsrieder Betrieb zu retten. Andernfalls sei er gezwungen, alle Mitarbeiter Ende September zu entlassen.

„Es gibt keinen neuen Sachverhalt. Wir weisen die Vorwürfe und Forderungen an das Verbraucherschutzministerium erneut und entschieden zurück“: Das teilt ein Ministeriumssprecher zur Causa Sieber auf Anfrage unserer Zeitung mit. Oberste Priorität habe der Schutz der Verbraucher. Aus diesem Grund „werden für Betriebe auch einschneidende Maßnahmen ergriffen, wenn sie rechtlich zulässig und erforderlich sind“. Für die konkreten Maßnahmen ist die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde vor Ort zuständig, erklärt der Ministeriumssprecher.

Das Verbraucherschutzministerium habe die Öffentlichkeit im Fall Sieber umgehend informiert – das Verwaltungsgericht München habe dieses Vorgehen in einer Eilentscheidung bestätigt. „Die zuständigen Behörden vor Ort haben darüber hinaus unmittelbar die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher ergriffen. Auch diese wurden durch das Verwaltungsgericht München im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes bestätigt.“ Die soziale Komponente kehrt der Ministeriumssprecher nicht unter den Tisch: „Hinter jedem Arbeitsplatz steht ein Mensch. Deshalb ist es immer auch ein persönlicher Schicksalsschlag, wenn Arbeitsplätze in einer Region verloren gehen.“

Die von Insolvenzverwalter Hingerl geltend gemachten Schadenersatzansprüche an den Freistaat Bayern sind aus Sicht des Verbraucherschutzministeriums unbegründet. Die Gewährung von Aufbauhilfen für insolvente Betriebe sei zudem ungeachtet ihrer rechtlichen Zulässigkeit nicht Aufgabe des Ministeriums. Unabhängig davon stehe der Großmetzgerei der Rechtsweg offen.

cce

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