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Künstler und Werk: Am Abend der offenen Galerien „Open Art“ war Michael von Hassel auf der Ausstellungseröffnung in der Galerie an der Pinakothek der Moderne.  

International geschätzter Künstler

Michael von Hassel ist der Vier-Uhr-Fotograf

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Mit  der Kamera nimmt Michael von Hassel Stimmungen auf, die sonst kaum jemand wahrnimmt. Um vier Uhr aufstehen, um ein leeres Wiesn-Festzelt zu fotofrafieren? Für den Geretsrieder gehört das dazu.

Geretsried – Michael von Hassel ist ein Mann der frühen Morgenstunden. Ein Vier-Uhr-Fotograf. Das ist der Augenblick, auf den es ihm ankommt. Die Betriebsamkeit des Lebens hält noch einen Moment inne. Das Licht des neuen Tages schimmert vorsichtig über den Horizont. Das gibt seinen Fotografien eine farbenfrohe Einsamkeit, eine dynamische Stille. Sie sind überwiegend menschenleer.

Die großformatigen Fotografien werden international hoch gehandelt. Von Hassel hat es in die Kunstszene geschafft. Seine Auszeit vom schnelllebigen und gesellschaftlichen Künstlerdasein ist die Fotografie selbst, sagt er. Und zur Ruhe kommt er in seiner Heimat Geretsried. Dort lebt schließlich seine Familie. Da atmet er durch für die nächste Tour. Seine Motive findet er auf der ganzen Welt. Er jettet von China bis Südtirol, von Kamtschatka bis Transnistrien. Auf 260 Reisetage hat er es 2016 gebracht. Heuer könnte er dieses Ziel noch toppen, sagt er. „Erst wenn du dort bist, wirst du die Kultur und die Menschen verstehen.“

Die von Hassels sind politische Menschen

Das gilt auch für Nordkorea. Dort war von Hassel im Frühjahr. Er hat eine grandiose Bergwelt entdeckt, bizarr und eiskalt, im Winter farblos und einsam. Er hat die anonymen Plattenbauten in den Städten fotografiert und ihnen eine Identität auf seinen Bildern gegeben. Auf einer Reise durch Nordkorea heißt es, Regeln zu beachten und zu respektieren, aber auch die Geschichte des Landes zu kennen und zu hinterfragen. Warum ticken die Menschen dort so wie sie ticken? Warum lässt das Land außenpolitisch die Muskeln spielen?

Die von Hassels sind politische Menschen – seit Generationen. Michael von Hassels Großvater war Zeppelin-Pilot und steuerte unter anderem die Hindenburg. Sein Großonkel war Politiker: Kai-Uwe von Hassel, Präsident des Deutschen Bundestages von 1969 bis 1972. Die beiden Männer waren aber auch Fotografen. Sie haben dem Bub die ersten Mittelformatkameras geschenkt.

Mit dem Auslöser hinter die Kulissen schauen

Wie man mit dem Auslöser hinter die Kulissen schauen kann, hat sich Michael von Hassel aber selbst beigebracht. Ein Autodidakt. Der heute 39-Jährige ist in Geretsried aufgewachsen. Nach dem Abitur und Wehrdienst studierte er in China die Landessprache. Er absolvierte eine Banklehre und ging nach London. Es folgte ein Studium der Betriebswirtschaft in Ingolstadt. Doch dann stellte sich von Hassel die Frage: „Worum geht es mir eigentlich im Leben?“ Inzwischen kennt er die Antwort: „Erkenne, dass die größte Herausforderung die höchste Befriedigung sein kann“, erklärt er.

Für die Oktoberfestzelt-Serie stand Michael von Hassel morgens um vier Uhr auf der Empore.

Städte, Natur, Bauwerke setzt von Hassel in Szene. Bis zu 200 Einzelbilder aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Belichtungen macht er von einem Motiv. So entstehen unreale Farben und eine gestochene Tiefenschärfe. Für seine Oktoberfestzelt-Serie stand der 39-Jährige um vier Uhr früh auf der Empore. Das noch leere Zelt wirkt auf seinen großformatigen Bildern, wie eine Manege unrealer Wirklichkeit.

Seine Fotografien, hochwertige Bildabzüge mit einer metallischen Oberfläche, gehören mit bis zu sechs Metern Länge, vier Metern Höhe zu den weltgrößten Formaten. Bis zu 400 Kilogramm schwer können die hinter Diamant-Weißglas gefassten Motive sein.

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