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Abschied: Dagmar Mühr gibt ihr Mini-Kaufhaus auf. Sie hat bereits einen neuen Job. 

Nebenzentrum Sudetenstrasse  

Mini-Kaufhaus schließt nach 19 Jahren

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Supermärkte, Fachgeschäfte und Gastronomie: Die Sudetenstraße hat sich zu einem gut funktionierenden Nebenzentrum entwickelt – leider nicht für alle. Ein alteingesessenes Geschäft wird in vier Wochen schließen, andere stehen schon seit längerer Zeit leer.

Geretsried – Die Regale des Mini-Kaufhauses sind noch gut gefüllt. Trotzdem finden zwei Kundinnen nicht das, wonach sie gesucht haben: Staubwedel und Kniffelblöcke sind bereits ausverkauft. Fündig wird hingegen eine ältere Dame. Sie legt zwei Schlüpfer auf den Tresen neben der Kasse. „Wir werden Sie vermissen“, sagt sie, während sie bezahlt. „Ja, es ist schade“, antwortet Geschäftsinhaberin Dagmar Mühr. „Aber es lohnt sich nicht mehr.“

19 Jahre führte Mühr ihr Mini-Kaufhaus, zweimal zog sie mit ihrem Laden um – der Sudetenstraße blieb sie dabei immer treu. „Angefangen habe ich in einem kleinen Laden neben dem Tedi“, sagt die Einzelhändlerin. Nach fünf Jahren zog sie vor an die sogenannte Herglotz-Kreuzung – dorthin, wo heute das Knusperhäuschen ist. „Damals hatte ich sieben Verkäuferinnen“, erinnert sich Mühr. Fünf Jahre später verkleinerte sie ihr Geschäft wieder und zog noch einmal um. Ende vergangenen Jahres reifte in ihr der Entschluss, das Mini-Kaufhaus aufzugeben. Zu groß sei inzwischen die Konkurrenz, sagt Mühr mit Blick auf zwei weitere Kaufhäuser an der Sudetenstraße, die größer sind und ein ähnliches Sortiment haben. „Und auch den Online-Handel merkt man.“ Ihren Laden schließt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es ist schon schade“, sagt die dreifache Mutter und vierfache Großmutter. „Aber ich bin froh, dass ich gesund bin und noch ein bisschen arbeiten kann.“ Mühr hat bereits einen anderen Job gefunden. „Wieder im Verkauf. Das macht mir Spaß“, sagt sie und lächelt.

Es gibt noch reichlich Platz für weitere Geschäfte 

Bereits vor längerer Zeit geschlossen hat eine Fahrschule ein paar Meter weiter. Aber es gibt schon eine Nachmieterin: Die Thailänderin Bourin Häuser hat in den Räumen ein Massage-Studio eröffnet. „Ich war früher in einem Fitnessstudio“, sagt Häuser, während sie den Boden kehrt. „Durch Zufall bin ich dann auf diese Räume hier gestoßen.“ Die zierliche Frau mit den langen dunklen Haaren bietet traditionelle Thai-Massage an. Zum Kennenlernen gibt es eine kleine Kostprobe: 15 Minuten gratis Massage.

Schnittblumen, Sträuße, Gestecke, Topfpflanzen und Dekoartikel hat Floristikmeisterin Franziska Strobl im Angebot. Vor eineinhalb Jahren übernahm sie den Blumenladen an der Sudetenstraße. „Uns geht’s gut hier, wenn grad keine Baustelle ist“, sagt die 26-jährige Königsdorferin und schmunzelt. Wie berichtet haben die Stadtwerke neue Leitungen verlegt. Nach der Sudetenstraße ist jetzt der Berliner Weg dran. Über ihre Kunden sagt sie: „Es gibt solche und solche.“ Sprich: Solche, die sehr auf den Preis achten und solche, die auch bereit sind, mehr Geld auszugeben. Die Geschäftsinhaberin berichtet von einer alten Dame, die sich trotz schmaler Rente Pflanzen für den Balkon gekauft habe. „Sie hat mir erzählt, dass sie lieber in einem kleinen Fachgeschäft einkauft als in einem großen Gartencenter mit Massenabfertigung.“ Die Floristikmeisterin wünscht sich, dass mehr Geretsrieder so denken. Schließlich gehe es in einem Fachgeschäft auch um Beratung und Qualität.

Platz für weitere Geschäfte gibt es noch: Neben dem Tedi-Kaufhaus steht ein Laden leer, und auch die alten Räumlichkeiten der Rossmann-Filiale – etwa 400 Quadratmeter Verkaufsfläche – sind noch zu haben. Die Drogerie zog wie berichtet vor drei Jahren auf die andere Straßenseite in das Wohn- und Geschäftszentrum der Baugenossenschaft.

Dort siedelte sich auch Daniele Sangermano mit einem kleinen Café an. „Jetzt ist wieder Leben hier“, sagt der Italiener. Sein Café hat er heuer um einen kleinen Außenbereich hinter dem Haus erweitert. „Die Leute freuen sich, dass sie jetzt auch in der Sonne sitzen können.“ Sollten ein paar Regentropfen vom Himmel fallen, ist das auch nicht weiter schlimm. „Vor ein paar Tagen sind die großen Sonnenschirme gekommen. Die halten auch ein bisschen Regen aus.“

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