Emilie Otschko an ihrem 108. Geburtstag mit zwei ihrer Kinder, Nada Siegmund (li.) und Dano Otschko (re.).
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Gratulation zum Geburtstag: Emilie Otschko an ihrem 108. Geburtstag mit zwei ihrer Kinder, Nada Siegmund (li.) und Dano Otschko (re.).

Emilie Otschko erfreut sich bester Gesundheit

Mit 108 nach Slowenien: Älteste Geretsriederin feiert ungewöhnlichen Geburtstag

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Emilie Otschko ist 108 Jahre alt geworden. Seit den 1960er Jahren lebt sie in Geretsried. Ihre alte Heimat Slowenien besucht sie aber weiterhin regelmäßig.

Geretsried – Im Jahr 1912 sinkt die Titanic, die US-Bürger wählen Woodrow Wilson zum Präsidenten – und Emilie Otschko wird im slowenischen Rogatec geboren. Die wohl älteste Geretsriederin hat zwei Weltkriege erlebt, sie zahlte mit wechselnden Währungen, dem Tolar, der Deutschen Mark und dem Euro. Otschko bekam mit, wie der Eiserne Vorhang fiel, die Europäische Union gegründet wurde und aus der Gemeinde die Stadt Geretsried wurde.

Ende vergangener Woche, am 29. Oktober, feierte Emilie Otschko ihren 108. Geburtstag. Während ihr vergangenes Jahr Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl persönlich Grüße und Geschenke von Stadt, Landkreis und Freistaat überbrachte, trudelte heuer nur eine verspätete Karte aus dem Rathaus ein, sehr zum Ärgernis von Schwiegersohn Gunter Siegmund. „Man sollte seine älteste Bürgerin nicht vergessen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Familie machte der Jubilarin ihre Aufwartung. Angesichts der Corona-Pandemie konnten allerdings nicht alle vier Kinder, sechs Enkelkinder und fünf Urenkel ins Elternhaus kommen. Dort lebt Emilie Otschko mit ihrem Sohn Daniel (85). Tochter Nada und deren Mann Gunter Siegmund besuchen sie regelmäßig.

Ein Teil der Familie lebt in Slowenien, nahe der Grenze zu Kroatien. Dort in dem historischen Markt Rogatec hat Emilie Otschko auch in diesem Ausnahmejahr ihren Sommer verbracht, berichtet Schwiegersohn Gunter Siegmund. Vier Monate verbrachte sie bei ihrem zweiten Sohn, der in diesem kleinen Ort auf jenem Bauernhof lebt, in dem die 108-Jährige aufgewachsen ist. Die zweite Tochter wohnt in der Nähe.

Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde Emilie Otschko in Rogatec deutschsprachig erzogen. Sie lernte Schneiderin und traf ihren späteren Ehemann Franz, ebenfalls Schneider. In den 1960er-Jahren, im damaligen Jugoslawien, verlor er seine Arbeit und hoffte in Deutschland auf ein besseres Leben, das das Paar in Geretsried fand. Emilie Otschko überlebte ihren Mann. Nach wie vor erfreue sie sich bester Gesundheit, versichert Schwiegersohn Gunter Siegmund. „Sie braucht nur ihre beiden Stöcke zum Gehen.“

Auf die rüstige 108-Jährige wurde in Rogatec sogar ein lokaler Radiosender aufmerksam. Er bat Emilie Otschko um ein Interview, als sie in Slowenien war. „Da kennt man sich“, sagt Siegmund und berichtet, dass sogar der Bürgermeister von Rogatec seine Glückwünsche zum Geburtstag überbrachte. Von ihrem aufregenden Urlaub in Slowenien erzählte Emilie Otschko an ihrem Ehrentag. Und natürlich gab es auch reichlich Kuchen – statt 108 Kerzen musste sie aber nur drei Kerzen in entsprechender Ziffern-Form auspusten.  sw

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