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Kostenlose Reitstunden für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen 

Mit gutem Beispiel voran

Zwei unbeschwerte Stunden durften Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen auf dem Pferdehof von Ute Grötzner in Gelting verbringen. Sabine Sigl und ihre beiden Töchter initiierten und leiteten die Aktion, die zur Nachahmung anregen soll.

Gelting Die Stars des Vormittags sind Bonnie und Wickie, ein siebenjähriges irisches Sportpferd und ein 19-jähriges Fjordpony. Die braven Tiere gehören Sabine Sigls Töchtern Julia (20) und Laura (17). Sie sind auf dem Hof von Ute Grötzner an der Buchberger Straße eingestellt. Mit Bonnie und Wickie erlebten am Ende der Weihnachtsferien vier Kinder im Grundschulalter, was es mit dem „Glück dieser Erde“, das auf dem Rücken der Pferde liegen soll, auf sich hat. So viel kann man schon vorweg nehmen: Die zwei Mädchen und zwei Buben waren begeistert und wollen unbedingt wiederkommen.

Anfangs ist die neunjährige Nadine (alle Namen auf Wunsch der Eltern und des Jugendamts geändert) skeptisch. „Ich schau’ nur zu“, sagt sie aus respektvollem Abstand, als Laura ihre große, graue Stute Bonnie aus dem Stall holt. Doch schon bald ist Nadine wie die anderen drei Kinder mit Feuereifer beim Striegeln und Kämmen der Pferde dabei. Nach der Pflege, die zur täglichen Pflicht gehört, wie Laura erklärt, legen die kleinen Reiter Bonnie und Wickie Sättel mit Haltegriff auf den Rücken. Mit Hilfe eines Hockers klettern sie auf die Vierbeiner, und dann kann es losgehen.

„Cool“, sagt Nico, ebenfalls neun Jahre alt, übers ganze Gesicht grinsend, als er von Julia geführt auf dem Fjordpony die erste Runde über den Hof dreht. Nach einer kurzen Eingewöhnung laufen die Pferde schon Slalom, steigen über niedrige Hindernisse und legen zwischendurch auch mal eine flottere Gangart ein. Die Kinder sollen ihre neuen Freunde immer wieder loben, was sie fleißig tun.

Die nächste Herausforderung besteht darin, dass die Reiter unterwegs erhöht platzierte Gegenstände einsammeln. „Gar nicht so leicht, sich nur mit einer Hand festzuhalten“, meint die zehnjährige Sophia.

Den Vieren ist am Ende der Stolz über ihre allererste, bravourös gemeisterte Reitstunde anzumerken. „Das war mein Ziel: Kindern, deren Eltern sich normalerweise keinen Reitunterricht leisten könnten, in den Weihnachtsferien eine Freude zu bereiten“, sagt Sabine Sigl. Sie sei über einen Facebook-Post einer anderen Pferdebesitzerin auf die Idee gekommen, selbst Zeit mit ihren Tieren zu verschenken.

Die Kinder wurden Sabine Sigl vom Jugendamt in Bad Tölz vermittelt, das wiederum in den verschiedenen Fachstellen im Nordlandkreis nachgefragt hatte, wer Bedarf haben könnte. Eine dieser Stellen ist die ambulante Familienhilfe der Caritas in Geretsried. Deren Mitarbeiterin Sonja Wach sagt: „Wir kennen die Kinder und Jugendlichen, die wir betreuen, gut. Wir wissen, wer Tiere mag.“ Sie würde sich freuen, wenn andere Menschen dem Beispiel der Sigls folgen würden. Wach: „Auch wer mit Hunden arbeitet oder einer anderen interessanten Freizeitbeschäftigung nachgeht, kann sich gerne an das Jugendamt oder direkt an uns wenden“.

Es sei wichtig für die Kinder, die zum Teil schwere Schicksalsschläge hinter sich hätten, „mal rauszukommen“ und etwas Schönes zu erleben. Oft würden sie in ihrer freien Zeit nur vor dem Computer sitzen. Ein spannendes, für Nadine „ein bisschen ekliges“ Erlebnis, bot Hofkatze Silva den vier Besuchern zum Schluss noch: Sie fing und verspeiste vor deren Augen eine Maus. Lediglich die bitter schmeckende Galle ließ sie übrig.

Tanja Lühr

Rubriklistenbild: © dpa

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