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Ungewöhnliches Fortbewegungsmittel: Alexander Völker ist leidenschaftlicher Zweiradfahrer. Früher hatten es ihm PS-starke Motorräder angetan. Heute bevorzugt der 36-Jährige Räder ohne und manchmal auch mit Hilfsmotor. 

Immer schön weitertreten

Mit dem Hochrad durch die Stadt

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Sein Auto hat Alexander Völker verkauft. Aber wer sieben Fahrräder hat, der braucht auch keins. Der 36-Jährige ist leidenschaftlicher Zweiradfahrer. Sein ungewöhnlichstes Stück: Ein Hochrad.

Geretsried – Ab und an sieht man Alexander Völker mit dem Hochrad durchs Stadtzentrum fahren: Meistens in der Mittagspause, wenn er zum Supermarkt und wieder zurück zu seinem „Bikeshop“ an der Böhmerwaldstraße fährt. Ganz gemütlich bewegt sich der Geretsrieder dann durch die Straßen. „Mit dem Hochrad fährt man nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit“, sagt Völker. „Das entschleunigt mal so richtig.“

Vor zirka einem Jahr legte sich der gelernte Einzelhandelskaufmann, der in Eurasburg aufgewachsen ist, das Hochrad zu. Und noch immer ist er begeistert. Am Anfang hatte er schon Respekt vor der Höhe. „Man sitzt drauf und kommt mit den Füßen nicht auf den Boden“, berichtet der Geschäftsinhaber. „Diese Angst muss man verlieren.“ Das Fahren an sich sei keine Kunst. „Das sieht schwerer aus, als es ist.“

Doch wie besteigt man den Drahtesel am besten? Die Theorie klingt simpel: Man nimmt das hintere, kleine Rad zwischen die Füße, fasst den Lenker, setzt die linke Fußspitze auf den Aufsteiger, stößt sich mit dem rechten Fuß kräftig ab, lässt sich in den Sattel gleiten, setzt die Füße auf die Pedale und tritt los. Bei Völker schaut das elegant und einfach aus. „Man muss halt nur immer treten, weil man keinen Freilauf hat“, erklärt der Zweiradfan.

Die erste Fahrt führte ihn übrigens von Geretsried nach Eurasburg zur Mama, zusammen mit zwei Freunden – der eine auf einem „Fatbike“ mit extra breiten Reifen, der andere auf einem gemütlichen „Chopper“-Rad mit geschwungenem Rahmen. Eine Stunde brauchte das Trio, bis es sein Ziel erreicht hatte. „Das war vielleicht eine Fahrt“, erinnert sich Völker und lacht. „Die Leute haben uns hinterhergerufen, wir sollen stehen bleiben.“

Auch wenn der breite, rustikale Sattel sehr bequem ist – für längere Distanzen eignet sich das Hochrad weniger. Aber dafür hat der 36-Jährige noch weitere Zweiräder in seinem Fuhrpark: zum Beispiel ein altes blaues Rennrad mit Rahmenschaltung oder ein betagtes, dunkelbraunes Damen-Fahrrad. „Das habe ich von einem Kunden beschenkt bekommen“, sagt Völker, der früher in einem alteingesessenen Geretsrieder Fahrradgeschäft gearbeitet hat. Es hat schon 30 Jahre auf dem Buckel. Aber das Chrom blitzt immer noch. „Da war kein Funken Rost dran, es war kein Achter drin, und alles hat funktioniert“, schwärmt er. Dieses Exemplar ist Völker am liebsten, wenn er ins Training zum Boxclub Edelweiß an der Jeschkenstraße fährt. Hinten im Korb auf dem Gepräckträger hat auch die Sporttasche noch Platz.

Früher hatten es ihm schnelle Motorräder angetan. Doch irgendwann kam er davon ab. Auch sein Auto verkaufte er. Dafür legte sich Völker ein Pedelec zu. Das Fahrrad mit Hilfsmotor schafft eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern in der Stunde. „Das brauche ich, um von A nach B zu kommen“, sagt er. Auch im Winter schwingt sich Völker in den Sattel, da ist er schmerzfrei. „Aber um Spaß zu haben, habe ich andere Räder.“ Kaum vorstellbar, dass er 16 Jahre ohne ausgekommen ist.

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