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Das Traditionsunternehmen Sieber ist derzeit insolvent. Wenn es eine Zukunft geben soll, muss das Unternehmen nachweisen, dass es das Bakterien-Problem in den Griff bekommen hat.

Listerienfund bei der Firma Sieber

Die Mitarbeiter sind unschuldig

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Geretsried - Wie sind die Bakterien auf das Firmengelände von Sieber gekommen? Fest steht jetzt: Die Mitarbeiter haben sie nicht eingeschleppt. Das ist das Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung, die die Behörden veranlasst hatten. 

Es war kein Sieber-Mitarbeiter, der aus Versehen Listerien in die Produktion der Großmetzgerei aus Geretsried eingebracht hat. Das ist laut Landrat Josef Niedermaier das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung von 69 Beschäftigten, die das Ministerium für Verbraucherschutz angeordnet hatte. Damit geht die Suche weiter, woher die Bakterien stammen könnten, die in Sieber-Produkten gefunden worden sind – und die nach Ansicht der Behörden sogar für einige Todesfälle verantwortlich sein könnten.

Die Keimbelastung der Mitarbeiter war unterdurchschnittlich 

Wie berichtet mussten die Mitarbeiter Stuhlproben abgeben. Das Ergebnis: „Bei Sieber waren unterdurchschnittlich viele Personen betroffen“, lediglich eine Probe sei positiv ausgefallen, so der Landrat. Der in dieser Probe gefundene Bakterienstamm sei aber nicht identisch dem Stamm Listeria monocytogenes, der für den Listerioseausbruch in Süddeutschland verantwortlich sein soll und der zu 76 Krankheits- und acht Todesfällen geführt haben soll. Die Spur verfolgten die Behörden im Mai zu Sieber nach Geretsried zurück. Daraufhin wurde ein absoluter Produktions- und Vertriebsstopp verhängt. Das Unternehmen musste sämtliche Waren zurückrufen. Kurz danach meldete die Firma Insolvenz an.

Die Quelle zu finden, wird extrem schwierig

Insolvenzverwalter Dr. Josef Hingerl hält es für extrem schwierig herausfinden, wie die Listerien letztendlich in den Betrieb an der Böhmerwaldstraße gelangt sind. Er legt den Fokus deshalb vor allem darauf, dass er in naher Zukunft eine Firma präsentieren kann, von der auch die Behörden sagen: „Dieser Betrieb ist keimfrei.“ Dann und erst dann sei es möglich, in die Zukunft zu schauen. Hingerl ist nach wie vor optimistisch, dass das gelingt. „Die Firma Sieber ist momentan tot. Aber wir werden alles tun, um sie wieder zum Leben zu erwecken.“

Der dänische Lebensmittelexperte soll am Dienstag kommen

Genau zu diesem Zweck kommt an diesem Dienstag der renommierte dänische Prof. Dr. Dieter Elsser-Gravensen nach Bayern, Hingerl selbst wird ihn vom Flughafen abholen. Der Däne ist der externe Berater, auf dem momentan alle Hoffnungen ruhen. Er soll ein Konzept entwickeln, das es Sieber erlaubt, nachweislich bakterienfrei zu produzieren. Schon beim Runden Tisch mit den Behörden (wir berichteten) war der Fachmann dabei. „Alle hatten einen ausgezeichneten Eindruck von ihm“, sagt Hingerl. Ungelöst ist noch das Problem mit den 200 Tonnen Fleisch, die auf dem Gelände lagern. An diesem Umstand wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. „Sieber hat gar nicht mehr die finanziellen Mittel, um das Fleisch zu entsorgen“, so Hingerl. Im Moment sei das kein akutes Problem, weil das Fleisch gekühlt wird. Wenn Sieber aber der Strom abgedreht wird, lässt sich leicht ausrechnen, was passiert.

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