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Die Turnhalle der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried dient seit Anfang November vergangenen Jahres als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Dasselbe gilt für die Sporthalle des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums. Zuvor hatte die Regierung von Oberbayern den Notfallplan Asyl für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ausgerufen, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen in der Landeshauptstadt voll sind.

99 Neuankömmlinge

Flüchtlinge: Mittelschul-Turnhalle wieder voll belegt

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Geretsried - Die Turnhalle der Geretsrieder Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße ist wieder voll belegt. 99 neue Flüchtlinge sind dort untergebracht. Die Quarantäne ist aufgehoben worden.

"Der Fall ist ausgestanden“: Laut Dr. Franz Hartmann, Leiter des Gesundheitsamtes in Bad Tölz, ist die über die Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtung in Geretsried verhängte Quarantäne aufgehoben worden. Wie berichtet waren Ende vergangenen Jahres in der Turnhalle der Geretsrieder Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße die Windpocken ausgebrochen. Bei einem kleinen Kind waren die Viren eindeutig nachgewiesen worden. Mittlerweile hat sich die Situation entspannt, die verhängte Quarantäne hat das Gesundheitsamt nach Angaben Hartmanns zum Jahreswechsel aufgehoben.

99 neue Asylbewerber

Thomas Bigl, Leiter des Kreissozialamts.

Am 4. Januar haben in der Mittelschulturnhalle 99 neue Asylbewerber eine vorübergehende Bleibe gefunden. Das bestätigte gestern Kreissozialamtsleiter Thomas Bigl auf Nachfrage unserer Zeitung. Die bis dato in der Einrichtung einquartierten Flüchtlinge sind nach und nach an andere Orte verlegt worden, die letzten rund 30 Anfang des Monats. Die 99 dem Landkreis neu zugewiesenen Personen kamen mit zwei Bussen nach Geretsried. Anders als in der Vergangenheit wurden sie laut Bigl nicht zuvor in der Kreisstadt, sondern direkt vor Ort registriert. Die Sporthalle der Mittelschule ist nach Worten des Kreissozialamtsleiters aktuell mit knapp 150 Personen „ausgelastet“. Die ursprüngliche Ankündigung der Regierung von Oberbayern, das Erstaufnahmelager am Geretsrieder Schulzentrum könne zu Beginn des neuen Jahres wieder für den Schul- und Vereinssport genutzt werden, ist damit überholt.
 
Stephan Heinle, Vorsitzender des TuS Geretsried, geht davon aus, dass die Halle „sicher noch eine Weile“ belegt sein wird. Dank der Kooperation in den Sparten Handball mit Wolfratshausen und Volleyball mit Münsing könnten die Aktiven in deren Hallen ausweichen. Der TuS-Chef hat jedoch bereits mehrfach betont, dass dies „keine Dauerlösung“ werden dürfe. Kreissozialamtsleiter Bigl will nicht spekulieren. Es gebe noch „kein Signal“, ob und wann das Erstaufnahmelager an der Adalbert-Stifter-Straße aufgelöst werden kann. Die Aussage von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), dass darauf hingearbeitet würde, dass die Zahl der Flüchtlinge, die Deutschland heuer aufnimmt, „deutlich“ unter der von 2015 liegen soll, stimmt Bigl vorsichtig optimistisch.

Sexuelle Übergriffe aus Köln haben keinen Einfluss

Die massiven sexuellen Übergriffe und Raubzüge in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten haben laut Bigl keinen Einfluss auf die ehrenamtliche Arbeit der Helferkreise zwischen Icking und Jachenau. Die Helfer seien allenfalls vom Geschehenen „irritiert“, ließen jedoch in ihrem Engagement nicht nach. Die Helfer im Kreis hätten bisher mit Flüchtlingen überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Das liege nicht zuletzt daran, dass das Gros der derzeit rund 1700 Asylbewerber im Landkreis dezentral untergebracht ist, vermutet Waltraud Bauhof, die sich im Dietramszeller Helferkreis federführend engagiert. Das Grundproblem in einer Millionenmetropole wie Köln seien die Massenunterkünfte, in denen oft sehr viele alleinstehende junge Männer auf engstem Raum zusammenlebten. Wenn dann ein gewisser „sexueller Notstand“ hinzukomme, eskaliere die Situation schnell, glaubt Bauhof.

"Gebt Asylbewerbern eine Chance"

In Dietramszell könne von solchen Problemen keine Rede sein: „Das Erste, was ich frage, wenn ich neue Asylbewerber in Empfang nehme, ist, ob sie ein Problem damit haben, dass ich eine Frau bin“, sagt Bauhof. Bislang habe sich daran noch niemand gestört – ebenso wenig wie an ihrem Hinweis, dass in Deutschland Frauen und Männer gleichberechtigt sind. „Gebt den Asylbewerbern eine Chance“, lautet der Appell der 75-Jährigen.

Auch Ingrid Spindler vom Heilbrunner Helferkreis warnt mit Nachdruck davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Schlechte Erfahrungen habe sie bislang nicht gemacht. „Im Gegenteil, die Menschen sind dankbar für die Hilfe, die sie bekommen.“ Um Ereignissen wie in Köln vorzubeugen, wünscht sich Spindler mehr Dolmetscher, um die Asylsuchenden in ihrer Muttersprache besser über die Rechtslage in Deutschland aufklären zu können.

cce/va

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