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41 Jahre alt ist das Schulhaus an der Adalbert-Stifter-Straße – das Alter sieht man dem Gebäude deutlich an.

Beratungen im Stadtrat

Mittelschule Geretsried: Sanieren oder Abbrechen?

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Geretsried – Die Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße ist sanierungsfähig. Trotzdem tendieren einzelne Stadträte zu einem Abbruch und Neubau.

In der Stadtratssitzung am Dienstagabend stellte der Geretsrieder Architekt Peter Oppenheimer eine Machbarkeitsstudie für das 41 Jahre alte Schulhaus an der Adalbert-Stifter-Straße vor. Demnach ist das Gebäude zu 76 Prozent sanierungsbedürftig. Dennoch kommt Oppenheimer zu dem Schluss, dass das Gebäude erhaltenswert ist und eine Generalsanierung Sinn macht. Dazu müsste zunächst ein Erweiterungsbau errichtet werden, um die Klassen auslagern zu können. Alles in allem würde die Maßnahme mehr als elf Millionen Euro kosten und sich wohl über sieben Jahre hinziehen.

Abreißen und neubauen?

„Nach dem Bericht neige ich eher dazu, das Gebäude abzureißen“, kommentierte SPD-Stadtrat Walter Büttner die Ausführungen des Architekten. Der ehemalige Gymnasiallehrer verwies auf die Dauerbaustelle des Landkreises nebenan. Durch die Maßnahmen sei das Schulzentrum „nur verschlimmbessert worden“, sagte Büttner. Oppenheimer sah hier einen Unterschied. Bei Gymnasium und Realschule sei versucht worden, sich durch Einzelmaßnahmen über die Zeit zu retten. „Das war nicht ganz so geschickt“, sagte der Architekt. Bei der Mittelschule dagegen würde man gleich eine Generalsanierung machen, also das Gebäude bis auf die Grundmauern entkernen. Danach habe man für Jahre wieder eine neuwertige Schule, wie man es auch bei der Isardamm- und der Karl-Lederer-Schule hinbekommen habe, ergänzte Stadtarchitekt Christian Müller.
 
Freie-Wähler-Sprecher Robert Lug war nicht überzeugt und sprach sich wie Büttner gegen eine Sanierung aus. Er nannte das Schulzentrum eine „Waschbetonorgie“ mit „willkürlich eingebauten Stufen“. Wolle man ein gut funktionierendes Schulhaus, gehe dies nur über einen Neubau. Lug erinnerte an die Kostenexplosion, als die damalige Adalbert-Stifter-Hauptschule um die Musikschule aufgestockt wurde. „Das war ein Millionengrab“, sagte Lug. „Da haben wir uns bequatschen lassen.“

Ein kompletter Neubau wäre um ein Vielfaches teurer

Ein kompletter Neubau der Mittelschule wäre allerdings um ein Vielfaches teurer. „Wie wollen Sie die 18 Millionen Euro haushaltstechnisch darstellen?“, fragte CSU-Bürgermeister Michael Müller und sprach von einem „netten Versuch“. Abgesehen von der Finanzierung stellen sich bei einem Abbruch noch andere Fragen: Was passiert mit der Musikschule, die sich im Obergeschoss befindet? Wo soll die neue Mittelschule gebaut werden und wie groß muss diese werden? Wie berichtet gibt es einen Beschluss des Stadtrats, die beiden Mittelschulhäuser zusammenzulegen. Das heißt, auch die Klassen aus dem Karl-Lederer-Schulhaus sollen an die Adalbert-Stifter-Straße verlegt werden. Lug schlug zur Finanzierung vor, die geplante Erweiterung der Karl-Lederer-Grundschule zurückzustellen. Diese könnte später die Räume der frei werdenden Mittelschule nutzen.
 
„Ein Neubau ist schick, schön und schnell“, sagte CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh. Er sah aber zum einen das Problem der Finanzierung. „Die Erweiterung der der Karl-Lederer-Grundschule ist ein Muss“, erklärte Reeh. Zum anderen könne heute niemand absehen, wie es mit der Mittelschule gesamtpädagogisch weitergeht. Reeh sprach sich dafür aus, die gravierendsten Mängel zu beseitigen und auf Grundlage der Machbarkeitsstudie ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Die Erkenntnis des Abends sei, so ergänzte Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU), dass die Schule sanierungsfähig ist. Mit elf Millionen Euro könnte man den akuten Bedarf decken.

Nach zwei Stunden Diskussion fasste der Stadtrat einen Beschluss

Nach zweistündiger Diskussion fasste das Gremium folgenden Beschluss: Der Stadtrat nimmt die Machbarkeitsstudie zur Kenntnis. Die Verwaltung wird beauftragt, zusammen mit der Schulleitung, dem Schulamt und der Regierung von Oberbayern ein Raumprogramm für einen Erweiterungsbau zu erstellen. Darüber hinaus wird ein Alternativkonzept für einen Neubau erarbeitet – mit Klärung der Standortfrage und Darstellung der Finanzierung. Gegen diesen Beschluss stimmte nur Hans Ketelhut (CSU). Er hält einen kompletten Neubau für unrealistisch.

sas

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