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Drei Engel für Schüler: Sponsoren ermöglichen Assistenzkräfte im Unterricht

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Von: Susanne Weiß

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Ziehen an einem Strang: (vorne v. li.) Vize-Schulleiterin Claudia Rosen, die Assistenzkräfte Katja Ritter, Caroline Osmanczyk und Helga König, Fördervereinsvorsitzende Magdalena Singer sowie die Sponsoren Erna Doll, Ursula Nachtelberger, Roswitha Beyer, Gerlinde Berchtold (beide Franz-Geiger-Verein), (hinten v. li.) Irene Wacker, Max Rummel und Ursula Goepfert (T.U.N. e.V.). Ohne Sponsoren wäre das Projekt nicht möglich Assistenzkraft motiviert Schüler
Ziehen an einem Strang: (vorne v. li.) Vize-Schulleiterin Claudia Rosen, die Assistenzkräfte Katja Ritter, Caroline Osmanczyk und Helga König, Fördervereinsvorsitzende Magdalena Singer sowie die Sponsoren Erna Doll, Ursula Nachtelberger, Roswitha Beyer, Gerlinde Berchtold (beide Franz-Geiger-Verein), (hinten v. li.) Irene Wacker, Max Rummel und Ursula Goepfert (T.U.N. e.V.). Ohne Sponsoren wäre das Projekt nicht möglich Assistenzkraft motiviert Schüler © sh

Der Förderverein der Mittelschule finanziert mit Spenden zusätzliche Assistenzkräfte im Unterricht. Sie unterstützen Lehrer und Schüler bei der Inklusion.

Geretsried – Es ist kaum zu glauben, aber es gibt Schülerinnen und Schüler, die in der fünften Klasse nicht wissen, wie sie etwas ausschneiden oder ein Lineal halten. „Wir haben in der siebten Klasse auch Kinder, die das Einmaleins nicht können. Ich bin erschüttert“, sagt Helga König. Sie ist eine von fünf Schulassistentinnen an der Geretsrieder Mittelschule. Zwei werden vom Landkreis finanziert. Die anderen drei bezahlt der Förderverein der Schule mithilfe von Spenden. Die Unterstützer machten sich jetzt an der Johann-Sebastian-Bach-Straße ein Bild von dem Erfolgsmodell.

„Ihnen wurde immer vom Sitznachbarn geholfen, und es ist nicht aufgefallen“, erklärt Magdalena Singer, ehemalige Schulleiterin und Vorsitzende des Fördervereins, das Problem mancher Schülerinnen und Schüler. Andere könnten die Anforderungen im Unterricht kognitiv nicht leisten, ergänzt Steffi Schalch, Lehrerin an der Geretsrieder Mittelschule und Beauftragte für inklusive Unterrichts- und Schulentwicklung in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach.

Mittelschule Geretsried: Sponsoren und Förderverein ermöglichen Assistenzkräfte

Mit 487 Schülerinnen und Schülern in 21 Klassen ist die Mittelschule die größte im Landkreis. „61 Prozent von ihnen, also 290, haben einen Migrationshintergrund“, berichtet Vize-Schulleiterin Claudia Rosen. Bei 55 der Kinder würde ein sonderpädagogischer Förderbedarf bestehen, entweder aufgrund einer Lernschwäche, Beeinträchtigungen in der emotionalen Entwicklung oder einer geistigen Behinderung. „Früher wären diese 55 Kinder in die Franz-Marc-Schule gegangen“, sagt Singer, also das sonderpädagogische Förderzentrum für den nördlichen Landkreis. Doch seit 2008 haben alle Eltern das Recht, ihre Sprösslinge in eine Regelschule zu schicken.

Die Mittelschule Geretsried begegnet dieser Herausforderung aktiv mit einem Inklusionsprofil. Dazu gehören neben einer Kooperation mit dem nahe gelegenen Förderzentrum und der Integrationsassistenz des Landkreises die Assistenzkräfte Katja Ritter, Caroline Osmanczyk und Helga König. Den dazu nötigen Etat von 45 000 Euro pro Jahr bringt der Förderverein dank des Beuerberger Vereins T.U.N., privater Sponsoren wie der Familie Wacker, der Ernst-Pelz-Stiftung und dank eines Zuschusses durch die Stadt auf. Für das kommende Jahr habe auch der Franz-Geiger-Verein aus Wolfratshausen eine Spende zugesagt, berichtet Singer dankbar. Da das Projekt von den Sponsoren abhängig sei, „können wir leider immer nur Jahresverträge ausstellen.“

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Assistenzkräfte können Lehrermangel-Problem nicht lösen

Die drei Frauen unterstützen die Lehrkräfte in der fünften bis siebten Klasse. „Da können wir noch am meisten bewegen“, erklärt Schalch. Als Lehrerin in der fünften Klasse sei sie dankbar für die Unterstützung. „In der Pause passiert immer etwas“, berichtet sie. Danach wäre an Unterricht nicht zu denken, würde Katja Ritter als Assistenzkraft nicht mit den betroffenen Kindern vor die Tür gehen. Es sei ein gutes Miteinander, fügt Ritter an. „Die Lehrkraft ist der Chef.“

Apropos Lehrkraft: Den Mangel an qualifiziertem Personal löst das Projekt Schulassistenz nicht. „Wir brauchen Zeit für die Kinder, um eine Bindung aufzubauen. Je geringer die Personaldecke ist, desto schwieriger ist das“, mahnt Rosen. Besonders männliche Vorbilder würden an der Schule fehlen, so Schalch.

Den Lehrkräften an der Mittelschule zollt Assistenzkraft König besonderen Respekt. In einer Klasse müssten neben denen, die gut an der Mittelschule aufgehoben seien, sowohl Kinder mit Förderbedarf als auch Kandidatinnen für den M-Zug unterrichtet werden. „Die Lehrkräfte müssen für alle da sein.“ Dass das mit etwas Unterstützung gut funktionieren kann, macht sie beispielhaft an einem Buben deutlich, der anfangs nur Fünfer geschrieben habe. „Er wurde aggressiv, wenn er eine schlechte Note hatte, hat sein Schulmaterial zerstört und war so in seiner Wut gefangen, dass er dem neuen Unterrichtsstoff gar nicht mehr folgen konnte“, berichtet König. Immer wieder habe sie ihn motiviert und gut zugeredet. Inzwischen schreibe er auch mal Dreier und Vierer. Er habe gefragt, ob er Polizist werden könne. König: „Es ist so schön, zu sehen, dass er jetzt ein Ziel hat.“

Susanne Weiß

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