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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Zum wiederholten Male wegen Betrugs vor Gericht

Modehändler vor Gericht: "Ich habe alles verkauft"

Geretsried - Er stand zum wiederholten Male wegen Betrugs vor Gericht: ein Modehändler (46) aus Geretsried. „Ich habe alles verkauft. Da war Mist mit dabei und richtig geile Teile", erklärte er.

Auf sein letztes Wort verzichtete der Angeklagte. Er schüttelte nur lustlos den Kopf. „Ich bin müde, ich möchte nicht mehr“, hatte er bereits einige Minuten zuvor zu Protokoll gegeben.

Der 46-jährige Modehändler aus Geretsried saß nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Sein Vorstrafenregister enthält mehrere Verurteilungen wegen Betrugs, Drogenhandels und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Warum er sich nun erneut wegen Betrugs in vier Fällen verantworten musste, konnte der gelernte Friseur nicht gänzlich nachvollziehen. „Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich niemanden willentlich beschissen habe“, erklärte der Angeklagte sichtlich mitgenommen. „Das ist einfach saublöd gelaufen.“

Der Geretsrieder hatte bis zu dessen Bankrott einen Modehandel geführt. „Ich habe alles verkauft. Da war Mist mit dabei und richtig geile Teile“, erklärte er dem Richter sein Geschäftskonzept. Mit seinem Unternehmen habe er mehr als 12 000 Bekleidungsgeschäfte und Mode-Outlets in ganz Deutschland und im Ausland beliefert. Allerdings nicht immer zur Zufriedenheit der Kunden: Vier davon haben gegen den Geretsrieder Betrugsvorwürfe erhoben.

Im gravierendsten Fall drehte es sich um eine Lieferung, für die der Unternehmer 10 000 Euro verlangt hatte. Die Geschädigte hatte ein Mode-Outlet eröffnet und dafür einen Posten von 1000 Levis-Artikeln bestellt. Einige Wochen zuvor hatte sie schon einmal Ware geordert. „Damals lief alles gut“, berichtete sie als Zeugin. Bei der Großbestellung war dies jedoch anders: Die Münchnerin hatte monatelang auf die Lieferung warten müssen. Als sie in Geretsried nachgefragt habe, sei sie nur vertröstet worden. Erst Monate nach der Bestellung hätte ihr eine Mitarbeiterin des Angeklagten mitgeteilt, dass ein Fehler vorliege. „Die Ware wurde doppelt verkauft“, berichtete die Zeugin den Tränen nahe. Eines hatte sie dabei stutzig gemacht: Die 1000 Levis-Artikel waren noch Wochen später auf der Online-Seite des Unternehmens als „sofort lieferbar“ zu finden.

In zwei weiteren Fällen gab es ähnliche Anschuldigungen. Der Angeklagte soll minderwertige Ware nach dem Verkauf nicht zurückgenommen haben. „Geld zurück gab es bei mir nicht. Das wussten auch die Käufer“, erklärte dazu der 46-Jährige. Im dritten Fall soll er eingekaufte Artikel im Wert von über 500 Euro nicht bezahlt haben.

Nach längerer Diskussion räumte der Unternehmer seine Schuld in diesen Fällen ein. Sein Verteidiger plädierte für ein mildes Urteil. „Der letzte Betrugsvorwurf liegt weit über zehn Jahre zurück“, sagte er mit Blick auf das Vorstrafenregister seines Mandanten. Deshalb halte er eine Geldstrafe für angemessen – „und wenn es auch das letzte Mal ist“. Eine Haftstrafe auf Bewährung wollte der Angeklagte partout vermeiden, was wiederum die Staatsanwältin stutzig machte. „Für mich klingt das so, als würde da schon wieder etwas im Hintergrund warten“, sagte sie. Der Angeklagte bestritt dies vehement. Richter Helmut Berger verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 163 Tagessätzen zu je 15 Euro, also insgesamt 2445 Euro.

von Rudi Stallein

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