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Warten auf Dobrindt: Mitglieder des Geretsrieder Modellbauclubs warten vor dem Rathaus auf den Bundesverkehrsminister. Zur Überbrückung unterhielten sie sich mit Bürgermeister Michael Müller sowie mit CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh (Mitte).

Dobrindt will helfen

Modellflieger haben Angst um ihr Hobby

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Es war eine spontane Aktion. Und auch wenn sie damit unbeabsichtigt gegen das Versammlungsgesetz verstoßen haben – für die sechs Mitglieder des Geretsrieder Modellbauclubs war der Montagabend ein Erfolg.

Geretsried – Beim Besuch von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Geretsried protestierten sie gegen eine neue Verordnung, die das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat. Diese soll den Einsatz von Drohnen strenger regeln. Das Problem: Die „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“ gilt auch für die Modellflieger – „und schränkt, wenn sie in dieser Form kommt, uns in der Ausübung unseres Hobby erheblich ein“, sagt der Vereinsvorsitzende Stefan Grasberger.

Begrenzung ist Gift für Modellflieger

Stein des Anstoßes ist die Begrenzung der Flughöhe auf 100 Meter. Was sinnvoll sein mag, um die Gefahr von Unfällen mit Drohnen zu verringern, ist für Modellflieger Gift. Aus praktischen Gründen und aus Sicherheitsgründen seien größere Höhen zum Teil sogar zwingend erforderlich, erläutert Grasberger. Ein Beispiel: Wird ein Neuling an einem Modellflieger ausgebildet und begeht einen Bedienungsfehler, „sind 100 Meter zu wenig, um zu reagieren. Der Flieger knallt auf die Erde.“

Vorstoß des Verteidigungsministeriums machte Kompromiss zunichte

Erst Mitte des vergangenen Jahres hatte das Verkehrsministerium eine Lösung erarbeitet, mit der auch die Modellflieger leben konnten. Diese sah vor, dass Piloten mit dem nötigen Kenntnisnachweis auch auf Gelände ohne gesonderte Aufstiegserlaubnis – das betrifft das Fluggelände des Geretsrieder Vereins beim Zenz-Hof in Punding (Peretshofen) – ihre Modellflieger über 100 Meter hoch fliegen lassen dürfen. Auch für das genehmigungsfreie Fliegen ganz außerhalb von Modellflugplätzen sollte die Grenze nicht gelten. Ein Vorstoß des Verteidigungsministeriums machte den Kompromiss zunichte – angeblich wegen Interessen der Bundeswehr angesichts einer erhöhten nationalen und internationalen Gefährdungslage.

Modellflieger: „Wir wollten ja keinen Ärger machen“

Das Gespräch mit Dobrindt begann am Montag gegen 19.15 Uhr, also vor dessen offiziellen Auftritt. „Wir haben höflich ,Grüß Gott‘ gesagt, sonst aber nichts“, schildert Grasberger die Situation. „Das hatten wir vorher ausgemacht, wir wollten ja keinen Ärger machen.“ Der 38-Jährige und seine Mitstreiter hatten sich Zettel mit der Aufschrift „Geretsrieder Modellflieger wehren sich: Die 100-Meter-Deckelung muss weg“ um den Hals gehängt.

Dobrindt lässt Visitenkarte da

Entgegen ihrer eigenen Erwartungen (Grasberger: „Wir dachten, er schaut uns kurz an und geht dann weiter“) sprach der Bundesverkehrsminister die Gruppe an und nahm sich ein wenig Zeit. Was daraus wird, müsse man abwarten. Fest steht: Dobrindt hat seine Visitenkarte dagelassen, darum gebeten, den Sachverhalt schriftlich festzuhalten und ihm zukommen zu lassen. „Das werden wir in den nächsten Tagen machen“, ergänzte Grasberger. Was ihm Hoffnung macht: Zwischen den Zeilen habe man heraushören können, „dass er sich nicht sicher war, ob er alle zu diesem Thema relevanten Infos hat“.

Unter dem Motto „Pro Modellflug – Hände weg von meinem Hobby“ und unter der Federführung des Deutschen Modellfliegerverbands gibt es zur 100-Meter-Deckelung auch eine Online-Petition. Sie hat bereits mehr als 128.000 Unterstützer. Von der Neuregelung betroffen sein dürften rund 300.000 Modellflieger. 

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