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Die Schatzkarte der Neuzeit: Roland Umlauft sowie die Schüler Dominik, Scott, Lukas und Bernhard stürzen sich mittels GPS-Gerät ins Abenteuer.  

Geocaching

Moderne Jäger des versteckten Schatzes

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Geocaching liegt im Trend. In der Region gibt es eine aktive Szene  und viele versteckte Schätze.

Geretsried– Wer dort Gold und Juwelen vermutet, liegt falsch. Dennoch ist am Rande des Kreisverkehrs an der Pfaffenrieder Straße in Wolfratshausen ein Schatz verborgen. Irgendwo dort ist ein Rohr um Boden eingelassen, abgedeckt mit einem Deckel, der sich nur mit einem speziellen Schlüssel öffnen lässt. Darin befindet sich die Kostbarkeit, die lediglich für Geocacher eine ist: eine kleine Dose, die ein Kleinod enthält und in die der Schatzsucher die Dokumentierung seiner erfolgreichen Suche ablegen kann.

Geocaching, so nennt sich die digitale Form eines alten Geländespiels namens Schnitzeljagd. Die analogen Schatzsucher folgten früher Papierschnipseln, Kreidekreuzen und Sägemehlspuren. Seit dem Jahr 2000 sind es Koordinaten, denen sie mittels GPS-Empfänger oder Smartphone-Apps nachgehen. Am 2. Mai damals hatten die Amerikaner die künstliche Signalverschlechterung ihres Global Positioning Systems (GPS) abgeschaltet – was es Zivilisten endlich erlaubte, auf weniger als zehn Meter genau zu orten. Einen Tag danach legte ein Amerikaner den ersten Cache.

Roland Umlauft entdeckte Hobby durch seine Tochter

Roland Umlauft ist – obwohl mit 65 Jahren kein Digital Native – einer dieser Jäger. Vor vier Jahren hat ihn dieses Hobby gepackt, als ihn seine Tochter zu einer Schatzsuche mitnahm. Seine berufliche Vergangenheit war ihm nicht hinderlich: Als ehemaliger Fertigungsingenieur ist der Geretsrieder technikaffin, jetzt im Ruhestand gibt er IT-Kurse an der Realschule. Dort betreut er auch die AG Geocaching: Neun Schüler zwischen elf und 14 Jahren machen sich unter Umlaufts Regie regelmäßig auf die Suche nach dem Verborgenem.

Geocaching kann einfach sein, aber auch sehr komplex. Die simplere Variante: Der Schatzjäger spürt einen „Tradi“ auf. Dazu fischt er sich aus dem Internet von einer der einschlägigen Seiten Koordinaten, die ihm laut Umlauft „sagen, wo er hinrennen muss“. Ist ihm das zu fad, versucht er’s mit „Multis“: Über mehrere Stationen bahnt sich der Cacher den Weg zum Ziel, an jeder erhält er den nächsten Hinweis. Ganz großer Sport sind die „Mysteries“: Hier muss man an den Stationen Rätsel lösen, die einem erst die Geodaten des nächsten Punktes preisgeben. Das Ganze garnieren Schwierigkeitsgrade zwischen eins und fünf, sowohl was die Kniffligkeit der Aufgabe als auch das Gelände betrifft. Grob gesagt: Einser-Caches kann auch ein Rollstuhlfahrer erreichen. Bei einem Fünfer kann es passieren, dass man sich von einer Brücke abseilen muss, einen Neoprenanzug oder eine Wathose benötigt. Umlauft selbst musste schon „ein Kanu 500 Meter durch den Wald ziehen“, um an den Schatz zu gelangen. Auf seiner aktuellen Jagd trägt er „eine ausziehbare, 13 Kilo schwere Alu-Leiter spazieren“. Auch Werkzeuge, Magneten oder ein Kanister mit Wasser sind zuweilen praktisch.

„Du gelangst an Orte, die du sonst nie sehen würdest.“

„Es ist nicht die Schatzsuche allein, die Umlauft so fasziniert. „Du gelangst an Orte, die du sonst nie sehen würdest. Spontan fällt ihm der ehemalige Schießplatz westlich des Königsdorfer Segelflugplatzes ein. Oder der Auermühlbach in München, ein Multi. Ohne Caching wäre der 65-Jährige „im Leben nicht dort hingekommen“.

Spektakulär ist ebenfalls der Einfallsreichtum jener Cacher, die selbst Schätze verstecken. Klar gebe es die simple Tupperdose unter einer Baumwurzel, sagt der Geretsrieder, andere aber „bauen riesige Kästen“. Gelingt es dem Suchenden, sie zu öffnen, „spielt was Elektronisches“. So viel sei hier verraten: Eine dieser Wunderkisten befindet sich nahe der Sauerlacher Autobahn-Anschlussstelle. Hinter ihrer Tür verbirgt sich eine ausgeklügelte Hotel-Miniatur mit Aufzug und einzelnen Zimmern. In letzteren kann der Cacher travel bugs ablegen – Metallplaketten, die er Gegenständen anheftet, die er dann selbst auf Reisen schickt.

Die hiesige Cacher-Szene ist recht aktiv – und gut vernetzt. „Wir sind so 20 Leute im Geretsrieder-Wolfratshauser Raum“, sagt Umlauft. Einen Verein gibt es nicht, man trifft sich aber gelegentlich auf sogenannten Events. „Zwei haben wir in letzter Zeit gemacht“, sagt Roland Umlauft. Deren Motto: Einstieg ins Lösen von Rätseln. „Da war die Bude voll.“

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